Länger Rodeln Im Abfahrtsrausch

Romantisch, sportlich und bequem: Langstreckenrodeln ist in. Der sanfte Wintersport mit hohem Spaßfaktor ermöglicht auch Einsteigern Wintervergnügen in Reinkultur. In den Skigebieten rund um Innsbruck in Tirol findet sich eine große Auswahl an kilometerlangen Rodelpisten.

Innsbruck - Beim Tourenrodeln in den Tiroler Bergen geht es nicht um die üblichen Kurzfahrten einen Schlittenhügel hinunter. Hier geht es richtig zur Sache: Rodeln ist in Innsbruck der erste Wintersport, den die Kinder lernen. Früher bedeutete das erst einen langen Aufstieg zu einer Hütte, dann eine rasante Abfahrt, die leider immer viel zu schnell vorbei war.

Die Infrastruktur für den sportlichen Spaß gab es schon immer: Liegt Schnee, verwandeln sich die Versorgungswege der bewirtschafteten Hütten in Rodelbahnen, die über Wiesen mit herrlichem Bergblick und durch tief verschneiten Wald hinunter ins Tal führen.

Zauber einer vergangenen Zeit? Weit gefehlt. Rodeln ist aktueller denn je. Die Betreiber der Lifte und Hütten in den weitläufigen Skigebieten um Innsbruck, von der Axamer Lizum bis ins Stubai- und Wipptal, entdecken Tourenrodler als "wertvolle Zielgruppe, die es genauso bequem haben will und soll wie die Skifahrer", wie Georg Reitmair meint. Für den Geschäftsführer der Muttereralm Bergbahnen in Innsbruck-Mutters hatte die Traditionsrodelstrecke bei der Renovierung des erst in diesem Januar wiedereröffneten Familienskigebiets deshalb Priorität.

Täglich wird die auch für Kinder geeignete, fünf Kilometer lange Bahn vom Berg hinunter zur Talstation der nagelneuen Gondelbahn präpariert. Angeboten werden spezielle Lifttarife inklusive Leihrodel.

Auch auf der zur Axamer Lizum gehörenden Seite der geplanten Ski- und Rodelschaukel Axams/Birgitz/Götzens/Mutters wird gehandelt - wenn alles glatt geht, so hofft Hüttenwirt Harald Frischmann, wird noch in diesem Winter die mehr als zehn Kilometer lange Rodelbahn vom per Lift erreichbaren Birgitzköpflhaus über die bewirtschaftete Götzener Alm bis hinunter nach Götzens in Betrieb genommen.

Erfolgreicher Vorläufer des Projekts war Mieders im Stubaital, wo die Bergstation der Serleslifte Ausgangspunkt für mehrere Rodelziele ist: etwa nach Schönberg, Fulpmes oder auch hinüber nach Matrei am Brenner. Ebenfalls für einen Rodel-Tagesausflug von Innsbruck aus geeignet sind die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell zu erreichenden, komfortablen Rodelstrecken am Rangger Köpfl-Lift in Oberperfuß, am Elferlift in Neustift im Stubaital, am Bergeralmlift in Steinach im Wipptal oder an der Patscherkofelbahn in Innsbruck-Igls.

Am "Gasthof Adelshof" oberhalb Axams sowie am Parkplatz in der Axamer Lizum beginnen die mit dem Skibus oder Auto erreichbaren, ebenfalls kilometerlangen Rodelpisten Richtung Birgitz und Axams.

Oben auf dem Berg herrscht lebhaftes Treiben, eine Schirmbar lockt schon von weitem mit Apres-Ski-Sound. Die Rodler suchen aber nicht nur eiskalte, klare Luft, Sonne und weite Sicht auf verschneite Berge, sondern auch verwunschene Stille über knirschendem Schnee. Nur wenige Meter sind es bis zum Beginn der Rodelbahn. Leise gleitet der Schlitten über die gut präparierte Schneedecke und gewinnt an Fahrt.

Wenn der Hüttenwirt kommt

Wenn der Hüttenwirt kommt

Da kommt ein kurzer Stopp an einer Kurve gerade recht. Waghalsigere Rennrodler überholen, und dann gibt es auch noch Gegenverkehr: Während die einen mit der Seilbahn an den Start kamen, müssen Winterbiker vom Tal aus auf ihren mit Spikes bewehrten Fahrrädern die Bahn hochfahren.

"Sammelstelle für Schlittentransfer" steht auf einem Schild an einer Abzweigung: Täglich um 11.45 Uhr holt der Hüttenwirt der noch weiter oben gelegenen Alm die Gäste mit dem Schneemobil ab und verlängert so die Rodelpartie um mehrere Kilometer. Aber auch etwas weiter unten findet sich eine Hütte am Weg, die nur zu Fuß oder per Schlitten erreicht werden kann. Vergnügt läuft ein großer Neufundländer auf dem Weg zum Schlittenparkplatz. Mit den oft überfüllten Gasthäusern vieler Skistationen hat diese Hütte nichts gemein. Warm und gemütlich ist es, es duftet nach Kasspatzln und Glühwein.

Hier wollen viele die zünftige Hüttengaudi und anschließend eine geruhsame Fahrt hinunter ins Tal genießen. Unterdessen bricht die Nacht herein. Doch an vielen Rodelbahnen schließen die Berge erst spät: Immer mehr Rodelpisten werden durch abendliche Sonderfahrten der Bergbahnen bedient und sind nachts beleuchtet. Zum Abschied drückt der Hüttenwirt etlichen Gästen eine Fackel in die Hand. Etwas unbequem ist es schon, Schlittenfahren mit Fackel will geübt sein.

Aber mit gemächlichem Tempo klappt es. Am Parkplatz steht eine Box, in die die gelöschten Fackeln gelegt werden.

Bibiana Behrendt, dpa

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.