Schwimmende Ferienhäuser Wasserbett mit Meerblick

Es schaukelt, knarzt - und pfeift manchmal. Aber wer nicht beim kleinsten Wellengang sofort seekrank wird, der kann auf diesen schwimmenden Ferienhäusern die Abgeschiedenheit Südost-Rügens genießen.
Von Martin Scheele

Putbus/Lauterbach - Eigentlich ist in Deutschland alles geregelt. Wer zu schnell fährt, bekommt ein Strafgeld, Rasenmähen im Garten ist nur zu bestimmten Zeiten erlaubt und Neubaupläne müssen den Behörden im Detail vorgelegt werden.

Denkste! Eines hat die regelungswütige deutsche Gesellschaft vergessen - und diese Lücke ist dem Bauunternehmer Till Jaich zugute gekommen, als er auf Rügen, genauer gesagt in Lauterbach, einem kleinen Ort südlich der Insel gelegen, eine Urlaubsanlage geschaffen hat, die in Deutschland so kaum ein zweites Mal vorkommt. Neben einigen Ferienhäusern an Land hat Jaich nämlich auch derartige Bauten ins Wasser gebettet. So schwimmen zwölf komfortable Ferienhäuser an einem 150 Meter langen Betonsteg und können das ganze Jahr gemietet werden.

"Juristisch gesehen, gelten die Häuser als Boote, deswegen war der Genehmigungsweg der Behörden wesentlich kürzer als auf dem Land", erklärt Jaich den selbst geschaffenen Präzedenzfall. Fieberhaft würden Landesbehörden allerdings derzeit daran arbeiten, diese Lücke in den Gesetzestexten zu füllen, damit Nachahmer nicht in einer derart kurzen Zeit diese Häuser errichten können. Andererseits hat dieses Tourismuskonzept schon die Stadtverwaltungen von Kiel, Hamburg und Berlin auf den Plan gerufen: Sie prüfen, wo sich derartige Konzepte in ihrer Region verwirklichen lassen.

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Präzendenzfall geschaffen: Die schwimmenden Ferienhäuser waren ein Novum für die Landesbehörden

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Wo der Boden schwankt:
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Jaich hat die schwimmenden Ferienhäuser  an Land fertig gestellt und sie dann mit dem Bootskran ins Wasser gehievt. Festgezurrt an schwimmenden Betonstegen trotzen sie Wind und Wetter, Frost und Hochwasser. Bei steigendem Wasserstand bewegen sich die schwimmenden Ferienhäuser ebenfalls nach oben. Die maritime Atmosphäre der pastellfarbenen Holzhäuser wird architektonisch durch Bullaugen verdeutlicht. Eingerichtet sind die Häuser - entweder 49 oder 71 Quadratmeter groß - "Ikea"-like. Großzügige Glasfronten zum Meer hinaus, sorgen für viel Helligkeit in den Bauten.

Ein Hauch von Seychellen auf Rügen

Die Abgeschiedenheit - die Marina kommt ohne Protz und Prunk daher - suchen offenbar viele Gäste. "Wir können uns über Nachfragen nicht beklagen", sagt Jaich. Ein namhafter Filmregisseur nutzte einen Monat lang die Abgeschiedenheit - um in aller Ruhe ein Drehbuch fertig zu stellen.

In Sichtweite liegt die Insel Vilm, die durch die Urlaubshäuser der ehemaligen DDR-Bonzen, speziell von Erich Honecker, Bekanntheit erlangte. Einmal am Tag schippert eine Fähre mit maximal 30 Personen an Bord hinüber. Die Gruppe erhält so Gelegenheit, die Insel genauer zu inspizieren. Sofern der Winter nicht mit Minustemperaturen geizt, können Naturliebhaber dann auch über die zugefrorene Ostsee zur Insel laufen.

Zukünftig sollen die Stegbauten noch Nachwuchs erhalten. Jaich plant gleich neben dem Steg noch einen zweiten zu bauen, an dem reetdachgedeckte Stelzenhäuser Urlauber anlocken sollen. Eine Idee, die sich der Unternehmen von den Seychellen abgeschaut hat. Sofern die Behörden mitspielen - der Bebauungsplan soll im kommenden Frühjahr abgesegnet werden - können Interessierte voraussichtlich Anfang 2006 sich hier einmieten.

Ein anderes Projekt bleibt hingegen erst mal Zukunftsmusik: Die so genannte Honeymoon-Island, eine kleine künstliche Insel im Hafenbecken - ohne Stegfestigung. "Ob diese von den Behörden genehmigt wird", sagt Jaich "ist sehr fraglich". Allein die Frage, wie ein gesetzlich notwendiger Fluchtweg hier aussehen könnte, erscheint kaum lösbar.

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