400. Jahrestag Die Wiege Amerikas

Als die ersten Auswanderer sich in Jamestown im heutigen US-Bundesstaat Virgina niederließen, hofften sie ein Paradies zu finden. Doch Hunger, Krankheit und blutige Kämpfe mit Indianern machte den 104 Männern schwer zu schaffen. Die Vereinigten Staaten feiern den 400. Jahrestag der ersten dauerhaften englischen Siedlung.

Jamestown - Ihre Finanziers im fernen London versprachen ihnen Gold, reiche Ernten und ein "Paradies, bevölkert von einfachen, freundlichen Menschen". Aber die Neue Welt hielt für jene 104 Männer und Jungen ein ganz anderes Schicksal bereit, als sie am 14. Mai 1607 mit drei winzigen englischen Schiffen auf einer Halbinsel in der Chesapeake-Bucht landeten. Drei Monate später lag die Hälfte der Auswanderer im Grab, dahingerafft von Hunger, Krankheit und blutigen Kämpfen mit den Indianern.

Fast wäre ihre Siedlung Jamestown untergegangen, doch glückliche Umstände verhinderten dies. Vielmehr wurde die erste dauerhafte englische Ansiedlung in der Neuen Welt zur "Wiege der USA". Im Mai gedenken die Vereinigten Staaten mit Millionenaufwand dem 400. Jahrestag ihrer Gründung. Auch Großbritanniens Regentin Queen Elizabeth II. will an den Feierlichkeiten teilnehmen.

Erste Sklaven landeten in Jamestown

"Durch die Siedlung entstanden hier letzten Endes die repräsentative Demokratie, Rechtstaatlichkeit nach englischem Vorbild und freies Unternehmertum", sagt Jeanne Zeidler, Chefin des staatlichen Gedenktagskomitees "Jamestown 2007". Zugleich jedoch gilt die Ansammlung von Lehmhütten am Ufer des mächtigen James-Rivers als Ursprung der dunkelsten Kapitel Nordamerikas seit Ankunft der Europäer: Der letztlich verlorene Behauptungskampf der indianischen Ureinwohner und die Sklaverei. Denn es war in Jamestown, wo 1619 das erste Sklavenschiff festmachte.

Das Wort Festtag mögen die Organisatoren deshalb vermeiden, und ganz bestimmt die Indianer in der Nachbarschaft, die sich vehement gegen diese Bezeichnung aussprachen. Auch für die Schwarzen bleibt die Erinnerung schwierig. "Auf einem Symposium sagte ein Redner, Jamestown bleibe für immer mit der Sklaverei verbunden", berichtet Zeidler. "Und wir verleugnen diesen Teil der Geschichte auch nicht.

Als der Tabak wuchs

Auf Nachschub angewiesen

Seit einem Jahrzehnt schon bereitet sich der Bundesstaat Virgina auf das große Ereignis vor - mit Millionensummen, nicht nur für Jamestown, das zusammen mit den Nachbarorten Williamsburg und Yorktown das "Historische Dreieck" bildet. Alles soll strahlen, wenn eine Woche vor dem Stichtag Anfang Mai die Queen kommt. Zuletzt war sie vor 50 Jahren dort, auf ihrer ersten USA-Reise. Allein in ein Besucherzentrum und ein Museum nahe der Stelle, wo Archäologen seit mehr als zehn Jahren nach den Resten Jamestowns graben, flossen 160 Millionen Dollar (rund 120 Millionen Euro).

Yorktown, wo 1781 die Truppen General George Washingtons die Briten entscheidend schlugen, bekam 25 Millionen Dollar. Williamsburg mit seinen hunderten originalgetreu hergerichteten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert durfte sich gar mit 220 Millionen Dollar aufpolieren. Und schließlich gaben Staat und private Spender alleine für Jamestowns Gedenkfeiern, die schon seit einem Jahr laufen, 30 Millionen Dollar aus.

Im Blickpunkt steht dabei jene Halbinsel, auf der die 104 Siedler, darunter auch der deutsche Botaniker Johannes Fleischer aus Breslau, ihr dreieckiges Fort errichteten. Mit den Indianern lagen die Europäer fortan mal im blutigen Clinch, mal trieben sie mit ihnen Handel. Was sie an Kenntnissen und Ausrüstung mitbrachten, reichte nicht für die Herausforderungen der Neuen Welt: Hunger und Krankheiten zehrten die Stadt über Jahre aus. Nur ständiger Nachschub von neuen Siedlern und Nahrungsmitteln ließen Jamestown überleben.

Als der Tabak wuchs

1612 erst kam die Wende: Dem Siedler John Rolfe gelang eine neue Tabakpflanzen-Kreuzung, deren Blätter in England reißenden Absatz fanden. Bald importierte London den Tabak tonnenweise. Jamestown war gerettet, und 1619 verdoppelte sich mit der Ankunft von 1200 neuen Siedlern die Bevölkerung. Fünf Jahre später löste König James I. die Virgina-Company auf und machte Virginia zur Kronkolonie.

Lange dachten Historiker, vom alten Jamestown sei nichts übrig geblieben, die Reste seien vom James-River fortgespült worden, nachdem Virginias Hauptstadt erst nach Williamsburg und dann nach Richmond verlegt worden war.

Doch William Kelso von der Archäologie- Agentur Virginias APVA suchte genauer. "Ich sagte: "Hey, wäre es nicht eine tolle Sache, wenn wir das Fort zum 400. Jahrestag fänden"", sagte er einmal in einem Interview. Und Kelso entdeckte es, schon 1994. Mehr als eine Million historischer Zeugnisse holten die Forscher bislang aus dem Boden "Aber wir haben höchstens angefangen, etwas zu verstehen", sagt Beverly Straube, Kuratorin des archäologischen Programms in Jamestown.

Frank Brandmaier, dpa

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