Pilgerstätte Argentiniens Zauberberg

Der Cerro Uritorco liegt in der argentinischen Provinz Córdoba. Nicht seine Höhe macht diesen Berg so berühmt, sondern seine "magischen" Kräfte. UFO- und Esoterik-Freaks kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten.

Capilla del Monte - Wegen seiner Höhe von gerade mal 1949 Metern ist der Cerro Uritorco in der argentinischen Provinz Córdoba nicht gerade berühmt. Auf dem Weg zum Gipfel sind auch keine besonderen Hindernisse zu bewältigen, die Bergsteiger mit Glück erfüllen könnten. Die "magische" Anziehungskraft des Berges in der Sierra Chica liegt anderswo begründet: Spiritualistische und esoterische Lehrmeister schreiben ihm besondere energetische Fähigkeiten zu und auch UFOs sollen sich dort des öfteren ein Stelldichein geben.

Bereits auf der Busfahrt in die Kleinstadt Capilla del Monte am Fuße des Berges fallen die ersten ungewöhnlichen Gipfelstürmer auf. Ein Pärchen in den Mittzwanzigern aus den USA liest sich gegenseitig aus einem parawissenschaftlichen Büchlein über Orte mit besonderen Energiequellen vor. Dem Uritorco ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Am Ausgangspunkt der Wanderung am Stadtrand von Capilla del Monte bieten Straßenhändler Steine mit angeblich besonderen Heilkräften und gängige esoterische Utensilien feil. Bücher über den Uritorco sind in mehreren Sprachen erhältlich, denn ohne Grundkenntnisse über den "Spiritualitätsreaktor" Uritorco lasse sich auch nichts von seinen positiven Kräften spüren, beteuert ein vom Duft riesiger Räucherstäbchen umnebelter Verkäufer.

Hier erfahren die Besucher auch, dass bereits die Urbevölkerung den Berg als heilig verehrte, und dass sein Name aus der Comechingon-Sprache stammt und soviel wie "Berg der Papageien" bedeutet. Während der Kolonialzeit sollen sich hier Eingeborene auf wunderbare Weise vor der Versklavung durch die Spanier gerettet haben. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte ist allerdings umstritten.

Nach einer wackeligen Hängebrücke über einen Bach gelangt der Wanderer zur Starthütte, wo für neun Pesos (rund zwei Euro) das Uritorco-Ticket zu lösen ist. Ein Blick auf die prall gefüllte Kasse zeigt, dass das Geschäft gut läuft. Bei Geschäftsschluss um 17 Uhr müssen die Besucher auch schon wieder unten sein - zumindest die irdischen aus Fleisch und Blut.

Nur Außerirdische dürfen länger bleiben

Für Wesen aus anderen Galaxien sind die Vorschriften nicht ganz so streng, denn laut Uritorco-Mythologie haben außerirdische Existenzen unter dem Berg eine Stadt namens Erks errichtet, die als Basisstation für die Operationen auf dem Planeten Erde dient.

Seltsame Lichterscheinungen haben Spekulationen genährt, dass rund um den Uritorco gelegentlich UFOs landen. Eine rationale Erklärung für das Phänomen wäre, dass das quarzhaltige Gestein unter bestimmten meteorologischen Bedingungen elektrische Funkenentladungen begünstigt, auch als Elmsfeuer bekannt.

Für andere Esoterik-Lehren ist Erks eine metaphysische Siedlung, von der die Erneuerung des Menschen ausgehen soll. Der Legende nach befinden sich im Inneren ein Sphären-Tempel und drei Spiegel, die den interkosmischen Datenaustausch der Erde mit anderen Galaxien ermöglichen. Von hier aus soll auch das Leben eines jeden Individuums auf der Erde verfolgt werden können.

Das Schlüsseldatum für das UFO-Image des Uritorco ist der 9. Januar 1986, als in seiner Nähe eine eigenartige Brand- und Rußspur mit einem Durchmesser von 100 Metern entdeckt wurde, für die keine plausible Erklärung gefunden werden konnte. Wie zum Beweis, dass rund um den Uritorco, der die höchste Erhebung der Sierra Chica ist, bis heute außerirdische Wesen herumgeistern, hat die Informationsbroschüre "El Vocero Túristico" kürzlich aufgenommene und zum Teil sehr grobkörnige Bilder von merkwürdigen Himmelsobjekten abgedruckt. Die eine oder andere Abbildung erinnert freilich stark an ferngesteuerte Modellflugzeuge.

Von Unfällen mit Außerirdischen oder Übergriffen fremder Galaxiswesen auf die Erdenbewohner wird in der einschlägigen Literatur und im Internet nicht berichtet, sehr wohl aber von sexuellen Kontakten, die am und um den Uritorco stattgefunden haben sollen. Diese seien für beide Seiten sehr befriedigend gewesen, wird versichert.

Markus Leiter, dpa

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