Tschechien Prager Köstlichkeiten

In der Altstadt von Prag haben Passanten die Qual der Wahl. Zahlreiche Kneipen, Cafés und Restaurants buhlen um die Gunst der Hungrigen und Durstigen. Tschechiens Hauptstadt bietet alles – von der rustikalen Bierwirtschaft, über Kaffeehäuser bis zu Gourmet-Tempeln.

Prag - In Prags Altstadt haben hungrige und durstige Passanten die Qual der Wahl: Viele Kneipen, Cafés und Restaurants werben um ihre Gunst. Insgesamt gibt es rund 3000 Lokale in der tschechischen Hauptstadt. Ausländer, die gerne die deftige böhmische Küche probieren möchten, müssen zwar etwas suchen, um gut zu essen, muss man aber nicht unbedingt in teure Restaurants gehen. Einfache Lokale mit köstlicher, böhmischer Küche zu günstigen Preisen sind auf jeden Fall zu finden – wenn auch vielleicht nicht gerade an den Hauptstraßen.

Die traditionelle tschechische Küche ist mit der süddeutschen und der österreichischen verwandt. Es dominieren Fleischgerichte. In fast jedem Lokal steht daher "Vepro-knedlo-zélo" auf der Karte - Schweinebraten mit Knödeln und Kraut. Es gilt als tschechisches Nationalgericht schlechthin. Das durchwachsene Fleisch und die Schwarte werden oft mit Knoblauch eingerieben. Als Beilage gibt es böhmische Knödel und Sauerkraut oder frisch gekochtes Kraut mit Speckwürfeln und Kümmel.

Schöne traditionelle Küche

Ein absolutes Muss ist Svícková. Der mehrere Tage marinierte Lendenbraten aus Rindfleisch wird meist mit einer Zitronenscheibe, Schlagsahne und Preiselbeeren, reichlich Gemüse-Sahne-Soße und in Scheiben geschnittenen Knödeln serviert. Oft wird vor dem Hauptgericht noch eine Suppe gegessen. Die wohl älteste böhmische Suppe ist die Knoblauchsuppe. Sie wird mit Kassler, Knoblauch, Lauch, Kartoffeln, Zwiebeln und Brühe gekocht. Diese deftige Suppe - die mit Brot auch eine volle Mahlzeit ersetzen kann - gilt als ideales Katerfrühstück.

Und Katerfrühstücke werden auch in Tschechien ab und an gebraucht - sind die Tschechen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern doch Weltmeister im Bierkonsum. Unterschieden wird zwischen dem dunklen und starken Porter, dem mindestens 13-prozentigen Spezial, dem Lager sowie Schank- und Leichtbier mit maximal sieben Prozent Alkoholgehalt. Nicht nur die Sorten, auch die Auswahl an Marken ist groß, allerdings bei weitem nicht mehr so groß wie früher. Im 18. Jahrhundert gab es noch knapp 1300 Brauereien. Heute existieren in Tschechien nur noch rund 50 industrielle und etwa 20 Kleinstbrauereien.

Besonders verbreitet sind die Marken Budweiser und Pilsner Urquell. Die Prager selbst trinken dagegen eher Gambrinos oder Staropramen. Eine bekannte Bierstube ist "Zum Goldenen Tiger" (U zlatého tigra). In der urigen Wirtschaft waren schon der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel und sein US-Kollege Bill Clinton zusammen ein Bier trinken.

Zu Besuch in den Prager Kaffeehäusern

Zu Besuch in den Prager Kaffeehäusern

Zum Essen sind aber auch tschechische Weine beliebt, etwa aus den Anbaugebieten nördlich von Prag oder in Südmähren. Wer die Weine kennen lernen möchte, kann im Haus der tschechischen Weine in der Prager Altstadt (www.dumvin.cz ) Weine probieren und auch kaufen.

Nach einem deftigen Essen geht es süß weiter: Auf den Speisekarten stehen Palatschinken mit zuckersüßer Füllung, in Schmalz gebackene Pfannkuchen, Kaiserschmarren mit Waldbeerenkompott oder Zwetschgenknödel mit geriebenen Quark, Puderzucker und zerlassener Butter. Um das alles verdauen zu können, helfen ein Vernet oder der Kräuterlikör Becherovka.

Ganz ohne Alkohol trifft man sich dagegen in den Prager Caféhäusern. Das literarische Prag der Jahrhundertwende ist ohne seine Kaffeehauskultur nicht denkbar. Die Cafés waren der Treffpunkt für Schriftsteller und Künstler. "Ich sitze im Kaffeehaus, habe etwas hübsches gelesen, bin wohlauf", schrieb Franz Kafka, als er im Prager Grand-Hotel "Erzherzog Stephan" saß.

Einige Prager Cafés haben den Wandel der Zeit überlebt, und noch heute treffen sich die Einheimischen auf einen Plausch bei Kaffee und Kuchen. Eines der bekanntesten Cafés ist das "Slavia" am Ufer der Moldau gegenüber dem Nationaltheater. Das mehr als 200 Jahre alte Café war während der sowjetischen Okkupation ein Treffpunkt oppositioneller Gruppen - die Unterzeichner der Charta 77 trafen sich hier, unter ihnen der spätere Präsident Havel. Das historische Café wurde 1992 geschlossen und nach Protesten 1997 renoviert wieder eröffnet.

In einem prächtigen Jugendstilgebäude untergebracht ist das Café im Repräsentionshaus, das "Kavárna Obecní dum" (www.obecni-dum.cz ). Es liegt neben dem mittelalterlichen Pulverturm. Zur opulenten Innenausstattung gehören schwere Lüster, Skulpturen und Wandgemälde. Und am Abend gibt es Pianomusik. Das "Café Louvre" in der Nationalstraße ist eine Prager Institution und liegt im ersten Stock eines Jugendstilbaus. Hierher kamen früher der Reporter Egon Erwin Kisch und auch Albert Einstein. Auf der Karte stehen böhmische und mediterrane Speisen.

Auch in bekannten Gourmet-Tempeln wie dem "Restaurant Parnas" (www.restaurantparnas.cz) gibt es neben der internationalen Küche typisch tschechische Gerichte. Allerdings bezahlen die Gäste nicht nur für das köstliche Essen und das schicke Ambiente, sondern auch für den Blick auf die Moldau und den Hradschin, die Burg.

Claudia Steiner, dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.