Hebriden Einsame Traumstrände

Sie sind Europas Außenposten, hier ticken die Uhren anders: auf den Hebriden an der Westküste Schottlands. Der Flughafen ist ein Familienbetrieb, die Landezeiten richten sich nach Ebbe und Flut, die Rollbahn ist der Strand. Nur wenige Touristen finden den Weg auf die Inselgruppe.

Castlebay - Mit dem Flug an den äußersten Rand Europas beginnt in Glasgow eine Zeitreise: ein Trip zurück in die gute alte Zeit, als die Fliegerei noch einen Hauch von Abenteuer hatte. Vielleicht ist das die beste Einstimmung für einige einsame Tage auf den Hebriden, jener Inselkette vor Schottlands Westküste, wo es die Leute mit der Zeit nicht so wichtig nehmen wie anderswo.

Der Flug führt weit hinaus in die Einsamkeit: bis nach Barra, der südlichsten Insel der Äußeren Hebriden. In der Propellermaschine der British Airways vom Typ "Twin Otter" finden gerade mal 19 Passagiere Platz. Wer einen Fensterplatz bekommt, hat während des einstündigen Fluges einige spektakuläre Ausblicke garantiert.

Gelandet wird auf dem Strand der Bucht von An Thràigh Mhòr, am Nordzipfel von Barra - aber nur, wenn es das Meer zulässt. Markierungen gibt es auf dem "weltweit einzigen Beach Airport" keine. Die Start- und Landezeiten richten sich nach Ebbe und Flut: Wenn das Wasser bereits zu hoch steht, muss die Maschine aus Glasgow wieder umkehren.

Schöne Architektur sucht man vergebens

Auch im Terminal wird jedem Neuankömmling sofort klar, dass die Uhren auf den Hebriden anders gehen. Das Flughafen-Café "Cafaidh Fosgailte" ist ein Familienbetrieb. Die Auswahl an Speisen besteht aus einigen selbst belegten Sandwiches, hausgemachten Suppen und selbst gebackenen Kuchen. Dass auf Barra nicht übermäßig viel zu erleben ist, erkennt man auch daran, dass vor jeder Landung auch ein Häuflein Touristen die Tische besetzt: Die Ankunft der Propellermaschine ist ein Höhepunkt des Insellebens.

Alles in allem haben auf dem sechs Kilometer langen und vier Kilometer breiten Eiland gerade mal etwas mehr als 1000 Menschen ihren Wohnsitz. Schön sind die meisten Häuser nicht. Die Insulaner legen mehr Wert darauf, dass die Bauten billig sind und ihren Zweck erfüllen. Schon seit Jahrhunderten ist der Clan der MacNeils die wichtigste Familie der Insel, die auf Gälisch Eilean Bharraigh heißt.

Wer Wert auf Tempo legt, kann Barra mit dem Mietfahrrad in anderthalb Stunden umrunden. Die einzige größere Gemeinde auf der Insel heißt Castlebay. Dort sind auch die drei Hotels beheimatet: das "Castlebay", das "Tigh-na-Mara" und das "Isle of Barra" - auch eine architektonische Scheußlichkeit aus den siebziger Jahren, aber direkt an einem wunderschönen Strand und mit einer äußerst freundlichen Dame am Empfang, die einem genau sagen kann, auf welchen Hügel man sich stellen muss, um inmitten der vielen Funklöcher mit seinem Handy Empfang zu haben.

Für ein Bad im Atlantik muss man schon abgehärtet sein

Für ein Bad im Atlantik muss man schon abgehärtet sein

Barra ist ein guter Auftakt, um mit der Fähre die 200 Kilometer lange Inselkette der Äußeren Hebriden zu erkunden. Auf den "Outer Hebrides" wie Barra, Uist, Lewis oder Harris geht es noch um einiges gemächlicher zu als auf den "Inner Hebrides" wie Mull, Jura und Skye.

Auch in der Hauptsaison ist noch ohne größere Probleme ein Zimmer zu bekommen - was auch kaum verwundert, erreichen doch die Temperaturen selbst im Hochsommer nur selten einmal 20 Grad. Für ein Bad im Atlantik muss man schon abgehärtet sein.

Im Gegenzug werden Besucher mit kilometerlangen Sandstränden belohnt, auf denen man - im Rollkragenpullover - auch im Juli und August ziemlich allein durch die Welt spazieren kann. Der Strand von Tráigh Losgaintir auf Harris zum Beispiel wird Jahr für Jahr zu einem der schönsten Strände der Welt gewählt. An der Einsamkeit hat das wenig geändert.

Ganz in der Nähe des Traumstrandes befindet sich auch eine der schönsten Übernachtungsmöglichkeiten der gesamten Inselkette: das "Scarista House", das von Tim und Patricia Martin betrieben wird. Es gibt nur vier Räume, weder Fernseher noch Telefon auf dem Zimmer, dafür aber einen wunderbaren Lesesaal mit Kamin.

Jeden Abend um 20 Uhr wird für die Hausgäste das gemeinsame Abendessen serviert. Und wer trotz des Whiskys einen Verdauungsspaziergang unternehmen will, muss sich um die Rückkehr keine Sorgen machen: Schlüssel brauchen Gäste in Hebriden-Unterkünften wie dem "Scarista House" keine.

Konrad Basler, dpa

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