Jordanien Königreich für die Sinne

Schier endlose Sandstrände, zauberhafte Unterwasserlandschaften und Kulturdenkmäler wie die sagenumwobene antike Felsenstadt Petra - Jordanien hat für Besucher eine Menge zu bieten. Und auch Sportfans kommen beim Trekking oder Klettern in bizarren Felslandschaften auf ihre Kosten.

Petra - Mahmud schüttet mit dem Trichter feinen Sand in eine bauchige Glasflasche. Erst roten, dann gelben und schwarzen. Die Häufchen verteilt er geschickt mit einer langen Nadel im Flaschenhals. Der schwarze Sand läuft in den gelben. Es sieht aus, als entstünden Beine. Vier. Nein. Fünf? Schon sind die Konturen klarer zu erkennen: Das Kamel hat einen Schwanz. Blauer Sand rieselt durch den Trichter für den Himmel. Am Horizont eine Sonne und Berge.

In wenigen Minuten ist das kleine Kunstwerk fertig. Die staunenden Besucher können es kaum fassen. Einige kaufen begeistert das typische Jordaniensouvenir.

Manche lassen sich noch ihren Namen in die Flasche zaubern. Für Mahmud kein Problem. Der 28-Jährige verdient sich damit seinen Lebensunterhalt. Er hat das Kunsthandwerk als Kind von seinem Großvater gelernt und ihm so manchen Trick abgeluchst. Wie viele Palästinenser flüchtete der Großvater in den 1950er Jahren in das Nachbarland. Mahmuds Eltern sind schon in Jordanien geboren. Mahmud kam an einem 7. Juli in Aqaba zur Welt.

Donnerstag, Freitag und Samstag, wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen, erziele er den besten Umsatz, verrät er. Der Tourismus spielt in der Hafenstadt am nordöstlichen Zipfel des Roten Meeres eine zentrale Rolle. Aqaba, das über Land- und Fährrouten mit der ägyptischen Halbinsel Sinai und dem Badeort Hurghada verbunden ist, wurde kurzerhand zur Sonderwirtschaftszone erklärt.

Das geschichtsträchtige Jordanien mit zahlreichen biblischen Stätten gibt sich liberal, progressiv und westlich modern. Kurz: Das Haschemitische Königreich ist "ein Land zwischen Wasserpfeife und Web-Café", wie eine Zeitung titelte. Für König Abdullah hat die wirtschaftliche Entwicklung höchste Priorität.

Der Sonderstatus auf 375 Quadratkilometern im Landessüden soll regionale und internationale Investoren anziehen. Die Freihandelszone lockt mit Niedrigsteuern, Zollfreiheit und vereinfachter Wirtschaftsgesetzgebung für verschiedene Branchen. Das Konzept scheint aufzugehen. Ein Bauboom hat eingesetzt. Aqaba ist kaum wiederzuerkennen.

Land zwischen Wasserpfeife und Web-Café

Land zwischen Wasserpfeife und Web-Café

An der vor Kurzem noch unberührten, über 27 Kilometer langen jordanischen Küste zum Roten Meer entstehen Touristendörfer, Hotels und Duty-Free-Einkaufszentren. Der nach der Stadt benannte Golf bietet eine der schönsten tropischen Unterwasserlandschaften mit bunten Korallenbänken und schillernden Fischen für Taucher und Schnorchler, schier endlose Sandstrände für Sonnenbader und Schwimmer und nicht zuletzt einen bequemen Zugang zur antiken Stadt Petra.

In der häufig als achtes Weltwunder bezeichneten, zwei Jahrtausende alten rosaroten Felsenstadt der Nabatäer haben die mit buntem Sand gefüllten Flaschen ihren Ursprung. Denn Mahmuds Handwerkskollegen benötigen für ihre Kunst keine Farbstoffe. Der Sandstein schimmert vor Ort von Natur aus nicht nur rosarot, sondern in mehr als 20 verschiedenen Farben. Wenn sein Werkstoff zur Neige geht, erzählt Mahmud, miete er sich ein Auto und fahre in die Wüste.

Schon in den nahe gelegenen Bergen und Höhlen des Wadi Rum gebe es den feinen farbigen Sand, den er für seine Arbeit brauche. Touristen suchen in diesem Wüstental, aus dem sich bis zu 1750 Meter hohe Felsformationen erheben, das Abenteuer mit außergewöhnlichen Kletter- und Trekkingmöglichkeiten.

Petra ist nur über den mehr als einen Kilometer langen Siq, eine natürliche, durch Erdbeben entstandene Felsspalte, erreichbar. Nach der letzten Biegung überrascht ein atemberaubender Blick auf das Schatzhaus. Die aus dem Felsen herausgeschlagene, über 40 Meter hohe und reich verzierte Fassade des "Al-Khazneh" ist das bekannteste und wohl meist fotografierte Motiv der Stadt. Ungeachtet der vielen anderen Attraktionen Jordaniens und des beliebten Gesundheitstourismus an das Tote Meer gilt sie vielen Besuchern als Hauptsehenswürdigkeit und Markenzeichen des kleinen Königreichs.

Vielleicht wird die alte Nabatäerstadt bald ganz offiziell zum Weltwunder erklärt. Immerhin gehört sie neben dem Colosseum von Rom, der Chinesischen Mauer, der Freiheitsstatue in New York, dem indischen Tadsch Mahal, der Akropolis von Athen und dem Pariser Eiffel-Turm schon zu den 21 aktuellen Finalisten für die Wahl der sieben Neuen Weltwunder. Eine Jury aus international renommierten Architekten und Künstlern mit Sitz im Centre Le Corbusier in Zürich hatte sie aus einer bunten Mischung von 77 Kulturdenkmälern der Erde, antiken Weltwundern und anderen den modernen Menschen beeindruckenden Bauwerken bestimmt. Am 7. Juli 2007, an Mahmuds Geburtstag, ist es soweit. Dann werden nach einer weltweiten Abstimmungsaktion die Namen der sieben Weltwunder der Neuzeit bekannt gegeben.

Cornelia Höhling, ddp

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