Malaysia Im Land des Regenbaumes

Schlangentempel, schier endlose Teeplantagen, Kolonialvillen und das emsige Treiben in der quirlig-schwülen Millionenmetropole Kuala Lumpur: Malaysia bietet jede Menge Abwechslung - sowohl kulturell als auch landschaftlich. Dieses Jahr hat das Land auch noch etwas zu feiern - 50 Jahre Unabhängigkeit von Großbritannien.

Kuala Lumpur - Eigentlich hatte der Regen schon lange aufgehört, aber in der Dämmerung tropft es auf einmal wieder aus der Höhe. Nicht aus den Wolken diesmal, sondern aus der mächtigen Krone des Regenbaumes. Wenn es abends dunkel wird, schließen sich die rosa Blüten, die zu Tausenden die Zweigspitzen schmücken - und die Feuchtigkeit auf den Blättern perlt herab. Der regnende Riese ist nur ein Beispiel für die vielfältige Natur Malaysias, die vom tropischen Regenwald über bergiges Hochland mit Teeplantagen bis zu einsamen Stränden an den Küsten reicht. In diesem Jahr erhofft sich Malaysia 20 Millionen Besucher. Denn 2007 ist ein Jubiläumsjahr: Am 31. August feiert Malaysia seine 50-jährige Unabhängigkeit von Großbritannien.

Die Briten hatten 1786 auf Penang einen ersten Handelsposten eingerichtet und später dann die Macht an sich gerissen. Inzwischen aber ist Malaysia eine konstitutionelle Wahlmonarchie - alle fünf Jahre wird der König aus einen Kreis von neun Sultanen neu gewählt - und parlamentarische Demokratie.

Vor dem Königspalast in Kuala Lumpur spielen sich Szenen ab wie vor dem Buckingham Palace in London: Die Wachen sitzen vor dem Wachhäuschen hoch zu Ross, und alle 30 Sekunden hängt sich ein Touristenpärchen für ein Foto an das Zaumzeug des Pferdes. Alle fünf Minuten schnappt das Tier dann zu - nur zu verständlich.

Seit 1963 ist Malyasia in West- und Ostmalaysia geteilt, auch Malaiische Halbinsel und Borneo genannt. Beide Gebiete sind zusammen fast so groß wie die Bundesrepublik, aber hier leben nur 24 Millionen Menschen. Die Staatsreligion ist der Islam. Malaysier chinesischer Abstammung sind dagegen oft Buddhisten, die indischer Abstammung meistens Hindus, Moslems oder Sikhs. Es gibt aber auch eine Million Christen in Malaysia, darunter die eingeborenen Stämme.

Bekanntestes Reiseziel ist die Insel Penang, seit 1988 mit dem Festland verbunden durch eine der längsten Brücken Asiens. Die "kleine Nuss", so die Übersetzung, ist vor allem für Kulturreisende ein spannendes Ziel. Die Tempel in der Hauptstadt Georgetown sind zahllos, um die 300 müssen es sein, schätzt Fremdenführer Jamil. Da gibt es zum Beispiel den Schlangentempel, in dem sich zahlreiche Schlangen winden. Von dem Anblick lässt es sich gut im Kek Lok Si Tempel erholen. Auf dem großen, gärtnerisch schön angelegtem Gelände finden sich mehrere große Buddha-Statuen. Hindus dagegen zieht es in den Sri Mariamman Tempel, der selbst an der Fassade mit zahlreichen farbenfrohen Götterfiguren geschmückt ist.

Buchten mit kristallklarem Wasser

Buchten mit kristallklarem Wasser

Wer von Tempeln genug hat, kann einen Spaziergang durch die Hallen des Khoo Kongsi Clanhauses machen, des imposanten Stammhauses einer von China nach Penang emigierten Händlerfamilie. Die Schnitzereien in der Eingangshalle stammen von den berühmtesten Handwerksmeistern Chinas. Aber man muss nicht den ganzen Tag in Kultur machen - es gibt auf Penang auch traumhafte und dennoch bezahlbare Luxushotels am Meer, wahlweise modern oder auch im britischen Kolonialstil.

Das Meer um Penang selbst ist nicht sehr verlockend - es ist zwar warm, aber milchig-trüb von aufgewühlten Sedimenten. Wer in Malaysia baden gehen möchte, sollte in den Osten des Landes mit seinem kristallklaren Wasser reisen.

In Malaysia klettern die Temperaturen mitunter über 35 Grad Celsius. Dann flüchtet wer kann in die Cameron Highlands, rund vier Stunden Autofahrt von Penang entfernt. Hier, in einer Höhe bis zu 1600 Metern, erinnert noch viel an die Briten. Das bekannteste alte Hotel der Region und Touristenmagnet ist das 1937 von einem Engländer errichtete "The Smokehouse Hotel" im Cottagestil. Hier werden zum Fünf-Uhr-Tee Scones mit Clotted Creme und Erdbeermarmelade gereicht und abends am prasselnden Kaminfeuer Ale. Über diese Szenerie senkt sich oft ebenfalls sehr britisch anmutender Nebel. Und dann wird es oft so frisch, dass man nachts in seinem unbeheizten Hotelzimmer nach Socken und anderen wärmenden Kleidungsstücken fahndet.

Diese Temperaturunterschiede machen die Region zu einer optimalem Gegend für Gemüseanbau, auch Erdbeerplantagen gibt es. Vorherrschend aber ist der Teeanbau. Die Hügel der Cameron Highlands sind überzogen von kugeligen Teebäumsträuchern.

"Flüssiges Gold", sagt Jamil und streicht über einen Busch. "Man lässt ihn nur wachsen und erntet alle drei Wochen die frischen Blätter ab." Die immens reichen Besitzer der Plantagen kommen ab und zu mit dem Hubschrauber aus Kuala Lumpur geflogen, um nach dem Rechten zu sehen. Ihre Teefabriken mit dem etwas altertümlichen, aber gut funktionierenden Maschinenpark können zum Teil besichtigt werden. Zwei Tage dauert es, bis aus dem frischen Grün dunkle, zart duftende Teeblätter geworden sind. Exportiert wird der Tee nicht, aber man kann ihn verpackt in hübschen Dosen als Souvenir erwerben.

Teeplantagen und Edel-Shoppingmalls

Plantagen und Edel-Shoppingmalls

Die Cameron Highlands bergen auch ein Hitchcock-reifes Geheimnis. Hier verschwand Ostern 1967 Jim Thompson, ein amerikanischer Geschäftsmann - und mutmaßlicher CIA-Agent. Er war zu Besuch bei einem befreundeten Ehepaar in Tanah Rata und wurde seit einer durchfeierten Nacht nie wieder gesehen. Wochenlang wurden damals die Berge und Täler erfolglos nach ihm abgesucht.

Die Vermutung, ein großes Raubtier habe den Mann geholt, überzeugte niemanden wirklich: "Wenn es ein Tiger gewesen wäre, wäre noch etwas von Thompson gefunden worden, Knochen oder Ähnliches", sagt der Hoteldirektor des benachbarten "Strawberry Park-Resort", Lim Wui Ming, mit wohligem Gruseln. "Wahrscheinlich hat ihn der russische Geheimdienst geholt - es war schließlich die Zeit der Kalten Krieges."

Im heißen, quirligen Kuala Lumpur sind der Nebel und das Mysteriöse der nur zwei Autostunden entfernten Highlands schnell vergessen. Da hilft nur das Spaghetti-Trägerkleidchen, das sich dann allerdings schnell als ungeeignet für einen Bummel durch die kühlen Edel-Shoppingmalls erweist. Kälte ist Luxus in Asiens Tropen, der Friseur fönt mit kalter Luft, die Tücher im Spa sind gekühlt.

Und so passen die 16 Grad im angesagtesten Center der 1,5-Millionen-Metropole, der Starhill Gallery, bestens zu den Shops von Dior, Louis Vuitton, Chanel und Cartier. Das Angebot in Kuala Lumpur steht dem von Singapur fast in nichts mehr nach. Und es gibt hier auch In-Treffs wie den Tanzclub "Zouk", das exklusive Restaurant "Shook" mit großer Lounge oder das etwas außerhalb gelegene Restaurant des mehr als 100 Jahre alten, kleinen Luxushotels "Carcosa Seri Negara".

In Kuala Lumpur könnte sich der Besucher problemlos eine Woche lang aufhalten, so viel gibt es zu sehen. Den Lake Garden nahe des malaysischen Parlaments etwa, in dem Orchideen wachsen wie in Europa Gänseblümchen. Auf dem 92 Hektar großen Gelände finden sich auch ein Schmetterlingspark, ein Rotwildgehege und ein Vogelgarten, angeblich der größte Asiens.

Höchste Zwillingstürme der Welt

Höchste Zwillingstürme der Welt

Architektonisch interessant ist der 1911 erbaute Hauptbahnhof aus der Kolonialzeit. Das schlichte Sportstadion Merdeka Square wurde 1957 aus Anlass der Unabhängigkeitsfeier errichtet. In der City stehen auch die derzeit höchsten Zwillingstürme der Welt - die Petronas Twin-Towers mit Büros und edlen Geschäften. Am Tag sehen sie nur imposant aus, nachts aber glitzern sie silbergläsern-transparent und fast unwirklich.

Abends zieht auch Chinatown viele an. Hier klappen nach Sonnenuntergang fliegende Händler ihre Stände auf und bieten nachgemachte Designerklamotten und Uhren oder Schmuck zum Schnäppchenpreis an. "Hi, Miss", rufen sie den vorbeischlendernden Damen jeden Alters nach, aber nicht wirklich aufdringlich. Nur fotografieren lassen sie sich nicht gerne. "Please, not", wehrt ein junger Mann ein Andenkenbild von einem Berg kopierter Parfümfläschchen ab - um sich artig zu bedanken, als die Kamera gesenkt wird.

Ein verblüffend authentischer Rucksack einer Edelmarke für umgerechnet sechs Euro, eine Luxusuhr für zehn - kein Problem. Und hinterher gibt es zur Stärkung Tee und geröstetete Kastanien oder etwas Seegrasgelee. Die Heimreise aus Malaysia wird dann mit einem Koffer extra angetreten - und mit leicht tropfender Nase, fast wie ein Regenbaum.

Hilke Segbers, dpa

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