Abu Dhabi Insel des Glücks

Seit in Abu Dhabi Öl entdeckt wurde, ist nichts mehr wie es war. Vom Sieben-Sterne-Hotel bis zur geplanten Guggenheim-Depandance, entworfen von Stararchitekt Frank O. Gehry, ist die Hauptstadt der Arabischen Emirate der aufstrebende Star am Persischen Golf.

Abu Dhabi - Abu Dhabi ist eine Herausforderung an das Vorstellungsvermögen. Europäische Besucher des Emirates am Persischen Golf stellen sich sicherlich häufiger die Frage, ob das, was sie sehen, Realität ist. So zum Beispiel wenn man bei einer ersten Stadtrundfahrt dem "Emirates Palace Hotel" begegnet.

Der Gebäudekomplex mit 114 Kuppeln erscheint wie ein Sultanspalast und sieht schon von weitem einfach riesig aus. Die Palmen und Fontänen davor lassen an Versailles denken: So hätte der "Sonnenkönig" wohl in Arabien gebaut. Die Farben der Fassade geben die verschiedenen Töne des Wüstensandes wieder. Es gibt 92 Luxus-Suiten und 302 Deluxe-Zimmer, insgesamt rund 7000 Türen sowie 1000 Kristallleuchter. Der hoteleigene Privatstrand ist 1,3 Kilometer lang - und um das Sieben-Sterne-Hotel, das im Februar 2005 eröffnet hat, zu Fuß zu umrunden, braucht man fast eine halbe Stunde.

Mit seiner überraschend grünen Parklandschaft hat das Grundstück eine Fläche von einer Million Quadratmeter. Nachts strahlt das Gebäude mit Tausenden von Glühbirnen in die Dunkelheit. Wenn Scheich Khalifa bin Zayed andere Staatsoberhäupter einlädt, trifft er sie hier. Für Besucher ist das Hotel dann gesperrt. Ansonsten können Touristen sich im "Palace" einen Arabischen Kaffee gönnen - und natürlich auch übernachten, das nötige "Kleingeld" vorausgesetzt.

Nur wenig später ziehen bei der Rundfahrt große Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven aus den fünfziger Jahren das Hauptaugenmerk auf sich. Sie zeigen Abu Dhabi City, wie sie früher ausgesehen hat - oder besser die Stelle, an der die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sich heute ausbreitet. Ein einsamer Reiter auf einem Kamel ist dort zu sehen, verloren in der Wüste. Ein anderes Bild zeigt ärmliche Kinder vor einem Beduinenzelt, eine anrührende Szene wie aus einem Spendenaufruf von Brot für die Welt.

Abu Dhabi vor 50 Jahren - ein trostloses Fleckchen Erde, ein paar Hütten und viel Sand. Die historischen Aufnahmen sind heute Teil der Ausstellung im "Heritage Village", einer Art Museumsdorf, in dem Touristen, aber auch Bewohner des Emirates der Vergangenheit nachspüren können. So sah es am Persischen Golf einmal aus, bevor im Jahr 1958 das Öl entdeckt wurde. Damals gab es hier noch keine Kanalisation und keine Häuser mit Strom, kein Krankenhaus, nicht einmal einen Arzt. Die meisten Einheimischen lebten mehr schlecht als recht als Fischer oder Perlentaucher.

Von der teuren Vorliebe kurzer Nummernschilder

Von der teuren Vorliebe kurzer Nummernschilder

Ganz anders ist es heute: Die Hauptstadt der erst 1971 gegründeten Vereinigten Arabischen Emirate ist eine moderne, ständig wachsende Metropole. In der wohl reichsten Stadt der Golfregion leben 800.000 Menschen. Die Skyline voller Hochhäuser mit verglasten Fronten lässt eher an Chicago denken denn an die Arabische Halbinsel. Die sechs Kilometer lange Promenade heißt Corniche - wie an der Côte d'Azur.

Die Hauptstraßen sind mindestens dreispurig, und wie es scheint, hat fast jeder Emirati einen Geländewagen. Autos sind Prestigeobjekt und Alltagstransportmittel schon für kurze Strecken. Wer Eindruck schinden will, hat nicht nur viel PS, sondern auch ein Nummernschild mit möglichst wenig Ziffern. Hin und wieder werden sie bei Auktionen versteigert: Zweistellige sollen dann locker 100.000 Euro bringen - so viel kostet in den Emiraten sonst ein gutes Rennkamel, wird dem staunenden Besucher versichert: Ein Kennzeichen-Fetischist soll für die "8" am Nummernschild sogar schon einmal eine Million US-Dollar bezahlt haben - bar vermutlich.

In der Dämmerung funkelt und blinkt die Stadt. Selbst die Minarette der Moscheen sind beleuchtet. Doch genauso hell strahlen die großflächigen Neonreklameschilder über den Türen der Geschäfte: Neben dem Blumenladen ein Supermarkt, neben dem Internet-Café der "University Book Shop". Das klingt nicht gerade nach Orient - schon wegen der englischen Sprache, die in Abu Dhabi aber ganz alltäglich ist. Und als habe irgendjemand das noch übertreffen wollen, liegen sich nur ein Stück weiter die Fast-Food-Restaurants von McDonald's und KFC tatsächlich gegenüber.

Exklusives Shopping im Wüstenstaat

Abu Dhabi überrascht immer wieder: als Einkaufsoase zum Beispiel. Dass der Nachbar Dubai jährlich im Winter Tausende von Besuchern mit seinem Shopping-Festival anlockt, hat sich herumgesprochen. Auch Abu Dhabi City hat neben seinen Souks und traditionellen Märkten etliche moderne Einkaufszentren wie die "Abu Dhabi Shopping Mall": Männer in bodenlangen Gewändern, die Dischdasch heißen, schlendern gemächlich an den Schaufenstern vorbei, oft begleitet von ihren Frauen. Viele von ihnen sind unverschleiert. Die Traditionsbewussten verbergen dagegen oftmals einen Teil des Gesichts hinter einer Burqa (Maske).

Geldsorgen sind den Einheimischen fremd. Wer einkauft, will nur das Beste: Pralinen von Leysieffer, Schmuck von Swarovski, Hifi-Hightech von Bang & Olufsen, Anzüge von Pierre Cardin - an renommierter Markenware herrscht kein Mangel. Gut 200 Geschäfte, Kinos und Restaurants erstrecken sich in der Mall über die vielen Stockwerke.

Abu Dhabi ist aber noch längst nicht am ende seiner Entwicklung angekommen. Immerhin besitzt das Emirat zehn Prozent der weltweiten Ölreserven. Scheich Khalifa bin Zayed muss sich deshalb ins Sachen Geld keine Sorgen machen: Anders als in vielen anderen Förderländern und auch in Dubai, wo bald Schicht im Förderschacht ist, reichen die Vorräte noch gut 120 Jahre. Nötig hätte der Scheich einen Schwenk in der Ökonomie also nicht, aber er will vorsorgen. Es wird kräftig in den Tourismus investiert.

Gehry und das Guggenheim

Gehry und das Guggenheim

Saadiyat Island, die direkt vor Abu Dhabi City gelegene "Insel des Glücks", soll beispielsweise zum Tourismusziel ausgebaut werden. Drei Yachthäfen sind dort geplant, zwei Golfplätze und 29 Hotels mit mehr als 7000 Zimmern, darunter ein Sieben-Sterne-Haus. Öko-Touristen sollen ebenfalls auf ihre Kosten kommen, etwa bei Exkursionen auf den Spuren der Wildvögel, die in den Mangrovenwäldern der Insel nisten. Inseln vor der Küste - der längsten der sieben Emirate - gibt es rund 200, sie sind touristisch kaum erschlossen. Das soll sich nun ändern.

Und auch das war vor kurzem noch schwer vorstellbar: Auf Saadiyat Island wird eine wohl eindrucksvolle Museumsmeile entstehen. Vier Kulturhäuser sind geplant. Unter anderem soll die Guggenheim-Stiftung eine Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst bekommen - größer als die in New York, Venedig oder Bilbao, die größte überhaupt, um genau zu sein. Für den Entwurf des Kunstmuseums zeichnet kein Geringerer als der Stararchitekt Frank Gehry verantwortlich - voraussichtlich 2011 wird es eröffnet. Aber das ist noch zu steigern: Gleichzeitig soll es auf der kleinen Insel auch einen Ableger des "Louvre" geben mit Kunstwerken aus dem großen Vorbild in Paris und weiteren Museen der französischen Hauptstadt. Neben Gehry gehen hier Stararchitekten Zaha Hadid, Tadao Ando und Jean Nouvel ans Werk.

Verteilt auf mehrere Inselchen wird gerade das "Al Gurm Resort" gebaut, das nicht nur über Luxuswohnungen, sondern auch über 161 Suiten, drei Restaurants sowie Swimming-Pools und Spa-Einrichtungen verfügen wird. Ein weiteres Resort mit 230 Zimmern - alle mit Meerblick - soll im traditionellen arabischen Stil entstehen. Auch ein Abenteuer-Wasserpark ist geplant. Insgesamt, so die ehrgeizigen Pläne, soll die Zahl der Besucher von derzeit einer auf drei Millionen im Jahr 2015 steigen, die Zahl der Hotelbetten von 12.000 auf 25.000.

Gebaut wird auch zu Ehren Allahs: Die Minarette der Großen Moschee ragen schon in den Himmel, auch wenn davor noch Gerüste stehen. Etwa 70.000 Gläubige sollen darin einmal Platz finden - die Moschee gehört dann zu den größten der Welt.

Baumaterial ist Makrana-Marmor aus Indien, mit dem auch das Taj Mahal errichtet wurde. Wahrscheinlich im Sommer 2007 wird sie fertig und zumindest in Teilen auch für Nicht-Moslems zu besuchen sein. Schon jetzt ist so gut wie sicher, was sie still bei sich denken werden, wenn sie am Grab des Staatsgründers Scheich Zayed vorbei auf die Moschee zugehen: "Kann das jetzt sein?"

Abu Dhabi in Stichworten

Abu Dhabi: Abu Dhabi gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Es grenzt im Westen an Katar, im Nordosten an Dubai und im Osten an den Oman. Mit 67 000 Quadratkilometern ist es das größte der sieben Emirate. Bewohnt ist aber nur der Küstenstreifen am Persischen Golf. Größte Stadt ist Abu Dhabi City, zugleich die VAE-Hauptstadt.

Anreise: Tägliche Nonstopflüge ab Frankfurt/Main und München bietet die VAE-Fluggesellschaft Etihad. Lufthansa fliegt ebenfalls täglich ab Frankfurt, allerdings mit Zwischenstopp in Dubai oder Kuwait. Alternativen sind Flüge mit Gulf Air von Frankfurt über Bahrain, mit KLM über Amsterdam oder mit Qatar Airways über Doha. Deutsche Touristen brauchen ein Visum, das es kostenlos bei der Ankunft gibt. Der Pass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Reisezeit: In den Wüstenregionen ist es trocken und heiß, an der Küste gibt es subtropisches Klima. Im Sommer kann es bis zu 48 Grad heiß werden. Als beste Reisezeit gelten die Wintermonate von November bis April. Dann ist mit einer Durchschnittstemperatur von 24 Grad zu rechnen. An einzelnen Tagen gibt es Regenschauer, die bei Einheimischen stets gute Laune verursachen.

Zeitdifferenz: Während des Winters in Europa plus drei, im Sommer plus zwei Stunden.

Währung: Die gemeinsame Währung der VAE heißt Dirham (AED). Ein Euro entspricht 4,7 AED. In größeren Geschäften und Hotels kann mit Kreditkarten wie Mastercard oder American Express bezahlt werden.

Gesundheit: Sonnenschutz ist wichtig, ein Mittel gegen Durchfall im Gepäck kann nicht schaden. Impfungen sind nicht vorgeschrieben.

Sprache: Arabisch. Englisch wird fast überall verstanden.

Informationen: Abu Dhabi Tourism Authority, Goethestraße 27, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/299 25 39 20, E-Mail: germany@adta.ae). www.abudhabitourism.ae , www.exploreabudhabi.ae , www.abudhabitourism.ae , www.exploreabudhabi.ae 

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