Kopenhagen Metropole mit Märchencharme

Ein Bummel über die längste Einkaufsmeile Europas, edle Fischrestaurants und Feuerwerk über dem Tivoli - die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat viel mehr zu bieten als Smörrebröd und Meerjungfrau. Auch im Winter lohnt sich ein Abstecher ins "Venedig des Nordens".

Kopenhagen - Eine Stadt für Eilige ist Kopenhagen keineswegs. Aber dank schneller Schiffe und gut ausgebauter Autobahnen schnell zu erreichen. Nicht umsonst verbucht die Fährlinie Scandlines zwischen Rostock und Gedser zweistellige Zuwachsraten. Der Katzensprung über die Ostsee in das "Venedig des Nordens" lohnt selbst in den Wintermonaten.

Zum Baden wäre es freilich zu kalt. Doch auch im Winterkleid präsentiert sich das kulturelle Zentrum Nordeuropas als eine der liebenswürdigsten Städte der Welt. Ihrem facettenreichen Charme kann sich keiner entziehen. Und wohlige Wärme empfängt die Gäste in den zahlreichen Kneipen beim traditionellen Smörrebröd, dem Leibgericht der Dänen, die es gern "hyggelig" (gemütlich) haben. Mag es die kleine Meerjungfrau in ihrem Evakostüm auch noch so frösteln. Allein sie hat einen Besuch verdient.

Längste Smörrebröd-Karte der Welt

Seit Jahrhunderten durchziehen unzählige Kanäle die ältesten und schönsten Stadtteile der dänischen Metropole. Diesem Bild aus Wasserstraßen, Brücken und Booten verdankt sie den Vergleich mit der italienischen Lagunenstadt. Eine Kanalrundfahrt bis zur kleinen Meerjungfrau ist vielleicht die schönste Art, Kopenhagen zu erkunden.

Einsteigen kann man an verschiedenen Stellen: etwa am Gammel Strand, wo früher die Fischweiber den frischen Fang feilboten und sich heute die renommiertesten Fischgaststätten aneinander reihen, oder am Nyhavn, der sich vom Rotlichtviertel zur respektablen Restaurantgegend mauserte. Dieser Kai mit seinen schaukelnden Booten, bunten Häusern, Cafes und Kellerlokalen darf in keinem Fotoalbum fehlen. Gleich um die Ecke bei Ida Davidsen soll es die längste Smörrebröd-Karte der Welt geben. Die dänischen Butterbrote sind eine Art kulinarische Kunstwerke.

Winterspaziergang an der Uferpromenade

Winterspaziergang an der Uferpromenade

Auch ein Winterspaziergang über die Uferpromenade Langelinie führt zur Meerjungfrau. Was könnte Lille Havfru doch so alles erleben, wenn sie nicht unentwegt auf ihren Prinzen wartete? Fast 100 Jahre schon versagt sie sich die Freuden Kopenhagens mit der längsten Einkaufsstraße und dem ältesten Vergnügungspark der Welt. Genau seit 1913 geht das so. Und das alles nur, weil der Nationaldichter Hans Christian Andersen ihr in seinem Märchen die Rolle der unglücklich Verliebten zugedacht hat.

Märchenhaft wirken auch die hohen Bärenfellmützen, die die königlichen Wachsoldaten nicht nur im Winter tragen. Doch sie sind ganz real. Mittags punkt zwölf verlassen sie ihre Schilderhäuschen von Amalienborg und überqueren, verfolgt vom Blitzlichtgewitter der Touristen, den Platz des vierflügeligen Rokoko-Schlosses. Das Schauspiel der Wachablösung vor der beeindruckenden historischen Kulisse lässt sich kaum ein Besucher der Stadt entgehen.

Einkaufen auf der längsten Shpping-Meile Europas

Aus Kopenhagens Straßenbild sind Fahrräder nicht wegzudenken. Auf dem "Ströget" ist man aber eher zu Fuß unterwegs. In den 70er Jahren wurden fünf Straßen zu dieser mit 1800 Metern längsten Shopping-Meile Europas, vielleicht sogar der Welt, miteinander verbunden. Als schmaler "Strich" verläuft sie über den Rathausplatz bis zum Kongens Nytorv, dem größten Platz Kopenhagens. Die Flaniermeile im Herzen der Stadt heißt längst offiziell auch auf den Straßenschildern "Strich" bzw., um Missverständnissen vorzubeugen, "Streifen" - eben "Ströget".

Für Kauflustige lohnt auch der Blick in die vielen autofreien Seitenstraßen, wo sich kleine Läden und Souterrain-Boutiquen neben großen Kaufhäusern drängeln: Mode, Kunst, Design - für jede Geldbörse. Günstige Antiquitäten allerdings sind in Vorstädten wie Nörrebro zu haben. Trendig und jung dagegen geht es direkt hinter dem Hauptbahnhof zu. Das ehemalige Schmuddelviertel hat eine regelrechte Verwandlung erfahren.

Egal, ob Alt oder Jung, zahlungskräftig oder weniger gut betucht - ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt treffen sich alle wieder: im Tivoli. Die Geburtsstunde des ältesten Vergnügungsparks der Welt schlug 1843, als ein Kopenhagener Kaufmann das 100 000 Quadratmeter große Areal kaufte. Morgens erscheint der Park noch als beschauliches Blumenparadies mit Springbrunnen und mittlerweile rund 30 Restaurants, in denen nicht nur dänische Küche, sondern auch exotische Gerichte angeboten werden. Doch sobald es dämmert, schaffen Tausende bunter Lämpchen eine lebendige Märchenwelt, wo neben Shows und Konzerten auch Achterbahnen und Karussells die Vergnügungssüchtigen herausfordern. Zweimal pro Woche überstrahlt ein Feuerwerk den Park, bevor die Pforten geschlossen werden.

Ungerührt vom brodelnden Leben hockt die Meerjungfrau weiterhin sehnsüchtig wartend auf ihrem Stein im Hafenbecken. Die kleine bronzene Märchenfigur, die gerade mal 1,35 Meter misst, wurde zum Wahrzeichen der wahrhaft liebenswerten Stadt.

Cornelia Höhling, ddp

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