Tunesien Die Fischerboote von Bizerte

Strahlender Sonnenschein, blaues Meer, Sandstrand, Kakteen und Palmen – so kennen die meisten Urlauber Tunesien. Das Land hat im Nordwesten aber noch viel mehr zu bieten - von der Korallenküste und den Römerstätten.

Tabarka - So kennt man Tunesien: Sonne nahezu rund ums Jahr, Sandstrände mit türkisblauem Wasser und Souks mit dem prallen Angebot mediterraner Handwerkskunst. Aber das Land hat doch mehr zu bieten als kostengünstiges Badevergnügen mit Ritt auf einem Dromedar unter Palmen.

Im weniger bekannten Nordwesten wechseln sich an der Korallenküste felsige Partien und Dünen ab, das Landesinnere ist von hügeliger Anmut, und bedeutende Ruinen aus der Römerzeit sind zu bestaunen. Von Tunis aus ist es ein Leichtes, diese so abwechslungsreiche Gegend für sich zu entdecken.

Raf-Raf ist der richtige Ort für eine etwas gemächliche Einstimmung: In dem sympathischen andalusischen Hafennest auf dem Weg von Tunis nach Bizerte kann jeder die Seele und die Beine baumeln lassen, auf einer Terrasse in Ufernähe einen Tee trinken und den Fischern bei der Arbeit zuschauen.

Die Häuser des Fleckens sind an der Bucht aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, ein bizarrer kleiner Felsen mit dem Namen Pilau ragt aus dem Wasser. Der Strand ist nicht gerade breit, aber Baden ist hier vielleicht auch nicht angesagt. Stattdessen könnte auf den Tee im Strandcafé ein Gläschen von dem Muskatwein aus den Trauben der Region folgen.

300 Kilometer Korallenküste

Bizerte, das ist zunächst einmal der alte Hafen mit den teils grell angemalten Fischerbooten, der Medina und der Kasbah, dem spanischen Fort und dem andalusischen Viertel. Bizerte ist zwar die nördlichste Stadt des Landes, etwa 70 Kilometer nördlich von Tunis, und als Sommerresidenz beliebt. Dennoch bleibt der beschauliche Akzent beim Hafenbummel nicht aus.

Die Strandhotels für das reine Badevergnügen liegen an der Corniche einige Kilometer entfernt. Wer nicht noch die große Moschee von 1652 mit ihrem achteckigen Minarett im ottomanischen Stil bewundern oder auf der Befestigungsanlage herumkraxeln will, startet jetzt durch - 300 Kilometer Korallenküste liegen vor ihm.

Cap Serrat: Rote Korallen sind schön und gut, aber es gibt sie kaum noch, auch wenn sie diesem Landstrich einst ihren Namen gaben. Im Schutz des Kroumirie-Gebirges mit seinen Korkeichenwäldern zieht sich die großteils steile felsige Küste gen Westen.

Doch Tunesien wäre nicht Tunesien, wenn nicht auch in dieser Ecke Traumstrände zum Baden einladen würden. So am abgelegenen Cap Serrat mit seinem Leuchtturm, einem wunderbaren und fast einsamen Strand vor einem Sumpfgebiet. Es ist Zeit für einen Plausch mit den Fischern, die für das kleine Restaurant in Strandnähe auf Fang gehen. Gern legt man nach dem Mahl einige Euro mehr hin, genießt noch einen Café - und denkt an Siesta.

Tabarka und die Unterirdischen

Tabarka - das ist eine aufstrebende Hafenstadt, früher einmal ein verschlafenes Fischernest. Unweit der Grenze zu Algerien an einem Golf gelegen, in diesem grünen Teil Tunesiens umrahmt von Bergen mit Eukalyptus, Mimosen und Pinien, spielt Tabarka jetzt den touristischen Joker aus. Im Schatten der mächtigen Genueser Festung gegenüber den "Aiguilles" - bizarren, von der Natur geschaffenen Nadelfelsen - muss doch eine herausragende Urlauberdestination aus dem Boden gestampft werden können.

Flughafen und Golfplätze, Luxushotels und ein Yachthafen entstanden. Das gemütliche Leben geht derweil in Cafés wie dem "Andalou" rund um die auch hier nach dem Staatsgründer Habib Bourguiba benannte Hauptstraße weiter. Wer es vorzieht, in den Dünen zu liegen oder in herrlichstes Mittelmeer einzutauchen, der fährt besser an den Strand Chott-Zouara.

Bulla Regia, die Unterirdische: Der südliche Weg ins Landesinnere führt über Aïn-Draham zu der bemerkenswerten Ruinenstadt, bekannt für die römischen Souterrain-Villen mit einzigartigen Mosaiken. Die sich von Tabarka nach Bulla Regia schlängelnde Straße durch Kiefern- und Eichenwälder gilt als eine der schönsten Tunesiens.

Auf den ersten Blick imponiert in Bulla Regia mehr, wie geschickt die Römer ihre Stadt in die Landschaft eingebettet haben. Erst wenn man sich einen klugen Führer nimmt und sich das unterirdische "Haus der Jagd" oder das "Haus der Amphitrite" erklären lässt, wird die Bedeutung dieser Stadt unter der Stadt klar, mit der die reichen Römer Schutz vor Hundstagen suchten.

Mehr als nur Überreste

Dougga ist der kulturelle Höhepunkt der Rundreise durch den Nordwesten, der dann den Bogen für die Fahrt zurück zur Hauptstadt einleitet. Die vor einem Jahrzehnt von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannten Ruinen von Dougga bei Teboursouk gelten als die am besten erhaltenen Überreste aus römischer Zeit in Nordafrika. Es sind mehr als "Überreste": Vom beeindruckenden Kapitol aus dem Jahr 166 nach Christus bis zu den ein Jahrhundert später gebauten Lyciniusthermen und dem weiten Theaterrund mit schönem Panorama reichen die antiken Attraktionen an einem hoch gelegenen Südhang.

Einen besseren Schlusspunkt als mit diesem archäologischen Kleinod kann ein Ausflug in das grüne und weniger bekannte Tunesien kaum setzen. Noch ein Stück weit von der Sahara entfernt ist diese Region ein hügeliger Garten. Erstaunliches hallt nach, während die Reise zurück Richtung Tunis geht. Der Blick auf die vielen Nester, die Störche in dem Berber-Dorf Sejnane zwischen Bizerte und Tabarka selbst auf dem Bahnhofsdach gebaut haben. Oder auch, dass es in dem Kroumirie-Gebirge im Winter durchaus schneien kann.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

Tunesien in Stichworten

Tunesien in Stichworten

Anreise und Formalitäten: Tunis Air fliegt von Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt/Main und München in ihre Heimat. Lufthansa fliegt von Frankfurt nach Tunis. Anders als Pauschalurlauber brauchen Individualtouristen einen Reisepass.

Klima und Reisezeit: Die mediterrane Vegetation gerade im tunesischen Nordwesten legt vor allem das warme Frühjahr oder den Herbst als Reisezeit nahe. Im Winter sollte im Norden zur Sicherheit ein leichter Pullover im Gepäck sein.

Infos: Fremdenverkehrsamt Tunesien, Goetheplatz 5, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/133 83 50, Internet: www.tunesien.info, E-Mail: FVATunesien@aol.com).

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