St. Peter-Ording Schwefelbad bei klirrender Kälte

Steife Brise, langer Sandstrand – auch im Winter hat das Nordseebad St. Peter-Ording seinen Reiz. Nach einem Spaziergang am Meer, vorbei an den typischen Pfahlbauten sorgen luxuriöse Bäder- und Wellness-Anlagen für die richtige Entspannung.

St. Peter-Ording - Die steife Salzbrise kneift lustvoll in die Wangen, zerrt am Kragen der gefütterten Windjacke. Mit jedem Schritt bricht der frostig verkrusteten Sandstrand ein. Am Horizont flimmert die Wintersonne in kristallklarer Meeresluft. In der Ferne ragen eine Handvoll Pfahlbauten meterhoch in den Himmel. Ansonsten kalte Wüste, so weit das Auge reicht. Zwölf Kilometer Strand, bis zu zwei Kilometer breit. Eine Wanderung fast wie auf einem anderen Planeten.

Das Nordseeheil- und Schwefelbad St. Peter-Ording hat nicht nur zur Badesaison seinen besonderen Reiz, sondern bietet auch in der kalten Jahreszeit ein Fest für die Sinne. Warum hier an Deutschlands größtem Nordseestrand alles auf Pfählen stehen muss, wird meist zwischen Herbst und Frühjahr deutlich. Auch im Sommer kann die Nordsee bei Springflut schon mal höher steigen. Wenn aber heftige Stürme die Flutwellen im Winter noch verstärken, dann klatschen die Wellen schon mal an den Deich und lecken gierig an den Pfahlbauten.

Als im 19. Jahrhundert der Fremdenverkehr seinen Aufstieg erlebte, begann die Zeit St. Peter-Ordings. Der Ort, der erstmals 1877 in den Reiseführern erwähnt wurde, stieg zum touristischen Zentrum der Halbinsel Eiderstedt auf. Sein Kapital ist nicht nur die riesige vorgelagerte Sandbank, sondern auch die Kuranlagen, die 350 Hektar Wald, die naturgeschützten Salzwiesen zwischen Deich und Strand, die rund 100 Kilometer Wanderwege und die Solequellen.

Wellness-Tempel im Verbund

Die Entdeckung der Schwefelquelle hat zu dem langen Namen geführt: Nordseeheil- und Schwefelbad. Es ist schwefelhaltiges, heilendes Wasser aus größerer Tiefe. Es ist deswegen makellos rein, weil der darüber liegende Wattenboden wie ein großer Filter alle Verunreinigungen herausfiltert.

Lange schien es so, als würde der Ausnahme-Urlaubsort die Zeit verschlafen. Doch mit millionenschweren Investitionen hat St. Peter-Ording nun den Anschluss an modernen Kur- und Tourismus-Standard gefunden. Vor einigen Wochen wurde das Kur- und Wellness-Zentrum mit seiner Dünen-Therme nach monatelangem Umbau neu eröffnet. Die Anlage mit ihrem Außenbecken mit Blick auf das Wattenmeer und ihrer luxuriösen Saunalandschaft vereint Exotisches mit norddeutschem Ambiente.

Um den See-Urlaub auch im Winter attraktiv zu halten und hohe Wellness-Qualität zu gewährleisten, hat sich St. Peter-Ording mit Westerland/Sylt, Damp/Ostsee und dem nicht weit entfernten Büsum unter dem Namen "Balance. Best of Spa" zusammengeschlossen. Die vier Top-Bäder des Landes bieten ihren Besuchern Wellness aus aller Welt auf höchstem Niveau. "Die Nachfrage nach Angeboten zum Thema Wellness, Fitness und Schönheit ist groß", sagt Frank Behrens, Geschäftsführer und Mitgründer der Markenkooperation. "Wir wollen Qualität gegen den Dschungel weltweit wild wuchernder Wellness-Angebote setzen."

Ein Bad in Rosenblüten

Ein Bad in Rosenblüten

So sind aus ehemals klinisch nüchternen Kurmittelhäusern elegante Wellness-Oasen geworden. In St. Peter-Ording locken Thalasso mit Algen-, Rosenblüten-, Öl- und Meerwasserbädern, Ayurveda mit traditionellen indischen Massagen, ein türkisches Kaiserbad und Entspannungskurse wie Qi-Gong, Tai Chi Chuan oder Shiatsu.

Wer sich lieber draußen bewegt: Im "Nordsee-Fitnesspark" finden Jogger, Walker, Wanderer und Nordic Walker markierte Strecken von 1,2 bis 5,8 Kilometern Länge. Alle führen durch die drei Klimazonen Brandungszone, Dünengürtel und Wald und machen selbst einen einfachen Spaziergang zur Kur im Kleinen. Entstanden ist der für die Küstenlandschaft ungewöhnliche Wald mit Fichten, Kiefern und Sandweiden aus 25.000 Setzlingen, die vor rund 140 Jahren gepflanzt wurden, um einer Versandung der Marschen vorzubeugen. Heute profitiert der Urlaubsgast von dieser Entscheidung.

Eines der Wahrzeichen von St. Peter-Ording erstrahlt seit Kurzem im neuen Glanz: Die mehr als einen Kilometer lange hölzerne Seebrücke, die vom Ortskern über die Salzwiesen zum Strand führt, war in die Jahre gekommen und ist nun durch eine elegant geschwungene Stahlbeton-Konstruktion ersetzt. Das sechs Meter breite Bauwerk ist mit Info-Points und - besonders für Winterurlauber - mit moderner Beleuchtung ausgestattet.

Für Winterausflüge bietet auch die Umgebung reichlich Möglichkeiten. In der Nähe liegt der Westerhever Leuchtturm, der besichtigt werden kann. Auch ein Trip nach Husum zum Hafen und Fischessen ist die Reise wert. Wer es tierisch mag oder seine Kinder dabei hat, fährt nach Friedrichskoog in die Seehundaufzuchtstation und schaut sich dort das Treiben der Heuler und Robben an.

Thomas Voigt, DDP

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