Queen Elizabeth 2 Rendezvous mit der Königin der Meere

294 Meter lang und 70.327 Tonnen schwer. Die Queen Elizabeth 2 ist eine Legende, die seit 35 Jahren den Atlantik durchquert und ihre Passagiere in gediegenem Luxus schwelgen lässt. manager-magazin.de ging mit dem wohl bekanntesten Luxusliner auf Kreuzfahrt.
Von Sabine Koell

Southampton - Noch vor kurzem war die Queen Elizabeth 2 (QE2) der einzige Oceanliner, der regelmäßig den Nordatlantik zwischen Southampton und New York überquerte, bis sie am 25. April gemeinsam mit ihrer großen Schwester, der Queen Mary 2, zu ihrer letzten Nordamerikapassage aufbrach.

Nun wird die QE2, neben einer Weltreise pro Jahr nur noch zu Kreuzfahrten an die Küsten Nord- und Südeuropas, Südamerikas und der Karibik in See stechen. Zuvor besuchte sie jedoch die Bremerhavener Lloyd Werft, wo Routine-Wartungsarbeiten für 15 Millionen Euro an dem 294 Meter langen und 70.327 Tonnen schweren Luxusdampfer durchgeführt wurden.

Schon bei der Einschiffung zu unserer siebentägigen Kreuzfahrt von England über Irland nach Frankreich wird uns bewusst, dass sich einiges geändert hat in den vergangenen Jahren. Auch hier hat der 11. September 2001 seine Spuren hinterlassen. Sehr gründlich werden Reisedokumente und Gepäck kontrolliert, bevor der Passagier seine persönliche Schiffs-ID-Karte mit Foto erhält, die nun fortan bei jedem Verlassen und Betreten des Schiffes von Sicherheitsleuten kontrolliert wird.

Doch sobald ich die Königin der Meere betreten habe, befällt mich das wunderbare Wohlgefühl, rundherum versorgt zu sein. Nach freundlicher Begrüßung führt uns ein Crew-Mitglied zu unserer Kabine, für die wir 2700 Euro pro Person bezahlt haben. Binnen weniger Minuten erscheint Kabinensteward Lito, um sich vorzustellen.

Weitblick: Nichts als Wasser und Himmel am Horizont

Weitblick: Nichts als Wasser und Himmel am Horizont

Foto: Sabine Koell
QE2: Die Grande Dame befährt bereits seit 35 Jahren die Weltmeere

QE2: Die Grande Dame befährt bereits seit 35 Jahren die Weltmeere

Foto: Sabine Koell
Das Wahrzeichen der QE2: Der rote Schornstein ist schon von weitem sichtbar

Das Wahrzeichen der QE2: Der rote Schornstein ist schon von weitem sichtbar

Foto: Sabine Koell
In doppeltem Einsatz: Rettungsboote befördern die Landausflügler

In doppeltem Einsatz: Rettungsboote befördern die Landausflügler

Foto: Sabine Koell
Leinen los: Mit 32,5 Knoten pro Stunde noch immer das schnellste Kreuzfahrtschiff der Welt

Leinen los: Mit 32,5 Knoten pro Stunde noch immer das schnellste Kreuzfahrtschiff der Welt

Foto: Sabine Koell
Entspannung an Deck: Müßiggang statt Animation

Entspannung an Deck: Müßiggang statt Animation

Foto: Sabine Koell


Deckansichten:
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Lito, ein kleiner, freundlicher Filipino, ist seit zwölf Jahren an Bord und erzählt später, dass seine Arbeit hart sei, jeden Tag rund zehn Stunden, sieben Tage die Woche, sechs Monate lang. Anschließend hat er sechs Wochen frei und kann endlich seine Familie besuchen. Doch früher sei es schlimmer gewesen, da habe es nach neun Monaten an Bord gerade mal vier Wochen Urlaub gegeben.

Eine Klasse für die Reichen

Eine Klasse für die Reichen

Noch vor dem Kofferauspacken findet die Sicherheitsübung statt, an der jeder Passagier - im Gegensatz zur Flugzeugreise - aktiv teilzunehmen hat. Mit angelegter Rettungsweste muss sich jeder Reisende an dem ihm angewiesenen Sammelpunkt melden, um per Lautsprecher die Instruktionen des Kapitäns über das korrekte Verhalten im Unglücksfall zu empfangen. Eigentlich eine spaßige Sache, wenn knapp 1700 Passagiere unter Sirenengeheul in leuchtstoff-oranger Montur die Treppenhäuser und Lifte stürmen ...

Davon gibt es genug auf dem Ozeanriesen mit insgesamt zwölf Decks. Doch nur zwei Treppenhäuser und sechs Aufzüge (von insgesamt 24) führen zu allen Etagen. Denn als die QE2 vor 35 Jahren ihren Dienst antrat, war sie ein Zweiklassenschiff, und durch die labyrinthische Bauweise wurde versucht, die Passagiere standesgemäß voneinander zu trennen.

Auch heute gibt es noch Klassifizierungen, die sich in der Größe der Kabinen und der Zuteilung zu einem bestimmten Restaurant widerspiegeln. Für den kleinsten Geldbeutel gibt es eine Mauretania-Innenkabine mit Etagenbett auf den Decks 4 und 5. Für diejenigen, die sich höchsten Luxus gönnen, stehen die Luxus Grand Suiten auf dem Signal Deck ganz oben bereit. Deren Bewohner speisen im exklusiven Queens Grill, sofern sie nicht den Butlerservice in Anspruch nehmen.

Der Herr der Bord-Küchen

Für die übrigen Gäste der oberen Kategorien gibt es die Luxus-Restaurants Princess Grill und Britannia Grill, deren Zutritt - wie auch der nur für diese Gäste vorgesehenen Lounge - allen übrigen Passagieren untersagt ist. Für die stehen das Caronia-Restaurant, in dem die Passagiere während einer Sitzung speisen, und das Mauretania-Restaurant mit zwei Sitzungen beim Abendessen zur Verfügung.

Doch Unterschiede beim Essen gibt es nicht, wie Bernhard Stumpfel, Küchendirektor aller fünf Restaurants, berichtet. Der kleine, schlanke Mann mit hellwachem Blick und grau-gelocktem Haar ist der Herr über alle drei Küchen (eine für das Caronia-Restaurant und die drei Grill-Restaurants, eine für das Mauretania-Restaurant und eine für das Lido-Café), denen jeweils ein eigener Küchenchef vorsteht.

Stumpfel ist verantwortlich für die gesamte Organisation wie für den kompletten Einkauf, um die Versorgung der Gäste und Besatzungsmitglieder zu gewährleisten. Seine 18-jährige Erfahrung auf See hilft ihm, alle Waren so zu ordern, dass sie mindestens eine Woche ausreichen. Denn nur wenn die QE2 wirklich im Hafen liegt, kann sie beliefert werden. Auf Grund ihrer Größe und ihres Tiefgangs von zehn Metern muss sie vor den meisten Häfen ankern, und die Anlieferung per Boot wäre zu aufwändig.

Blecheweise Köstlichkeiten

34 Kilo Kaviar und fünf Tonnen Kartoffeln

Auch hier in der Küche ist alles überdimensional. Im Ofen brutzeln zur Weihnachtszeit gleich 24 Truthähne auf einmal. Die sechs Suppenkessel fassen mehrere 100 Liter. Und die Bäcker arbeiten 24 Stunden am Tag, um all die verschiedenen Brote und Brötchen immer frisch servieren zu können. In der Patisserie werden blecheweise die ganzen kleinen Köstlichkeiten in engelsgeduldiger Handarbeit verziert, so dass wir nach dem Zuschauen später ein schlechtes Gewissen beim Verzehr dieser Minikunstwerke bekommen.

Küchendirektor Bernhard Stumpfel: Seit 18 Jahren auf See

Küchendirektor Bernhard Stumpfel: Seit 18 Jahren auf See

Foto: Sabine Koell
Vergängliches Kunstwerk: Eisskulptur auf dem Gala-Buffet

Vergängliches Kunstwerk: Eisskulptur auf dem Gala-Buffet

Foto: Sabine Koell
Bernhard Stumpfel: Herr über 104 Köche

Bernhard Stumpfel: Herr über 104 Köche

Foto: Sabine Koell
Patisserie: Kleine Köstlichkeiten für die Teatime

Patisserie: Kleine Köstlichkeiten für die Teatime

Foto: Sabine Koell
Mitternachtsbuffet: Für alle, die zu vorgerückter Stunde wieder hungrig sind

Mitternachtsbuffet: Für alle, die zu vorgerückter Stunde wieder hungrig sind

Foto: Sabine Koell
Kulinarische Köstlichkeiten: Rund um die Uhr nur vom Feinsten

Kulinarische Köstlichkeiten: Rund um die Uhr nur vom Feinsten

Foto: Sabine Koell
Suppenkessel in XXL: Rund 2600 Personen wollen pro Tag verpflegt werden

Suppenkessel in XXL: Rund 2600 Personen wollen pro Tag verpflegt werden

Foto: Sabine Koell
Caronia-Restaurant Stilvolles Ambiente kombiniert mit perfektem Service

Caronia-Restaurant Stilvolles Ambiente kombiniert mit perfektem Service

Foto: Sabine Koell
Sandwiches als Meterware: Die Bäckerei arbeitet rund um die Uhr

Sandwiches als Meterware: Die Bäckerei arbeitet rund um die Uhr

Foto: Sabine Koell


Kulinarium:
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104 Köche und 63 Küchenhilfen sorgen von morgens früh bis nachts dafür, dass das Frühstück, das Mittagessen, das Abendessen und das Mitternachtsbuffet vorbereitet, zubereitet und auf individuellen Abruf ausgegeben werden. Unterdessen kümmert sich der quirlige Stumpfel hauptsächlich um bürokratische Dinge. Denn seine Hauptaufgabe besteht darin, das Budget mit harter Kalkulation im Griff zu halten.

"Hummer-Bisque mit frischem Estragon"

Während einer sechstägigen Kreuzfahrt verspeisen die Passagiere im Durchschnitt 34 Kilo Kaviar, 1820 Kilo Schweinfleisch, fünf Tonnen Kartoffeln sowie rund 43.000 Eier. Auch beim Trinken halten sie sich nicht vornehm zurück. So beträgt der durchschnittliche Verbrauch im gleichen Zeitraum rund 1000 Flaschen Champagner, 1900 Flaschen Wein, 12.000 Flaschen Bier sowie 900 Liter Spirituosen.

Darüber hinaus gestaltet der gebürtige Österreicher Stumpfel, der inzwischen mehrfach die ganze Welt bereist hat, die täglich wechselnden Menükarten. Da finden sich dann abends kulinarische Köstlichkeiten wie "Baltisches Störenmousse mit Malossol Kaviar", "Hummer-Bisque mit frischem Estragon", "Geröstetes Kalbsfilet Bouquetiere" und "Gebackene Samt-Schokoladentorte mit Erdbeersorbet" wieder. Und nun tritt er doch zutage, der kleine Unterschied. Die Auswahl ist für die Caronier-Gäste ein bisschen größer als für die Mauretanier.

Etwas mehr Sauce, bitte

Etwas mehr Sauce, bitte

Freiheit bei der Wahl ihres Tisches haben wir indes leider nicht. Gleich zu Beginn der Kreuzfahrt erfahren wir durch ein Kärtchen in der Kabine, an welchem Tisch wir uns von nun an täglich abends einzufinden haben. Dem Wunsch eines Paares, woanders platziert zu werden, kam der Restaurantmanager nur nach langer, intensiver Diskussion nach.

Aber es ist ja auch ganz schön, jeden Abend aufs Neue von demselben Kellner - oder Restaurantsteward wie er hier genannt wird - begrüßt zu werden und die Serviette über den Schoß gelegt zu bekommen. Silvia, eine große Österreicherin mit blondem Haar in dunkelgrauer Uniform wird von Istvan, einem jungen, höflichen Türken unterstützt.

Beide kümmern sich noch um weitere 16 Gäste und kennen dann am Ende auch schon meine besonderen Wünsche: Etwas mehr Sauce, das Fleisch medium und zum Hauptgang gern ein Brötchen.

Obwohl immer freundlich und immer lächelnd sehe ich Silvia an, dass dieser Job kein Spaziergang ist. Gern wäre sie heute an Land gegangen, hat es dann aber doch vorgezogen, den Nachmittag - wie fast immer - schlafenderweise zu verbringen.

Später Brunch im Lido-Café

Bis auf die Einteilung der Kabinen- und Restaurantkategorien gibt es ansonsten keine Klassifizierungen der Passagiere. So stehen alle Bordeinrichtungen wie Fitnesscenter, Swimmingpool, das Computerschulungszentrum, der Kindergarten, die mit über 6000 Büchern bestückte Bibliothek, das Kino, der Beauty-Salon, das Casino sowie die sechs verschiedenen Bars und natürlich das Lido-Café allen gleichermaßen jederzeit zur Verfügung.

Letzteres erfreut sich größter Beliebtheit, gibt es doch bis 10 Uhr und nicht wie in den Restaurants üblich bis 9 Uhr Frühstück. Das kommt besonders den Langschläfern zugute, denn nirgends, wirklich nirgends kann man besser, länger und so oft schlafen wie auf einer Seereise. Zwischenzeitlich hegt sich schon der Verdacht, ob vielleicht das Essen entsprechend präpariert würde ...

Außerdem lässt es sich im Lido stets leger gekleidet - wobei aber immer wieder deutlichst darauf hingewiesen wird, nicht in Badesachen zu erscheinen - bestens am großzügigen Buffet naschen. Es fehlt - speisentechnisch - an nichts, nur leider am Lächeln und ein bisschen Aufmerksamkeit der Stewards.

Der schönste Müßiggang

Der schönste Müßiggang

Liegt es einfach nur daran, dass sie vollkommen überfordert sind? Denn seitdem die meisten ihrer Kollegen auf die Queen Mary 2 abgewandert sind und nicht schnell genug ausreichend qualifiziertes Personal rekrutiert werden konnte, ist die persönliche Belastung eines jeden Crew-Mitglieds gestiegen.

Queens Room: Die Namensgeberin wacht über das Geschehen

Queens Room: Die Namensgeberin wacht über das Geschehen

Foto: Sabine Koell
Bordbibliothek: Über 6000 Bücher bieten anregende Lektüre während der Reise

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Foto: Sabine Koell
Royal Promenade: Verschiedene Geschäfte bieten alles - vom Abendkleid bis zur Zahnpasta

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Foto: Sabine Koell
Midships Lobby: Die Geschichte der QE2-Reederei Cunard im Rondeau

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Foto: Sabine Koell
Casino: Bei Roulette und Black Jack wechseln so einige Dollar den Besitzer

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Foto: Sabine Koell
Überall präsent: Die junge Queen Elizabeth II. - im Treppenhaus

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Foto: Sabine Koell
Computer-Lernzentrum: Nicht nur für Anfänger, modernste Hard- und Software für den Kontakt zur Außenwelt

Computer-Lernzentrum: Nicht nur für Anfänger, modernste Hard- und Software für den Kontakt zur Außenwelt

Foto: Sabine Koell
Helga Holzer: Die Hostess kümmert sich um alle Fragen und Probleme der deutschsprachigen Passagiere

Helga Holzer: Die Hostess kümmert sich um alle Fragen und Probleme der deutschsprachigen Passagiere

Foto: Sabine Koell
Erinnerung an frühere Zeiten: Schiffsglocke a. D.

Erinnerung an frühere Zeiten: Schiffsglocke a. D.

Foto: Sabine Koell


Bordleben:
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Animation wie sie von Clubschiffen oder den amerikanischen Mega-Fun-Ships bekannt ist, findet hier nicht statt. Dafür gibt es ein tägliches Bordprogramm mit diversen Aktivitäten wie Shuffleboard, Bingo, Tanzkurse, an denen man teilnehmen kann, aber auf keinen Fall muss. Denn am schönsten ist ja der Müßiggang, das Nichtstun, ganz besonders an Seetagen, wo kein Landgang geplant, keine Tour möglich ist.

Teatime an Deck

Was für ein Glück, dass das Fitness-Center bei den Wartungsarbeiten nicht fertig wurde, und der Boardroom, in dem jetzt übergangsweise Fahrräder und Laufbänder zur Verfügung stehen, ist einfach zu stickig für körperliche Ertüchtigung. Immerhin gibt es doch vereinzelte Eifrige, die den Joggingpfad an Deck nutzen oder ihren Golfabschlag trainieren.

Der größte Teil der ausnahmslos unaufgeregten und diskreten Passagiere verbringt den Tag jedoch an Deck, im Liegestuhl vor sich hindämmernd und die Weite des Meeres in sich hineinsaugend. Da liegen sie, die Doktoren, Künstler, Rechtsanwälte, Handwerker und Rentner, hier sind sie dann wirklich alle gleich.

Unterbrochen wird die Stille lediglich mittags um 12 Uhr, wenn sich Kapitän Ian McNaught von der Brücke meldet, um die Koordinaten, an denen sich das Schiff momentan befindet, durchzugeben, die Entfernung zum Meeresboden sowie zum nächsten Hafen, wie viel Seemeilen das Schiff in den vergangenen 24 Stunden zurücklegte und die Lufttemperatur.

Oder am Nachmittag, wenn die Stewards zur Teatime sich vor jedem Liegestuhl herunterbeugen, um dem darin Dösenden Sandwiches, Gebäck sowie Tee und Kaffee zu offerieren. Selbst der Gang in den Queens Room wird damit überflüssig.

Grande Dame mit Patina

Grande Dame mit Patina

Allerdings wäre es schade, sich dieses Zeremoniell entgehen zu lassen. Dort in dem ganz in royalem Blau und Gold ausgestatteten Raum an dessen Kopfseite, eine Büste der Namensgeberin, Queen Elizabeth II., über das Geschehen wacht, strömen ab 16 Uhr Stewards in weißen Livrees. Weiß behandschuht reichen sie den schon wartenden Passagiere Tabletts voller mundgerechter Sandwiches mit Käse, Fisch, Schinken oder Ei, gefolgt von ihren Kollegen, die kleine Törtchen, Kuchen und natürlich Scones - die typisch britischen Milchbrötchen - feilbieten. Tee, Kaffee und der Klavierspieler werden da zur Nebensache.

Doch all der Glanz und Glamour täuscht nicht darüber hinweg, dass sie in die Jahre gekommen ist, die Grande Dame der Ozeane, wenn auch mit der gleichen Eleganz und Würde wie ehedem. Aber wie sollten auch 795 Transatlantikpassagen mit mehr als fünf Millionen Seemeilen (eine Seemeile entspricht 1,852 Kilometern) spurlos an ihr vorübergegangen sein?

Und die Passagiere nehmen es ihr nicht übel, kennen doch die meisten den Oceanliner bereits seit vielen Jahren, die Wiedersehensfreude verklärt den Blick für abgestoßenes Holz, abgeblätterte Farbe an Geländern und tropfende Decken auf nahezu allen Gängen.

Klagen kommen lediglich von Passagieren, die bis dahin nur die zumeist neuen amerikanischen Riesenkreuzfahrtkähnen kennen gelernt haben und nun hier gediegenes Ambiente mit viel dunklem Holz, Gemälden der britischen Königsfamilie weit und breit, anstatt Halli-Galli rund um die Uhr vorfinden, erzählt Helga Holzer, die deutsche Hostess an Bord.

Broadway-Show in der Grand Lounge

Sie kümmert sich um die deutschen Passagiere, die hier nur in der Minderheit vertreten sind. Täglich übersetzt sie das ausführliche Bordprogramm, das abends unter die Kabinentür geschoben wird, sowie alle wichtigen Informationen, die während des Tages von der Brücke kommen. Darüber hinaus unterstützt sie das Team des Kreuzfahrtdirektors bei Zusammenstellung und Durchführung der Aktivitäten und der Darbietungen an Bord.

Derer gibt es rund 60 pro Tag, angefangen beim Fitness-Kurs, über Schachturnier, historische Schiffstour, Bloody-Mary-Clubtreffen, erneuerbares Hochzeitsversprechen, Handarbeits- und Tanzkurs, Bridgeturnier und unglaublich vieles mehr. Und am Abend geht es dann richtig los: klassisches Konzert im Theater, Broadway-Show in der Grand Lounge, karibische Band im Yacht Club, Karaoke in der North Cape Bar und Tanz im Queens Room - oder einfach nur die sternenklare Nacht an Deck.

Viel zu schnell endet ein Tag, geht die ganze Woche an Bord zur Neige. Ich habe es genossen, in allen Städten von den Menschen begeistert begrüßt und anschließend wieder verabschiedet worden zu sein, wenn Kapitän McNaught beim Auslaufen dreimal laut tutete - als Dankeschön und Auf Wiedersehen!

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