Valencia Der Wind heult beständig

Einst gründeten die Römer die Siedlung Valentia. Noch heute beeindruckt die spanische Metropole mit teils avantgardistischer Architektur. In diesem Jahr wird die Stadt Valencia zudem Schauplatz für das wichtigste Segelrennen der Welt: den America's Cup.

Valencia hatte seit jeher ein spezielles Verhältnis zum Wasser: Seine Bewohner schufen schon vor mehr als 1000 Jahren Bewässerungskanäle, die bis heute genutzt werden. Den Fluss Turia verlegten sie vor 40 Jahren einfach aus der Stadt heraus und nutzen das trockene Flussbett als Park. Und jetzt haben sie einen neuen Hafen gebaut - schließlich ist die Stadt an der spanischen Küste westlich von Mallorca im Sommer Schauplatz des 32. America's Cup.

Donnernd braust der Verkehr über die Puente del Real. Die mehr als 400 Jahre alte "königliche Brücke" überspannte einst den Rio Turia - doch wer sich heute über das Geländer beugt, erblickt statt glitzernder Wellen nur Palmen, Blumenbeete und Jogger. Zwölf Kilometer lange Parkanlagen durchziehen Valencia von West nach Ost wie ein grünes Band. Schon vor mehr als 40 Jahren bekam der Turia mehrere Kilometer südlich ein neues Bett. Der Grund: 1957 verwüsteten schwere Überschwemmungen die Stadt.

Gegen ursprüngliche Pläne, in dem trockenen Flussbett eine Stadtautobahn anzulegen, erhob sich bald breiter Protest. "Das Motto war: Der Fluss gehört uns, und wir wollen ihn grün", erzählt Juan Muñoz vom örtlichen Tourismusamt. So wurden seit Mitte der achtziger Jahre Parks angelegt, aber auch Fußballfelder und Tennisplätze.

Eindrucksvoll ist vor allem ein Abschnitt Richtung Hafen: Hier erhebt sich die futuristische "Stadt der Künste und Wissenschaften". In künstlichen Seen spiegeln sich Bauten aus filigranem weißen Beton, die der einheimische Architekt Santiago Calatrava entworfen hat. Wie eine Mischung aus Raumschiff und Riesenfisch zieht vor allem die neue Oper viele Blicke auf sich. Sie wurde im Herbst 2006 mit "Fidelio" eröffnet und soll allein rund 300 Millionen Euro gekostet haben.

Daneben steht ein Imax-Kino in Form eines Auges, gefolgt von einem Naturkundemuseum, das an eine Kauri-Muschel erinnern soll. Hier drängen sich die Schulklassen - schließlich wird im Innern nicht nur das Wirken der Naturgesetze erklärt, sondern werden anschaulich auch echte Flugzeuge oder eine Ausstellung zur "Titanic" gezeigt.

Noch voller ist es allerdings im "L'Oceanografic", dem größten Aquarium Europas, das vom Architekten Felix Candela erbaut wurde. Hier tummeln sich in mehreren Abteilungen Fische aus allen Weltmeeren. Die gigantischen Aquarien mit bis zu 30 Zentimeter dicken Glasscheiben stellen jeweils einen Lebensraum dar, etwa den Indischen Ozean oder die Karibik.

Die schönen Pavillons der Segler-Elite

Die schönen Pavillons der Segler-Elite

Staunend schlendern Menschengrüppchen durch einen rund 70 Meter langen Glastunnel und sehen über sich die exotischsten Lebewesen schwimmen. Noch mehr Aufmerksamkeit erregen allerdings die Taucher, die regelmäßig die Glaswände reinigen müssen. Und ein kleiner Junge kreischt auf, als plötzlich ein Hai einen der Taucher anzusteuern scheint - aber dann schwimmt das Tier doch gelangweilt vorbei. Dicht gedrängt stehen die Besucher auch vor der Delfinshow - und zu finden sind unter den rund 45.000 Tieren auch andere Meeresbewohner, etwa Seelöwen oder Flamingos.

Von der Kunst- und Wissenschaftsmeile ist es nur noch ein kleines Stück zum Wasser. Das zeigt sich zunächst natürlich am Hafen. Vom alten Industriehafen wurde ein eigener America's Cup Port abgetrennt. Hier reihen sich die würfelförmigen Basislager von Alinghi und seinen elf Herausforderern aneinander. Das deutsche United Internet Team zeigt sich in einem holzverkleideten Pavillon, flankiert von Italien und Spanien. Die Stars residieren allerdings ein Stück weiter entfernt: Alinghi präsentiert sich in einem weißen Pavillon.

Groß war das Erstaunen, als beim letzten Cup vor vier Jahren ausgerechnet das Schweizer Team Alinghi die begehrteste Seglertrophäe der Welt gewann. Da der Sieger immer den nächsten Wettbewerb ausrichtet, in diesem Fall aber die Heimat der Gewinner von vorneherein ausschied, gingen die Schweizer auf die Suche und wurden in Valencia fündig. "Der Wind ist stabil", erläutert Begona Rubio vom Presseteam des America's Cup. Doch auch die Geschichte der Stadt und das Entgegenkommen der Stadtväter hätten wohl den Ausschlag gegeben.

Römische Spuren entdecken

Ein eigener Kanal führt vom Sporthafen hinaus aufs offene Mittelmeer. Hier üben die Teams seit Monaten. Den besten Blick auf das Geschehen vor der Küste sollen Schaulustige von einem neu errichteten Besucherzentrum aus haben, das aussieht wie eine Sammlung übereinander gestapelter Terrassen. Doch es findet sich auch noch das ein oder andere historische Relikt rund um den America's Cup-Hafen - alte Lagerhallen und ein frisch renoviertes Zollhäuschen mit Uhrenturm unterstreichen, dass hier schon seit langem Seefahrt stattfindet.

Ursprünglich waren es die Römer, die dem Ort auf einer Insel im Turia-Fluss den Namen Valentia gaben. Erst in jüngster Zeit wurde das antike Forum ausgegraben. An einem kleinen Platz hinter der Kathedrale, auf dem abends die Liebespaare turteln, ist die Römerzeit auch zu besichtigen - die Säulentrümmer und Straßenreste sind durch eine wasserbedeckte Glasscheibe in rund vier Metern Tiefe zu sehen.

Im Reich der schmalen Gassen

Im Reich der schmalen Gassen

An die fast 500-jährige maurische Herrschaft erinnert dagegen fast nichts mehr. Nach der christlichen Rückeroberung 1238 wurde das Andenken an die muslimische Epoche nahezu komplett getilgt - mit Ausnahmen: So trifft sich bis heute noch jeden Donnerstag um zwölf Uhr das so genannte Wassergericht vor der Kathedrale. Acht Männer schlichten hier Streitigkeiten, die mit den Bewässerungskanälen zusammenhängen. Eingesetzt wurde das Gericht um das Jahr 960 vom Kalifen Al Hakam, es tagt also schon seit mehr als 1000 Jahren.

Die Kathedrale selbst wurde vom 13. Jahrhundert an auf den Grundmauern einer zerstörten Moschee errichtet und später barock umgestaltet. Im Innern zieht sofort der prächtige Chor die Blicke auf sich - an seinem Gewölbe wurden kürzlich Renaissance-Malereien freigelegt, die zu den ältesten in Spanien zählen und derartig leuchten, als seien sie eben erst gemalt worden. Eher schaudernd nehmen Besucher dagegen ein kleines Kästchen im Chorumgang zur Kenntnis: Hier ruht auf einem verblichenen Samtkissen der mit den Jahren schwarz verfärbte Unterarm von San Vicente Martír, des Schutzpatrons von Valentia.

Der fast 70 Meter hohe Glockenturm der Kathedrale überragt das Zentrum der gut erhaltenen Altstadt. Hohe schmale Häuser mit hübschen Balkonen und kleinen Läden säumen die engen Gassen. Und immer wieder führt der Weg auf idyllische Plazas, auf der oft ein Brunnen plätschert. Wie viele südeuropäische Städte lebt auch Valencias Flair von den Märkten. Neben mehreren kleineren Märkten ist vor allem der 1928 im Jugendstil errichtete Zentralmarkt einen Besuch wert.

Valencias Strandleben

Mehr als 1000 Verkaufsstände bieten im Mercado Central alles an, was rund um Valencia produziert wird - und das ist eine Menge: Obst und Gemüse sowieso, aber auch Fleisch und Fisch. Wer Anregungen braucht, wie sich die Einkäufe zubereiten lassen, kann vor dem Markt Läden mit Paellapfannen in allen Größen finden - Paella-Restaurants sowieso. Schließlich gilt Valencia als Wiege des spanischen Nationalgerichts.

Neben dem Mercado Central erhebt sich majestätisch die Lonja de la Seda, die Seidenbörse. Als einer der wichtigsten gotischen Profanbauten zählt das 1498 fertiggestellte Gebäude zum Weltkulturerbe der Unesco. Aus nahezu derselben Epoche stammt ein anderes markantes Bauwerk der Stadt: die Torres de Serranos, ein mächtiger Doppelturm, der als Stadttor diente. Dabei hat jedoch nicht nur das Mittelalter die Stadt geprägt. Viele Straßenzüge am Rande der Altstadt sind ganz im Jugendstil errichtet worden, beispielsweise der Nordbahnhof und der Rathausplatz.

Doch am Wochenende leert sich die Innenstadt: Dann zieht es Jung und Alt zum Strand. Einer der schönsten Abschnitte beginnt gleich hinter dem Hafen: Eine palmenbestandene Strandpromenade, an der sich ein Fischrestaurant an das nächste reiht. Mancher fährt auch in die Albufera, ein unter Naturschutz gestelltes Lagunengebiet südlich von Valencia. Gefischt wird hier nicht mehr - aber die ehemaligen Fischer fahren die Gäste gerne mit den flachen Holzbooten durch das hohe Schilf. Ganz gemächlich tuckert der Außenborder - es muss ja nicht immer die Rennyacht sein.

Thomas Kärst, dpa

Reisetipps für Valencia

Reisetipps für Valencia

Reiseziel: Valencia liegt an der spanischen Mittelmeerküste gegenüber der Insel Mallorca. Die mit rund 850 000 Einwohnern drittgrößte Stadt Spaniens ist Hauptstadt der Autonomen Region Valencia. Die Umgebung ist vor allem von Zitrus- und Gemüseplantagen geprägt, Valencia ist jedoch auch ein bedeutender Industriestandort.

Anreise: Die Lufthansa bietet von Düsseldorf und Hamburg Direktflüge nach Valencia an. Eine Anreise ist jedoch problemlos auch über Mallorca möglich, die Flugzeit beträgt von dort aus weniger als eine Stunde. Zur Einreise reicht ein Personalausweis.

Klima: In den Sommermonaten regnet es so gut wie nie, Niederschläge fallen vor allem im Frühjahr und Herbst. Die Temperaturen betragen im Winter 4 bis 20, im Sommer 20 bis 40 Grad. Empfehlenswert sind als Reisezeit April bis Juni und Mitte September bis Ende Oktober.

Währung: Euro.

Sprache: Spanisch und die Regionalsprache Valencianisch.

Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt; Tel.: 069/72 50 33, Broschürentelefon: 06123/991 34, Internet: www.tourspain.es , www.spain.info , www.turivalencia.es .

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