Mega-Flughafen Bangkok Maroder Bau

Der Airport "Goldenes Land" gilt als der modernste Asiens. Vier Monate ist es her, dass das neue Aushängeschild Bangkoks eröffnet wurde, seinen Glanz hat der Flughafen aber schon verloren. In der Rollbahn haben sich Risse gebildet, die Terminals bröckeln, nun erwägt die Regierung den alten Flughafen wieder zu aktivieren.

Bangkok – Risse in der Rollbahn, geschlossene Abflug-Gates, Sicherheitsbedenken von Fluggesellschaften – der im September 2006 mit viel Tamtam eröffnete Mega-Airport in Bangkok hat mit einem holprigen Start zu kämpfen. Was als Prestigeobjekt und Symbol für die Fortschrittlichkeit Thailands geplant war, entwickelt sich zum nationalen Fiasko.

Nachdem beide Startbahnen zeitweise wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb waren, empfahl Thailands Transportminister, Bangkoks alten Flughafen Don Muang für Inlandsflüge wieder in Betrieb zu nehmen – in der kommenden Woche entscheidet das Kabinett über eine Wiedereröffnung innerhalb der nächsten zwei Monate. Dadurch könnten Flugausfälle durch die Reparaturarbeiten verhindert werden.

Derweil beteuern Flughafensprecher nach Inspektionsarbeiten, die Risse im Asphalt seien nur oberflächlich und dadurch keine Gefahr für Flugzeuge und Passagiere. Trotzdem äußerten in thailändischen Zeitungen mehrere Piloten Sicherheitsbedenken. Auch mussten vier Flieger auf den 200 Kilometer entfernten "U-Tapao"-Militärflughafen ausweichen, und 11 der 51 Gates mit direktem Zugang zum Flugzeug sind wegen der Reparaturen außer Betrieb.

Suvarnabhumi, "Goldenes Land", nennt sich der Flughafen, der in den Anfangsmonaten wenig glänzen konnte: Mal fiel die Klimaanlage aus, dann blieben Drehtüren stehen, am vergangenen Wochenende beschädigte ein Wasserrohrbruch zahlreiche Gepäckstücke. Viele Passagiere beklagten sich über lange Wartezeiten und verlorene Koffer, weil die Technik am Check-In und in der Gepäckabfertigung versagte. Für knapp eine Million Euro werden derzeit 200 zusätzliche Toiletten gebaut.

Symbol für ein korruptes Staatssystem

Die Geschichte des Vier-Millarden-Dollar-Projekts Suvarnabhumi ist eine Geschichte voller Pannen: Vor 40 Jahren begann die Planung, doch Korruptionsaffären und Skandale verzögerten die Fertigstellung, die Eröffnung wurde mehrfach verschoben. Auch im September beklagten Oppositionspolitiker, der Flughafen sei noch nicht bereit für die erwarteten 125.000 Passagiere pro Tag. Das "Goldene Land" wurde in einem Feuchtgebiet namens "Cobra Swamp" (Kobrasumpf) 20 Kilometer außerhalb der Stadt errichtet – für die Risse in der Rollbahn ist vermutlich die ungünstige Beschaffeneheit des Untergrunds verantwortlich.

Schon sehen viele den Flughafen als Symbol für die Misswirtschaft und Korruption des ehemaligen Premierministers Shinawatra Thaksin, der wenige Tage vor der Eröffnung durch einen Putsch sein Amt verlor. "Nachdem Thaksin aus dem Amt ist, kommen nun all die dreckigen Tricks zum Vorschein, mit denen der Flughafen gebaut wurde", schrieb Thanong Khanthong in einer Kolumne in der thailändischen Zeitung "The Nation".

Für Thailands Tourismusindustrie kommt das Flughafen-Chaos zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – tödliche Bombenanschläge am Neujahrstag und häufige Proteste gegen die Putsch-Regierung könnten Thailands Popularität als Reiseziel beschädigen. Noch jedoch floriert der Fremdenverkehr – mit 13,8 Millionen Touristen, 20 Prozent mehr als im von Tsunami-Nachwirkungen geprägten Vorjahr, erreichte das Land im Jahr 2006 laut thailändischen Offiziellen einen Rekordwert.

manager-magazin.de mit ap und reuters

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