Sahara Der Wüste erlegen

Auf dem Kamel, im Jeep oder auf den eigenen Füßen geht es über Dünen und durch die Steppe: Wer einmal durch die Sahara gereist ist, wird dieses Erlebnis wohl nie vergessen. Zimperlich sollten Besucher aber nicht sein. Hitze, Sand und andere Strapazen gehören dazu.

Ouarzazate/Tamanrasset - Die Sahara bietet ganz spezielle Reize: scheinbar unendliche Weiten, schwarze Felsen, Schotterfelder, Berge wie in Mondlandschaften, goldfarbene Sandhügel und Oasen. Bei Naturliebhabern gilt die größte Wüste der Welt, die sich über Nordafrika vom Ufer des Atlantiks bis zum Roten Meer ausdehnt, als exklusives Reiseziel in einer weitgehend unberührten Welt. Spezialveranstalter registrieren ein wachsendes Interesse an organisierten Touren mit Expeditionscharakter.

"Wüstenreisen setzen eine gute körperliche und seelische Gesundheit voraus. Man sollte gut zu Fuß sein und sich dem Leben in der Natur anpassen können", stellt die Schweizerin Sabine Chavannes fest. Sie kennt die Sahara seit gut 20 Jahren und hat ihre Begeisterung dafür zum Geschäft gemacht. In Gümlingen bei Bern hat sie sich mit ihrem Unternehmen Indigo-Reisen auf Touren durch die neun Millionen Quadratkilometer Einsamkeit spezialisiert. Zum Vergleich - auf diese Fläche passt Deutschland 26 Mal.

Viele Menschen, die einmal die Weite der Wüste bewusst erlebt haben, kommen immer wieder. Sie verzichten auf jeden Luxus, übernachten im Schlafsack unter freiem Himmel und finden die Toilette wenige Meter vom Lager entfernt im Sand. "Spatengang" nennt der Sahara-Kenner Gerhard Tretze das. Toiletten gibt es zwar keine, "aber Duschen ist möglich - mit eineinhalb Litern Wasser." Tretze betreibt in Radolfzell nahe Konstanz die GTO-Tours.

Wüstentourismus erfordert Zeit - mindestens eine Woche muss am Ort eingeplant werden, sagen Kenner. Manche Touren dauern auch drei Wochen. Sabine Chavannes zum Beispiel bietet an, von Agadez im Niger aus mit Nomaden eine reguläre Karawane ins Aïr-Gebirge zu begleiten. Als Transportmittel dient auch dem Fremden ein Dromedar.

Auf einem Wüstenschiff durchs "Meer ohne Wasser" zu ziehen, gilt als die schönste Art des Erkundens der Sahara. Für organisierte Touren - von anderen wird aus Sicherheitsgründen dringend abgeraten - stehen gut dressierte Tiere bereit. Auf die schwankende Höhe muss man sich allerdings einstellen. Zum Ausgleich wird bei Kameltouren auch marschiert. Tagesetappen dauern zwischen vier und sechs Stunden, man schafft so 20 bis 25 Kilometer. In den Pausen gibt es obligatorisch drei Gläser des typischen süßen Tees.

Zwischen Tafelbergen, Wüstensteppen, Dünen und Oasen

Zwischen Tafelbergen, Wüstensteppen, Dünen und Oasen

Tretze organisiert seine Wüstentouren mit Geländewagen von Europa über Tunis nach Libyen. Die Besonderheit: Die Reisenden bringen ihr Gefährt selbst mit. "Eine teure Angelegenheit, denn die Fahrzeuge müssen für ihren Einsatz speziell ausgerüstet sein." Mindestens drei Wochen empfiehlt er seinen Kunden für die Expedition.

Wüstentouren führen vor allem zu Zielen in Libyen, Tunesien, Marokko und Algerien. Chavannes beispielsweise bietet einen zwölf Tage dauernden Ritt durch das Sandstein-Bergmassiv Akakus in Südlibyen an, das zum Weltkulturerbe zählt. Im Süden Tunesiens lockt der Erg Oriental mit seinen Tafelbergen, Wüstensteppen, Dünen und Oasen vor allem zum Kennenlernen der Sahara. Die Einreiseformalitäten für dieses Land sind unproblematisch, ein Pass genügt. In Marokko, dem westlichsten Maghrebstaat, starten die Touren von Quarzazate beziehungsweise von Zagora aus bis hinein in den Nationalpark Iriki und in Tal des Draa.

Im tiefen Süden Algeriens liegt das Hoggar-Massiv von der Größe Frankreichs, dessen Berge bis 3000 Meter hoch ragen. Dazwischen liegen weite einsame Täler. Man trifft auf dornige Akazien und die so genannten Gueltas, seltene von Felsen umgebene Wasserlöcher. Sie zeugen davon, dass sich unter der Wüste wahre Meere befinden, wie Geologen feststellten.

"Der schönste Teil der Sahara", nennt der Algerier Ahmed Zaballi den Süden seines Heimatlandes, durch den noch die Tuareg, die legendären "Blauen Ritter" streifen. Sie führen die Fremden. Denn sich ohne Ortskundige in der Wüste zu bewegen, ist purer Leichtsinn, örtliche Führer sind Pflicht. In Algerien herrschen überdies strenge Auflagen für den Tourismus, wie man spätestens beim Beantragen eines Visums feststellt.

Die Preise für das Sahara-Trekking richten sich nach Dauer, Ziel und Zahl der Teilnehmer, wobei deren Zahl möglichst klein gehalten wird. "Kameradschaft und Teamfähigkeit sind unumgänglich", nennt Tretze als eine weitere Voraussetzung. "In den Maghreb-Staaten sprechen die Führer meist nur Französisch und Arabisch", sagt Chavannes. Jede Reise muss langfristig und sorgfältig geplant werden. Ausführliche Informationen geben die Veranstalter.

"Der Kopf soll stets kühl und beschattet sein", riet schon der deutsche Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (1831-1896), der als erster Europäer die Sahara durchquerte und seinen Zeitgenossen von der unendlichen Weite berichtete. In der Sahara brennt die Sonne unbarmherzig, Schatten findet man nur selten. Die Führer empfehlen dann den Schesch, ein einen Meter breites und vier Meter langes Baumwolltuch, das in einer Art Turban um den Kopf gewickelt wird.

Horst Heinz Grimm, dpa

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