Samstag, 7. Dezember 2019

Urlaub anders Luxus im Leuchtturm

Hausboot oder Hafenkran, Leuchtturm oder Rettungskreuzer - in den Niederlanden können Urlauber an ganz besonderen Plätzen übernachten. Wie zum Beispiel in der friesischen Hafenstadt Harlingen.

Harlingen - Genau 76 Stufen führen im Leuchtturm aufwärts. Oben öffnet sich ein kleines Paradies: ein Doppelbett, Fernseher, DVD-Player, Frühstücksecke, Funkgerät und ein grandioser Ausblick. Eng stehen mittelalterliche Giebelhäuser auf der einen Seite an den Grachten, nach Norden schweift der Blick über Hafen und Wattenmeer.

Hotelzimmer im Kran: Per Hebel nach der Sonne ausrichten
Seit fünf Jahren hat der Leuchtturm eine neue Bestimmung: Er ist ein Minihotel für eine Nacht. Aus aller Welt reisen die Gäste in die Hafenstadt Harlingen, in der die Fähren zu den Wattenmeerinseln Vlieland und Terschelling ablegen. "Die Allermeisten haben einen ganz besonderen Anlass, einmal in ihrem Leben ausgerechnet in einem Leuchtturm zu schlafen", sagt die Gästebetreuerin Hilda Uphoff.

Oft seien es Geschenke zum runden Geburtstag, die Silberhochzeit, oder einfach die Vorliebe für maritimes Ambiente. "Wir haben nie gezählt, wie viele Heiratsanträge auf dem Leuchtturm gemacht worden sind", sagt Uphoff. Ende der neunziger Jahre hatte der Journalist Goose Beerda das ausgediente Leuchtfeuer gekauft und sich damit einen romantischen Traum erfüllt. Faszinierend für die meisten Gäste ist vor allem die Rundsicht aus mehr als 20 Meter Höhe.

Im Hafen steht als zweites Minihotel ein ausgedienter Hafenkran, den Goose Beerda ebenfalls umbauen ließ. "Wonder boven Wonder" (Wunder über Wunder) verspricht die Leuchtschrift den Gästen an der Eingangsluke. Mit zwei Aufzügen geht es himmelwärts. "Nehmen Sie nur ganz kleines Gepäck mit", empfiehlt Uphoff. Denn der zweite Aufzug ist nur eine enge Metallröhre, in der drei Personen körpernah Platz finden und in Sekundenschnelle in 50 Meter Höhe befördert werden.

Dort wartet auf zehn Quadratmetern edles Industriedesign: eine Zweierdusche mit farbig wechselnden Lichtspielen, DVD-Player, Bar und eine vom Wind umtoste Dachterrasse. Den besonderen Clou erleben die Gäste im gläsernen Führerhaus des Krans, der vom Ende der sechziger Jahre bis 1996 beim Entladen von Holzfrachtern aus Russland und Skandinavien eingesetzt wurde: Mit leichtem Hebeldruck lässt sich der stählerne Riese in Bewegung setzen und um die eigene Achse drehen.

Seenotrettungskreuzer Lilla Marras: In der DVD-Sammlung der Spielfilm "Titanic"
Derweil schaukeln die Wellen die Gäste von Harlingens drittem Kleinsthotel sanft in den Schlaf: Vor dem Rathaus hat der britische Seenotrettungskreuzer "Lilla Marras" für immer festgemacht und bietet an Bord exklusiv ein Bett für Zwei und eine Teakholzbadewanne mit maritimem Flair. Bei 115 Einsätzen, so steht es im Bordbuch, rettete die Besatzung 45 Menschen aus Seenot. Passenderweise ist in der kleinen DVD-Sammlung auch der Spielfilm "Titanic" zu finden.

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