Geburtstag 100 Jahre Hotel Adlon

Hier residierten Kaiser Wilhelm II., Charlie Chaplin und Albert Einstein, genauso wie Bill Clinton, George W. Bush und Michael Jackson. Das Hotel Adlon am Pariser Platz in Berlin feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen.

Berlin – Dieses Jahr soll das Jahr des Hotels Adlon werden. Genuss, Kunst und Kultur kündigte Hoteldirektor Stephan Interthal an. Zahlreiche kleine oder große Events sind geplant, um den 100. Geburtstag der Nobelherberge am Pariser Platz in Berlin zu feiern und das zehnjährige Jubiläum der Eröffnung des neuen Adlons.

Doch zunächst eine kleine Zeitreise: Es war der 24. Oktober 1907 als Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. höchst persönlich die Nobelherberge als erster betrat und damit eröffnete. Lorenz Adlon, der Lieblingsgastronom des Kaisers, hatte die Herberge für 20 Millionen Goldmark erbauen lassen. Der gebürtige Mainzer sollte damit neue Maßstäbe setzen. Weltweit galt es dann auch schnell als Sinnbild für Luxus und Perfektion.

Besonderer Wert wurde auf vornehme Stille gelegt. So leuchten schon Anfang des Jahrhunderts anstatt schriller Klingeln Lämpchen als Zeichen für Zimmermädchen. Jedes der 305 Zimmer hatte, wie in keinem anderen Hotel auf der Welt, Telefon und eine elektrische Uhr. Die Kundenliste war schon damals lang. Zu den prominentesten Gästen gehören neben dem Kaiser Wilhelm II. auch Charlie Chaplin, Albert Einstein, Thomas Mann, Greta Garbo und Marlene Dietrich. Aber auch John David Rockefeller, Henry Ford und Franklin D. Roosevelt residierten hier an dieser Stelle.

Während des Zweiten Weltkrieges diente der Prachtbau zeitweise als Lazarett, wenige Tage nach Ende des Krieges ging er jedoch in Flammen auf. Brandstiftung war der Grund. Das Gebäude wurde am 3. Mai 1945 bis auf einen Seitenflügel zerstört. In der ehemaligen DDR wurde in den Überresten wieder ein Hotel eingerichtet, später in den 70er Jahren war es ein Lehrlingswohnheim. 1984 wurde dann der letzte Teil des Adlons abgerissen.

Dann kam die Wende. Die Kempinski AG als jetziger Betreiber des Hotels hatte sich bereits 1957 mit der inzwischen verstorbenen Hedda Adlon, der Witwe des letzten Direktor des Hauses, einen Vertrag geschlossen, der dem Unternehmen das Recht an Namen und Wiederaufbau sicherte. Es dauerte zwar noch eine ganze Weile, bis der Neubau Formen annahm, ab nach dem Fall der Mauer sollte ein neues Adlon genau an dem Ort entstehen, wo das alte gestanden hatte.

Tatsächlich wurde in Berlin wohl kaum ein Bau in den 90er Jahren so heftig diskutiert, wie der Wiederaufbau des Adlons. Kritiker bemängelten den altmodischen Stil des Neubaus – zumal es sich nicht um einen originalgetreuen Nachbau, sondern um einen Neuschöpfung handelte. Bauherr war die umstrittene Fundus-Gruppe, die auch hinter dem defizitären Grand Hotel Heiligendamm steckt. 222 Millionen Euro kostete der Adlon-Bau. Am 23. August 1997 wurde die Luxusherberge von dem damaligen Bundespräsident Roman Herzog feierlich eröffnet.

Auch Skandale gehören dazu

Luxus pur

An exquisiten Komfort sollte es nicht fehlen. Zwar wird in diesem Jahr das eine oder andere Detail umgebaut. Direktor Interthal plant beispielsweise, die Rezeption zu vergrößern ein zweites Spa entstehen zu lassen. Auch an einem zweiten Restaurant wird gearbeitet. An den Zimmern wird sich, wie zu hören ist, jedoch nichts Grundlegendes ändern.

Die Räume sind mit einem so genannten Adlon-Schrank ausgestattet, in dem Wäsche und Utensilien für die ganze Woche lagern, so dass die Service-Mitarbeiter nicht täglich mit ihrem Wägelchen über die Flure fahren müssen. Außerdem tragen dicke Teppiche zur gedämpften Atmosphäre bei.

Das "elektronische Herz" der Zimmer schlägt dezent im Nachttisch-Kasten. Von dort aus können Radio, Licht und Klimaanlage bedient werden. Und selbst die Badewannen sind so umbaut, dass dort das Plätschern leiser ist als anderswo und das Wasser länger warm bleibt. Die mit goldenen Intarsien gefüllten Kassettendecken im Eingangsbereich beeindrucken wie im alten Adlon.

Die Gästeliste ist inzwischen so prominent wie damals. Bill Clinton, Michael Gorbatschow, George W. Busch, Königinnen und Könige sowie die Regierungschef aus fast allen europäischen Ländern haben in den vergangenen zehn Jahren im Adlon residiert.

Die Aufreger

Aber auch für handfeste Skandale, die mit dem neuen Adlon in Verbindung stehen, sorgten für Aufsehen. Hier schockierte beispielsweise Popstar Michael Jackson die Welt, als er seinen Sohn über die Balkonbrüstung hob. Hier nahm die Welteke-Affäre ihren Lauf und im vergangenen Jahr musste Hoteldirektor Thomas Kippstein seinen Posten verlassen, weil bekannt geworden war, dass er für die Stasi gearbeitet hatte.

Interthal führt nun seit vergangenem Oktober das Hotel, das 2006 einen Umsatz von 37 Millionen Euro machte. Damit sei das Hotel Marktführer in Berlin, sagt der Manager. Streitig macht ihm das derzeit das neue Luxushotel de Rome, das für sich ebenfalls in Anspruch nimmt, Marktführer zu sein.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten beeinflusst das indes nicht. Seit diesem Donnerstag erzählt eine Ausstellung im eigenen Haus die 100-jährige Geschichte des Fünf-Sterne-Hotels. In zehn Vitrinen sind Bilder und Exponate ausgestellt, die mit dem Adlon in Verbindung stehen - ein kleiner Einblick in die Kaiserzeit, die Goldenen Zwanziger, den Krieg und in die Zeit der DDR. Darüber hinaus sind im Adlon-Jahrhundertbuch Anekdoten über 100 Persönlichkeiten gesammelt, die für das Adlon stehen.

Auch mit Filmabenden werden die Gäste in die Geschichte der Luxusherberge entführt. Am kommenden Freitag wird Regisseur Percy Adlon, der Urenkel von Hotelgründer Lorenz Adlon, über die Dreharbeiten zu seinem Film "In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon" sprechen. Und am 7. September berichtet Produzent Artur Brauner über die Dreharbeiten zu seinem Film "Hotel Adlon" aus dem Jahr 1955.

Auch der direkte Kontakt zu den Berliner ist weiter gesucht: Bei einem 'Tag der offenen Tür' können die Hauptstädter beispielsweise am 25. und 26. August hinter die Kulissen des Nobelhotels schauen. Und am 1. Juli lädt das Hotel zudem zu einer gemeinsamen Kaffeetafel alle Berliner ein, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Es gäbe schon 32 Anmeldungen, sagte der Hoteldirektor. Höhepunkt ist sicherlich aber ein exklusiver Galaabend am 29. Oktober.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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