Abenteuerreisen Auf Jules Vernes Spuren

Für Touristen mit dem nötigen Kleingeld können Kindheitsträume wahr werden: Reisen nach dem Vorbild von Jules Verne. Zum Beispiel zur "Titanic" oder zum deutschen Schlachtschiff "Bismarck" im Atlantik.

Am 24. März jährt sich Jules Vernes Todestag zum 100. Mal. In Frankreich, der Heimat des Romanciers, gedenken vor allem zwei Städte des großen Literaten: sein Geburtsort Nantes sowie Amiens in der Picardie, wo er 1905 starb.

Auch Abenteuertouristen erinnern sich in diesen Tagen besonders an den Mann, der mit seinen utopischen Romanen schon im 19. Jahrhundert Reisen beschrieb, die heute mit dem entsprechenden Kleingeld auf dem Konto zur Realität werden können. "In 80 Tagen um die Welt" zu fahren, ist kein Problem mehr, und Tiefseetaucher begeben sich auf den Spuren Kapitän Nemos in Richtung der "20.000 Meilen unter dem Meer". Nur die Reise "Von der Erde zum Mond" findet für Touristen weiter lediglich im Traum statt.

Schon zu Lebzeiten war Jule Verne ein erfolgreicher Autor, der mit seinen wissenschaftlichen Themen im Unterhaltungsroman den Nerv der Zeit traf. Mit seinen Ideen sei er zum Teil gar nicht weit entfernt gewesen von den damaligen Reisemöglichkeiten, sagt Volker Dehs, Romanist an der Universität Göttingen und Verne-Biograf. Mechanisch betriebene U-Boote etwa habe es bei Erscheinen von "20.000 Meilen unter dem Meer" 1870 in Amerika bereits gegeben. "Und es war absehbar, dass größere U-Boote eines Tages gebaut werden könnten."

Mit dem entsprechenden Kleingeld möglich

Bei seinem Buch "In 80 Tagen um die Welt" habe sich Verne durch die neuen Gegebenheiten nach Eröffnung des Suezkanals 1869 inspirieren lassen. Dass die Abenteuer des Londoner Lebemanns Phileas Fogg und seines Dieners Passepartout schon damals keine reinen Fantastereien waren, bewiesen wenige Jahre nach Erscheinen des Romans mehrere Globetrotter. "1889 traten zwei Amerikanerinnen von New York aus gegeneinander an, und beide unterboten die 80 Tage", erzählt Dehs. Nellie Bly sei in östlicher Richtung reisend nach 72 Tagen wieder am Ziel gewesen, Elizabeth Bisland zog gen Westen und brauchte 75 Tage.

Wer es heute den beiden Damen nachtun will, kann viel schneller die Globusumrundung schaffen. Im Guinness Buch der Rekorde 2005 ist eine Weltumrundung mit dem Motorrad in 31 Tagen und 20 Stunden verzeichnet. Die Reise des Briten Nick Sanders begann und endete im Jahr 1997 in Calais in Frankreich. Bei normalen Linienflügen steht der Rekord bei 44 Stunden und 6 Minuten, also nicht mal zwei Tagen. Aufgestellt wurde er bereits 1980 vom Briten David J. Springbett. Der Reporter Michael Quandt flog im Juli 2004 in 66,5 Stunden rund um die Welt und besuchte dabei alle Kontinente.

Solche Rekordjagden sind natürlich nichts für Urlauber, die ihre Reise genießen wollen. Und auch bei Einhaltung der ursprünglichen 80 Tage dürfte eine Tour auf Phileas Foggs Spuren über diverse Weltmeere sowie durch Indien, Ostasien und Amerika kein Zuckerschlecken sein. Wer es ruhiger mag, kann aber auch auf Tauchstation gehen, denn Tiefseeabenteuer à la Kapitän Nemo lassen sich längst pauschal buchen. Jedoch muss man dafür auch tief in die Tasche greifen.

Tiefseereise zur "Titanic" und "Bismarck"

Die tiefste Stelle im Meer ist natürlich nicht 20.000 Meilen von der Oberfläche entfernt. Laut "Guinness Buch der Rekorde" handelt es sich um einen Punkt im Marianengraben im Pazifik in 10,911 Kilometern Tiefe. Im Jahr 1960 tauchten zwei Forscher mit dem US-amerikanischen U-Boot "Trieste" dorthin. Ganz so weit dringen kommerzielle Expeditionen nicht in die Ozeane ein. Ziele sind aber zum Beispiel die Wracks der "Titanic" und der "Bismarck" im Atlantik oder Unterwasservulkane bei den Azoren, alles 2,4 bis 4,8 Kilometer unter dem Meer gelegen.

"Es gibt weltweit wenige Tauchboote, die diese Tiefen erreichen. Und nur die Russen setzen ihre auch für touristische Zwecke ein", sagt Jörg Wünning von der Agentur für Erlebnis-Reisen in Lüneburg, die die Fahrten in Deutschland vermarktet. "Die Touristen tragen zur Finanzierung der Forschung bei", erläutert Wünning den Hintergrund.

Zwölftägige Touren zur "Bismarck"-Fundstelle samt eines Tauchgangs sind zum Beispiel ab 27.500 US-Dollar (20.900 Euro) zu haben, ein neuntägiger "Titanic"-Trip für 36.650 Dollar (27.850 Euro) - zuzüglich der Transatlantikflüge. Bei solchen Preisen wundert es kaum, dass Wünning nur ein bis drei Reisen pro Jahr in Deutschland verkauft. "Das ist mehr etwas für den amerikanischen Markt", sagt er.

Trips in den Weltraum - stark in den USA gefragt

Ebenfalls in den USA stärker nachgefragt als hierzulande sind Trips in den Weltraum. Die Firma Space Adventures hat bereits zweimal Touristen ins All befördert, ein dritter soll im Oktober 2005 starten. Auch hier sind Russen die Partner. Unter 20 Millionen Dollar (15,2 Millionen Euro) ist jedoch nichts zu machen, wenn es in die Internationale Raumstation ISS gehen soll. Und das ist noch nicht einmal die halbe Strecke auf dem Weg "Von der Erde zum Mond", den Jules Verne 1865 beschrieben hat. "Der Roman war zuerst angelegt als Satire auf den amerikanischen Unternehmergeist", sagt Biograf Dehs. Er habe aber auch korrekte Berechnungen der Raumfahrt vorweggenommen, etwa den nötigen Breitengrad für den Raketenabschuss ins Weltall.

Trotz aller Fortschritte bei den so genannten Orbital- und Suborbitalflügen ist auch Space Adventures von einer touristischen Mondmission noch weit entfernt. Jules Vernes Visionen sind also auch für heutige Reisende mit schwerem Bankkonto nicht alle zur Realität geworden. Und selbst wenn sich die Mondreise eines Tages doch noch verwirklichen ließe, eines wird für Urlauber wohl nie klappen: die 1864 von Jule Verne beschriebene "Reise zum Mittelpunkt der Erde". Dort würde es selbst notorischen Kälteflüchtlingen deutlich zu heiß.

Von Christian Röwekamp, gms

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