"Queen Mary 2" Die Nostalgie der "Titanic"

Die Concorde schaffte die Atlantiküberquerung in drei Stunden. Mit der "Queen Mary 2" wurde nun ein Kreuzfahrt-Titan getauft, der die gleiche Strecke in sechs Tagen zurücklegt. Das mag altmodisch sein. Aber die Fahrtzeit ist längst nicht der größte Luxus an Bord des Ozeanriesen.

London - Während ihrer Bauzeit hieß die "Queen Mary 2", das größte Passagierschiff der Welt, nur "die Queen". Jetzt lautet ihr Beiname "Bloody Mary".

Titan: So lang wie der Eiffelturm hoch

Titan: So lang wie der Eiffelturm hoch

Foto: IT-PR GmbH
Aufbau: Höher als die die Niagarafälle

Aufbau: Höher als die die Niagarafälle

Foto: IT-PR GmbH
Sonnenseite: Eine Atlantiküberquerung auf der "Queen Mary 2" gibt es ab 3100 Euro

Sonnenseite: Eine Atlantiküberquerung auf der "Queen Mary 2" gibt es ab 3100 Euro

Foto: IT-PR GmbH
Wellenbrecher: An Deck hört die Abwehr der Elemente nicht auf

Wellenbrecher: An Deck hört die Abwehr der Elemente nicht auf

Foto: IT-PR GmbH
Aussicht: 220-Quadratmeter-Kabinen in Bestlage kosten 41.000 Euro pro Überfahrt

Aussicht: 220-Quadratmeter-Kabinen in Bestlage kosten 41.000 Euro pro Überfahrt

Foto: IT-PR GmbH
Eskorte: Die "Queen Mary 2" bei einer Testfahrt

Eskorte: Die "Queen Mary 2" bei einer Testfahrt

Foto: IT-PR GmbH
Niveau: Im Britannia Hauptrestaurant wird auf drei Decks gespeist

Niveau: Im Britannia Hauptrestaurant wird auf drei Decks gespeist

Foto: IT-PR GmbH
Dezent: Auch kleine Zimmerkategorien sind fein

Dezent: Auch kleine Zimmerkategorien sind fein

Foto: IT-PR GmbH
Eintauchen: Der weltweit erste Canyon Ranch Spa Club an Bord eines Kreuzfahrtschiffes

Eintauchen: Der weltweit erste Canyon Ranch Spa Club an Bord eines Kreuzfahrtschiffes

Foto: IT-PR GmbH
Zerstreuung: Wer die Sterne nicht vom sturmumwitterten Deck aus sehen will, geht ins Planetarium

Zerstreuung: Wer die Sterne nicht vom sturmumwitterten Deck aus sehen will, geht ins Planetarium

Foto: IT-PR GmbH
Außenpool: Wassern, ohne über Bord zu gehen

Außenpool: Wassern, ohne über Bord zu gehen

Foto: IT-PR GmbH
Penthouse: Luxus, der sich dezent zurückhält

Penthouse: Luxus, der sich dezent zurückhält

Foto: IT-PR GmbH




Regentin der Meere:
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Diese Anspielung auf die als blutrünstig verrufene englische Königin Mary Tudor (1516-1558) deutet darauf hin, dass das Traumschiff seine Unschuld schon vor der Jungfernfahrt verloren hat. Auch seine Taufe an diesem Donnerstag wird von dem Unfall überschattet, bei dem vor zwei Monaten durch den Einsturz einer Landungsbrücke auf der französischen Werft 15 Besucher ums Leben kamen.

Die britische Königin Elizabeth II. (77) unterbricht für die Schiffstaufe in Southampton eigens ihren Weihnachtsurlaub. Der letzte Ozeandampfer dieses Formats, die "Queen Elizabeth 2", wurde vor 34 Jahren getauft.

Die "Queen Mary 2", kurz "QM2", ist kein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff, sie ist ein klassischer Atlantik-Liner. Eigentlich waren die schon Geschichte, aber manchmal kommt es eben anders: Nun steht das Überschallflugzeug Concorde, das in einer Rekordzeit von dreieinhalb Stunden nach Amerika flog, mangels Auslastung im Museum, und die "QM2", die sich für die Atlantiküberquerung sechs Tage Zeit lässt, ist schon auf viele Fahrten hinaus ausgebucht.

Ihre Motorenkraft kann eine Großstadt beleuchten

Ihre Motorenkraft kann eine Großstadt beleuchten

Andere Kreuzfahrtschiffe, die nur durch Tropengewässer tuckern, mögen mit dem Begriff "schwimmendes Hotel" treffend umschrieben sein. Doch das neue Flaggschiff der britischen Cunard-Reederei durchpflügt den Nordatlantik, wo sich die Wellen in einem Orkan zur Höhe eines zehnstöckigen Hauses auftürmen können. Damit es nie ein ähnliches Schicksal erleidet wie die 1912 auf der gleichen Route untergegangene "Titanic", ist es mit einem extradicken Stahlrumpf gepanzert und schiebt auf dem Vordeck einen eigenen Wellenbrecher vor sich her.

Untergehen soll sie selbstverständlich nicht, aber sonst steht die "QM2" in jeder Hinsicht in der Tradition ihrer legendären Vorläuferin. "Sie basiert auf der Titanic-Nostalgie", sagt Georges Azouze, Chef der französischen Kreuzfahrtreederei Costa Crosières. Wie die "Titanic" hat sie ihren Heimathafen in Southampton und wird Kurs auf New York nehmen. Die verschwenderische Innenausstattung knüpft ganz bewusst an die Jugendstil-Dampfer der Buddenbrook-Zeit an.

Nur ist alles noch viel größer: Die "QM2" wiegt drei Mal so viel wie die "Titanic". Damit ist sie das größte Passagierschiff, das je gebaut worden ist. Die mit kostbaren Teakhölzern verkleideten Gänge sind so lang, dass man das andere Ende kaum sehen kann. Ihre Maschinen sind so stark, dass sie eine Großstadt mit 300.000 Einwohnern mit Licht versorgen könnten. Mit 74 Metern ist sie höher als die Niagarafälle und mit 345 Metern so lang wie der Eiffelturm hoch ist. An Bord befinden sich unter anderem Ballsäle, Restaurants, ein Theater, eine Sternwarte und fünf Swimmingpools. Um maximal 2620 Passagiere kümmert sich eine Crew von 1254 Mitgliedern. Die Kosten betrugen etwa 650 Millionen Euro.

Ist sie nun die bessere "Titanic"? Kein Schiff ist unsinkbar, sagen Experten - und versichern gleichzeitig, dass die "QM2" nicht sinken wird. Auch die "Titanic" ging ja nur unter, weil ihr Kapitän trotz Eiswarnungen mit Höchstgeschwindigkeit durch die Nacht rauschte, der Ausguck aber noch nicht mal ein Fernglas hatte. Solcher Leichtsinn dürfte sich heute kaum wiederholen.

Leonardo di Caprio muss nicht mehr sterben - wie in dem "Titanic"- Film. Allerdings kommt er auch erst gar nicht mehr an Bord - eine dritte Klasse gibt es nicht mehr. Schon eine bescheidene Kabine ohne Ausblick kostet 3100 Euro.

Christoph Driessen, DPA

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.