Heiligendamm Geschlossene Gesellschaft

Der mondäne Badeort ist nur noch für wenige Tage in der Hand von Touristen. Sicherheitszäune stehen, Polizisten patrouillieren überall - und in der kommenden Woche werden die bisher noch offenen Durchgänge geschlossen. Heiligendamm ist nicht mehr wie es war.

Heiligendamm - Ein stacheldrahtbewehrter Sicherheitszaun um den Ort, auffällig platzierte Polizeifahrzeuge und patrouillierende Polizeibeamte - knappe zwei Wochen vor Beginn des G8- Gipfels in Heiligendamm bei Rostock sind die äußeren Anzeichen für das Ereignis unübersehbar. Doch die Einwohner des kleinen Ostsee- Badeortes geben sich gelassen. "Noch lebt es sich ganz ruhig hier", sagt Lothar Peter, Geschäftsmann aus dem Ort.

Vom 6. bis 8. Juni treffen sich in dem knapp 300 Einwohner zählenden Ort die Staats- und Regierungschefs der führenden sieben Industrienationen und Russlands. Die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen machen vor den Einheimischen nicht halt. Für die Zeit des Gipfels mussten sie Sonderausweise beantragen, berichtet Peter, während er vor seinem Haus am Auto bastelt. "Sonst kommt man in der Zeit weder rein noch raus." Bis auf die Polizeipräsenz spüre man vorerst keine Einschränkungen. Er selbst sei noch kein einziges Mal kontrolliert worden.

"Wir wurden bestimmt registriert und die Sicherheitskräfte wissen, wer wir sind." Der zwölf Kilometer lange Sicherheitszaun ist noch an sieben Stellen geöffnet, unter anderem schnauft die Dampfeisenbahn "Molli" durch die Sperre, auch Autos, Radfahrer und Fußgänger können an den offiziellen Durchgängen passieren. Am 30. Mai wird der Zaun geschlossen, dann ist Heiligendamm nur noch mit den Sonderausweisen zu betreten. Dazu wurden knapp 1000 Menschen registriert und fotografiert, neben den Einwohnern Heiligendamms auch Beschäftigte des Grand Hotels Kempinski und andere Dienstleister.

Schon lange ausgebucht

Manche von ihnen wollen während des Gipfels aber gar nicht erst in den Küstenort kommen. "Das lohnt sich für mich nicht", meint der Betreiber eines Strandbistros, der in einem benachbarten Ort wohnt. "Wenn alles abgesperrt wird, hätte ich eh' keine Kundschaft." Für die Pensionsbetreiber im Ort gilt das nicht. "Wir sind schon seit langem ausgebucht", erzählt eine Vermieterin. In ihren Ferienwohnungen sind während der Gipfelzeit Beamte des Bundeskriminalamts einquartiert. "Die haben sich als allererste gemeldet, ich hätte die Ferienwohnungen aber auch ohne den Gipfel vermieten können", erzählt sie. Im Juni seien sie immer gut gebucht.

In den Maitagen vor dem Gipfel ist die Uferpromenade vor dem Tagungshotel Kempinski noch fest in der Hand von Ausflüglern. "So etwas bekommt man nur ein Mal im Leben", sagt Hotelchef Martin Kolb. Er soll aus der Luxusherberge ein profitables Haus machen. Der G8-Gipfel sei dabei eine unbezahlbare Werbung. "Es wird keinen Politik interessierten Menschen auf der Welt geben, der uns nicht kennt."

Am Strand aalen sich derweil die Sonnenanbeter. Schon bald wird hier ein in Mecklenburg-Vorpommern gebauter Riesenstrandkorb stehen, der - wenn es das Protokoll und Wetter zulassen - die acht Staatschefs und EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso unter dem Sonnendach vereinen soll.

Doch zur Zeit schlendern noch die Urlauber über die Seebrücke. Wie Gerhard Weil zum beispiel, der mit seiner Frau aus Osnabrück angereist ist, und sich ein paar Tage Kurzurlaub in Heiligendamm gönnt. Sein Spaziergang entlang der Steilküste Richtung Kühlungsborn endet am zweieinhalb Meter hohen Sicherheitszaun, Polizeibeamte beschreiben ihm freundlich den Weg zur nächsten Zaunöffnung. "Ich hab' gar nicht damit gerechnet, dass das hier schon alles dicht ist", wundert er sich. "Was das alles kostet", sagt er kopfschüttelnd.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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