Azoren Eine andauernde Schöpfung

Das Azorenhoch kennt fast jeder aus dem Wetterbericht. Dass die Inselgruppe im Atlantik aber als Paradies für Wanderer und Naturliebhaber gilt, wissen nur wenige. Die Insel Flores mit ihren Vulkankuppen, Kraterseen, Wasserfällen und einem überwältigenden Blumenmeer lädt zu abwechslungsreichen Erkundungstouren ein.

Santa Cruz das Flores - Europas westlichste Naturschönheit liegt mitten im Atlantik, etwa 1500 Kilometer von Portugals Hauptstadt Lissabon entfernt und rund 3600 Kilometer vom amerikanischen Kontinent. Dort erheben sich neun vulkanische Inseln aus dem Ozean, üppig grün und vom Massentourismus noch weitgehend unbehelligt. Die Azoren gelten als Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Die pflanzenreichste unter den Inseln des Archipels ist Flores, was auf Deutsch "Blumen" heißt.

Typisch für diese Naturlandschaft sind unter anderem die Hortensie, die von Juni bis August weiß, blau und fliederfarben blüht und das Ingwergewächs Hedychium gardnerianum mit seinen gelben, ährenartigen Blütenständen und roten Staubblättern. Berge, von denen Wasserfälle zum Meer abfallen, und die Kraterseen im Inselinneren, geben der über 17 Kilometer langen und rund 12 Kilometer breiten Insel ihr unverwechselbares Gesicht. In einem Naturbecken, dem so genannten Stockfischteich, kann auch gebadet werden. Nicht umsonst wird die niederschlagsreichste Insel des Archipels die "andauernde Schöpfung" genannt.

Am besten lässt sich Flores zu Fuß erkunden. Als eine der schönsten Strecken des Archipels gilt die Route vom 500-Seelen-Dorf Ponta Delgada über das Flusstal des Ribeira do Moinho bis zum beschaulichen Faja Grande, der westlichsten Siedlung Europas. Der Wanderweg ist zwar teils nur sporadisch mit gelb-roten Markierungen ausgezeichnet, aber bei schönem Wetter gut zu meistern - bei Regen verwandeln sich die engen Pfade in teils gefährliche Rutschbahnen.

Einziger Haken: Die Route ist eigentlich nur als "One-Way" gedacht. Der Wanderer muss sich am Ende der Strecke, in Faja Grande, vom Taxi abholen lassen, oder aber er läuft die gesamte Strecke wieder zurück. Das ist in rund sechs bis sieben Stunden durchaus machbar - in diesem Falle ist es allerdings ratsam, die Tour nicht bis nach Faja Grande hinein auszudehnen, sondern schon einige hundert Meter vorher eine Rast einzulegen und wieder kehrt zu machen.Wer den Rückweg anschlägt, muss dann allerdings einen mühseligen Aufstieg in Kauf nehmen.

Vom kleinen Hafen Ponta Delgadas aus führt der Weg zu Beginn rund eineinhalb Kilometer auf einer schmalen, betonierten Straße an grasenden Kühen vorbei, ehe sich von Hortensien gesäumte und tief ausgespülte Pfade durch die Landschaft schlängeln - mal ein Stück ins Inselinnere, mal entlang der Küste. Absolute Schwindelfreiheit ist gefragt, wenn der Wanderer an den Kanten der Klippen, die steil zum Meer hinabfallen, einen Fuß vor den anderen setzen muss. Doch der Ausblick über türkisblaues Meer, vom Wind gebeugte Bäume und Sträucher oder grün überwucherte Steilhänge ist jeden Schritt wert.

Hoch über dem Meer beginnt schließlich der Abstieg - immer wieder fließt Wasser in kleinen Rinnsalen die Felswand hinab und über den Wanderweg hinweg, was eine gewisse Vorsicht selbst bei trockenem Wetter verlangt. Nach rund 35 Minuten Fußmarsch bergab erreicht man eine mit Gras bewachsene Biegung, die endlich den Blick freigibt auf die schlichte gelegene Kirche von Ponta sowie die Landzunge von Faja Grande. Hier können alle, die sich anschließend wieder auf den Weg zurück machen wollen, eine Rast einlegen.

Claudia Möbus, dpa

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