Le Bristol Oetkers Pariser Juwel

Die größten Zimmer, der größte Hotelgarten, Zwei-Sterne-Küche, ein imposanter Blick über die Dächer von Paris – und dennoch größte Zurückhaltung. Das Hotel Le Bristol gehört zu den besten Häusern der Welt ohne davon viel Aufhebens zu machen, ganz im Sinne der exklusiven Klientel.
Von Sabine Koell

Paris - Wären da nicht die livrierten Pagen und verschiedene Fahnen am Art-Déco-Vordach, man würde am ehrwürdigen Hotel Le Bristol in der eleganten Rue du Faubourg Saint-Honoré, unweit der quirligen Champs-Elysées, glatt vorbeilaufen. Unscheinbar erscheint die Fassade des Hauses, das zu den Leading Hotels of the World gehört.

Doch diese Unscheinbarkeit hat direkt beim Betreten des Foyers ein Ende. Die Hotelhalle mit weißem Marmorboden, riesigen Gemälden an den Wänden sowie zehn Kristall-Kronleuchtern veranlasst wohl jeden Gast, der sie zum ersten Mal betritt, zum Innehalten und Staunen. Wunderbare Blumen- und großzügige Polsterarrangements vervollständigen das Gesamtbild.

Uniformierte Rezeptionisten grüßen freundlich zurückhaltend die Hereinkommenden, nicken den Hinausgehenden zu und kümmern sich um die Ratsuchenden. Trotz des regen Treibens herrscht eine ruhige, angenehme Atmosphäre, jegliche Hektik scheint der dicke Teppich einfach aufzusaugen.

Genau das ist es, was wohl die Gäste aus aller Welt immer wieder hierhin zieht - immerhin sind 80 Prozent der Klientel Stammgäste -, Zurückhaltung und Verschwiegenheit, für die das Le Bristol bekannt ist.

Bankette zu den verschiedensten Anlässen: Festlich eingedeckter Salon

Bankette zu den verschiedensten Anlässen: Festlich eingedeckter Salon

Foto: Le Bristol
Internationale Tagungen im Le Bristol: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten hier den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag

Internationale Tagungen im Le Bristol: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten hier den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag

Foto: Le Bristol
Das Sommerrestaurant: In den warmen Monaten wird in dem lichtdurchfluteten Raum mit angrenzender Terrasse serviert

Das Sommerrestaurant: In den warmen Monaten wird in dem lichtdurchfluteten Raum mit angrenzender Terrasse serviert

Foto: Le Bristol
Der Swimmingpool mit Blick über die Dächer von Paris: Die Ausstattung wurde vom renommierten Schiffsarchitekten Cäsar F. Pinnau entworfen

Der Swimmingpool mit Blick über die Dächer von Paris: Die Ausstattung wurde vom renommierten Schiffsarchitekten Cäsar F. Pinnau entworfen

Foto: Le Bristol
Zwei-Sterne-Küche im ehemaligen Theater: Das Winterrestaurant

Zwei-Sterne-Küche im ehemaligen Theater: Das Winterrestaurant

Foto: Le Bristol
Bar Saint Honoré: Beliebter Treffpunkt für die bunt gemischte Klientel

Bar Saint Honoré: Beliebter Treffpunkt für die bunt gemischte Klientel

Foto: Le Bristol
Präsidentsuite: 300 Quadratmeter für Gäste, die es etwas geräumiger lieben

Präsidentsuite: 300 Quadratmeter für Gäste, die es etwas geräumiger lieben

Foto: Le Bristol
Mit Liebe zum Detail: Maja Oetker kümmert sich persönlich um die Ausstattung der großzügigen Zimmer

Mit Liebe zum Detail: Maja Oetker kümmert sich persönlich um die Ausstattung der großzügigen Zimmer

Foto: Le Bristol
Kulinarische Genüsse mit Aussicht: Kleiner Empfang in der Terrassen-Suite

Kulinarische Genüsse mit Aussicht: Kleiner Empfang in der Terrassen-Suite

Foto: Le Bristol
Hell und großzügig: Jedes Zimmer wird alle sechs Jahre komplett renoviert

Hell und großzügig: Jedes Zimmer wird alle sechs Jahre komplett renoviert

Foto: Le Bristol
Fontaine aux Amours: Der Springbrunnen bildet den Ruhepol im idyllischen Hotelgarten

Fontaine aux Amours: Der Springbrunnen bildet den Ruhepol im idyllischen Hotelgarten

Foto: Le Bristol
Kombination von Tradition und Moderne: Am Samstagnachmittag finden in der Bar Modenschauen statt

Kombination von Tradition und Moderne: Am Samstagnachmittag finden in der Bar Modenschauen statt

Foto: Le Bristol


Luxusvergnügen im Le Bristol
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1925 wurde das Anwesen, auf dem bereits 1758 von einem Bauunternehmer Ludwigs XV. verschiedene Gebäude rund um einen Gemüsegarten errichtet worden waren, von Hippolyte Jammet erworben, um dort ein Hotel zu bauen. Den Namen erhielt es zu Ehren des viel reisenden, anspruchsvollen vierten Grafen von Bristol. Und seit Beginn an bemühten sich die Eigentümer die luxuriöse Bleibe ständig zum Wohlbehagen auch ihrer ebenso anspruchsvollen Gäste rundum instand zu halten.

Besonders seit 1978 die Familie Oetker das Haus übernommen hat, wird es im Turnus von sechs Jahren vollständig renoviert. Maja Oetker, die Ehefrau von Familienpatriarch Rudolf Oetker, kümmert sich persönlich um die Inneneinrichtung, sowohl der einzelnen Zimmer als auch aller öffentlichen Räume.

Das antike Mobiliar, die teils aus dem Louvre in den 30er Jahren ersteigerten Gemälde, die edlen Polster- und Vorhangstoffe aus Chintz und Seide werden von ihr ausgesucht und entsprechend arrangiert. Dabei verzichtet sie zu Gunsten von Helligkeit und Großzügigkeit bewusst auf überflüssige Accessoires und übertriebene Ausstattung.

Zwei-Sterne-Küche und einer der besten Weinkeller Frankreichs

Zimmer individuell eingerichtet

Jedes Jahr werden 25 der insgesamt 89 Zimmer und 73 Suiten komplett renoviert, mit Stoffen und Möbeln, die sich lediglich in ihren hellen Pastellfarben gleichen, ansonsten vollkommen individuell von der Besitzerin gestaltet. Die Investitionen betragen pro Zimmer 60.000 Euro, sagt Véronique Surrel, Leiterin der Kommunikationsabteilung, gegenüber manager-magazin.de.

Fast alle Zimmer verfügen über zwei Badezimmer - aus Carrara-Marmor -, sollte einmal doch nur eins vorhanden sein, ist es zumindest so groß, dass sich zwei Personen bei der Morgentoilette nicht in die Quere kommen.

Geräumigkeit wird im Le Bristol besonders groß geschrieben. Die Einzelzimmer sind mit ihren rund 25 Quadratmetern noch recht bescheiden, Doppelzimmer verfügen dann schon über 30 bis 50 Quadratmeter. Wer es üppiger mag, reserviert eine Juniorsuite von 75 Quadratmetern oder gleich eine der verschiedenen Suiten zwischen 160 und 350 Quadratmetern, zwei davon mit Dachterrasse. Kein anderes Pariser Hotel bietet seinen Gästen größere Räume - und stolzere Preise.

Zwei-Sterne-Küche und einer der besten Weinkeller Frankreichs

So wundert es auch nicht, dass man sich hier ein Restaurant für den Winter und eins für den Sommer leistet. Von Oktober bis April wird im theaterförmigen Winterrestaurant gespeist, das mit edlen Hölzern, antiken Möbeln, goldverzierter Decke und Kristallleuchtern ausgestattet ist.

Die Tische sind mit Silberbesteck von Christofle und Servietten aus ägyptischer Baumwolle gedeckt. 30 Kellner in schwarzen Anzügen kümmern sich allein während eines Abends um das Wohl der maximal 56 Gäste, wollen doch die Speisen aus der Sterne-Küche sowie edle Weine perfekt serviert werden.

In den wärmeren Monaten wird der Service dann ins lichte Sommerrestaurant verlegt, dem eine weitläufige Terrasse angeschlossen ist. Sie gehört zu dem herrlichen 1200 Quadratmeter und somit zu den größten Hotelgärten von Paris, der mit seiner parkähnlichen Anlage schon ein kleines Highlight für sich ist.

Küchenchef Eric Frechon ist gebürtiger Normanne und konzentriert sich auf bodenständige Kost, verwendet Materialien wie Schweinsfuß, Blutwurst neben Jacobsmuscheln und Trüffeln. Dabei spart er auch nicht an Fett, Eiern und Sahne, was die Michelin-Tester nicht etwa abschreckte, sondern dazu veranlasste, ihm zwei Sterne zu verleihen.

Die Kreationen der rund 120 Köche haben natürlich ihren Preis, auf der exklusiven Speisekarte finden sich Vorspeisen ab 30 Euro, die Hauptgänge schlagen mit 60 bis 95 Euro zu Buche. Doch das scheint weder Hotelgäste noch die Pariser Hautevolee von einem Besuch abzuhalten, die Restaurants sind so gut wie immer ausgebucht. Schließlich gilt auch der Weinkeller mit über 30.000 Flaschen von rund 1000 Weingütern sowie Cognac- und Champagner-Raritäten als einer der besten Frankreichs.

Fitness und Entspannung über den Dächern von Paris

Gelungener Mix

Stets gut frequentiert ist ebenfalls die frei zugängliche Bar, ein Ort, an dem sich "jedermann" trifft. Da ist einerseits die ältere Dame mit roten, hoch toupierten Haaren, die trotz der Wärme im Pelzmantel und mit Sonnenbrille ihr Näschen pudert, die Amerikaner, die im Polohemd alle Viere von sich strecken und das junge Pärchen, das mit Tüten von Luis Vuitton und Chanel ausgestattet, sich über die Erdnussschale hermacht.

Die Designer verstanden es, Tradition und Moderne in einen gelungenen Mix zu kombinieren, in dem sie drei Bereiche schufen, die zentrale Bar Saint Honoré, den eher romantischen Raum Marie Antoinette sowie den Alkoven. Hier in der Bar finden auch die wöchentlichen Modenschauen, die "samedis de la mode" statt, die sich nicht nur bei den Parisern großer Beliebtheit erfreuen. Die Großen der Haute Couture wie Yves Saint Laurent, Givenchy, Chloé und auch Nachwuchstalente geben sich im Le Bristol jeden Samstag zum Nachmittagstee ein Stelldichein.

Fitness und Entspannung über den Dächern von Paris

Ganz oben, in der sechsten Etage ist es dagegen ruhig. Dort befindet sich der 2004 renovierte Swimmingpool, bei dessen Betreten man binnen Sekunden glaubt, auf einem Kreuzfahrtschiff zu sein, könnte man nicht backbord und steuerbord über die Dächer von Paris bis zum Montmartre sehen.

Der Boden ist mit lackierten Schiffsplanken ausgelegt, das Deckengemälde zeigt einen Sonnenschutz, der noch den blauen Himmel und ein paar Wattewolken hervorlugen lässt, Deckchairs und maritime Accessoires laden zum Entspannen; und das alles mit Blick auf das am Cap Antibes gelegene Hotel Eden Roc, das ebenfalls im Besitz der Familie Oetker ist. Der Entwurf stammt, kaum verwunderlich, vom Schiffsarchitekten Cäsar F. Pinnau, der schon Jachten für Aristoteles Onassis und Stavros Niarchos konstruierte.

Gleich daneben findet der nach Bewegung suchende Gast das mit modernsten Geräten ausgestattete Fitnesscenter. Und für die, die es weniger anstrengend mögen, bietet Anne Sémonin im gleichnamigen Spa Wellness-Behandlungen, Schönheitspflege, Massage und Jetlag-Behandlungen. Zu fluggestressten Gästen der Prestige-Suite kommt Madame Sémonin zur speziellen Behandlung auch direkt ins Zimmer.

Klar, dass sich bei so viel Luxus gern elitäre Gäste im Le Bristol verwöhnen lassen, doch der geschäftsführende Direktor Pierre Ferchaud und seine rund 400 Mitarbeiter geben deren Namen nur in den seltensten Fällen preis, es ist hier geradezu Kult, die Identitäten und Eigenheiten der gut betuchten Klientel geheim zu halten.

Dass Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag hier unterzeichneten ist bekannt, auch dass Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Joschka Fischer - natürlich nur wegen der räumlichen Nähe zum Elysée-Palast - jeweils in einer 300-Quadratmeter-Suite residierten, oder Königin Silvia zum Benefiz-Dinner einlud, und Woody Allen seine Interviews in dieser exklusiven Bleibe gibt, durfte an die Öffentlichkeit. Nur, dass die Frau des verstorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat vor fünf Jahren auf Dauer eine Suite für 3700 Euro pro Nacht gemietet hatte, sollte eigentlich nicht publik werden.

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