Insel-Makler "Für eine Handvoll Perlen kauft heute keiner"

Farhad Vladi verkauft Träume, genauer gesagt: Inseln in aller Welt. Was diese Eilande kosten, wer zu seinem Kundenstamm gehört und welche Tricks er anwendet, um an neue Verkaufsobjekte zu kommen, erzählt der gebürtige Kanadier im mm.de-Interview.
Von Martin Scheele

mm.de: Herr Vladi, Sie sind von Berufs wegen damit beschäftigt, Inseln an den Mann und die Frau zu bringen. Haben Sie überhaupt noch Lust, Urlaub auf einem Eiland zu verbringen, oder verbringen Sie Ihre Freizeit in einer Millionenstadt?

Vladi: Doch, doch. Ich besitze für meinen Urlaub zwei Inseln, eine davon, die "Forsyth Island", liegt vor Neuseeland, ist sieben Millionen Quadratmeter groß - Helgoland passt da mehrfach rein. 20 Meilen Strand und Wasserfront, 40 Kilometer Wanderwege, 300 Meter hohe Berge. Herrlich! Zwei bis drei Wochen im Jahr bin ich dort.

mm.de: Sie gelten quasi als Monopolist im Metier der Inseln-Maklerei. Wie viele verwalten Sie denn und wie ist die Leidenschaft entstanden?

Vladi: Rund 12.000 Inseln befinden sich in meinem Archiv, verteilt auf 40 Länder, 300 von den Inseln sind ständig auf dem Markt, ich biete allerdings nur etwa 120 an. Die Diskrepanz ist leicht zu erklären: Ich kann schlichtweg nicht alle Aufträge bearbeiten, ich habe schließlich keine Schar von Vertretern, deshalb habe ich mich spezialisiert.

Ich habe die Welt in zehn Inselregionen eingeteilt. Jede Region hat für sich Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel politische, klimatische und sozio-kulturelle Strukturen. Nicht zu diesen Regionen zählen zum Beispiel Indonesien und die Philippinen. Da darf man sich als Ausländer nur zu 51 Prozent an einem Grundstück, also auch an einer Insel beteiligen.

Meine Kunden schütteln angesichts dieser Gesetze nur mit dem Kopf. Außerdem: Denken Sie an die dortige Überbevölkerung. Wollen Sie auf einer Insel leben, in deren Sichtweite auf einer anderen Insel die Einheimischen dicht gedrängt zusammen leben? In Ländern wie Russland, Thailand und Malaysia dürfen Ausländer gar keinen Grundbesitz erwerben. Es gibt also viele schwarze Löcher auf dem Globus.

Insel Tessera/Venedig (Italien): Größe: 8.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 4,5 Millionen US-Dollar.

Insel Tessera/Venedig (Italien): Größe: 8.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 4,5 Millionen US-Dollar.

Privatinsel nördlich von Stockholm (Schweden)

Privatinsel nördlich von Stockholm (Schweden)

Insel Flatholmen vor Norwegen, Größe: 5.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 215.000 Euro

Insel Flatholmen vor Norwegen, Größe: 5.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 215.000 Euro

Insel Íle Biniguet, französische Bretagne, Größe: 1,5 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen.

Insel Íle Biniguet, französische Bretagne, Größe: 1,5 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen.

Insel Tago Mago, Ibiza (Spanien), Größe: 6.000 Quadratmeter, Preis: nicht zu kaufen, demnächst zu mieten.

Insel Tago Mago, Ibiza (Spanien), Größe: 6.000 Quadratmeter, Preis: nicht zu kaufen, demnächst zu mieten.

Insel Motu Iriru, Französisch-Polynesien, Größe: 7.000 Quadratmeter, nicht zu kaufen

Insel Motu Iriru, Französisch-Polynesien, Größe: 7.000 Quadratmeter, nicht zu kaufen

Insel Pohuenui, Neuseeland, Größe: 24 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen, Miete: 300 Euro pro Tag.

Insel Pohuenui, Neuseeland, Größe: 24 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen, Miete: 300 Euro pro Tag.

Insel Forsyth, Neuseeland, Größe: 7 Millionen Quadratmeter, Preis für mietbare Lodge: 650 US-Dollar/Tag.

Insel Forsyth, Neuseeland, Größe: 7 Millionen Quadratmeter, Preis für mietbare Lodge: 650 US-Dollar/Tag.

Blick von der Insel Forsyth

Blick von der Insel Forsyth

Cousine Island, Seychellen, Größe: 300.000 Quadratmeter, Mietpreis: 1400 US-Dollar pro Tag

Cousine Island, Seychellen, Größe: 300.000 Quadratmeter, Mietpreis: 1400 US-Dollar pro Tag


Kauf,- oder mietbare Eilande sowie Privatinseln aus Europa, Australien und dem Indischem Ozean: Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

mm.de: Welche Gegenden sind denn bei Ihren Kunden beliebt? Die Antarktis zählt wohl nicht dazu, oder?

Vladi: Hinsichtlich sehr kalter Regionen habe ich gerade ein kurioses Geschäft getätigt. Vor Alaska wollte ein Hochwildjäger unbedingt auf seiner eigenen Insel auf die Pirsch gehen. Ich habe einen Reiseführer, der sich auf dem Eiland auskennt, angesprochen, der hat mir den Eigentümer der Insel genannt.

So ein Geschäft ist aber die Ausnahme. Für einen längeren Aufenthalt auf Französisch-Guayana, wo es 40 bis 60 Grad heiß wird und früher französische Gefangene gehalten wurden, habe ich noch keine Anfrage erhalten.

Die Japaner haben die Fidschis besetzt

mm.de: Wahrscheinlich zählt die Karibik und das europäische Mittelmeer zu den Favoriten der Kunden?

Vladi: Ja und nein. Eine der begehrtesten Regionen ist tatsächlich immer noch das europäische Mittelmeer, aber auch zugleich eine der schwierigsten - weil es kaum noch unbebaute Inseln gibt. Bereits bebaute Inseln stehen nur selten zum Verkauf, wenn dann nur zu einem hohen Preis. Günstig sind noch griechische Inseln, da ist die Baugenehmigung aber mit mühsamen Behördengängen verbunden. Beispiel: Die "Ile Porto Vecchio" vor Korsika, 30.000 Quadratmeter groß, kostet derzeit 230.000 Euro.

Ein Renner sind nach wie vor auch Inseln in der Region Kanada. Das Klima ist ausgewogen, Flüge von Europa sind relativ günstig, Inseln der Region liegen zumeist in Küstennähe, die politischen Verhältnisse sind stabil, die Eigentumsverhältnisse lassen sich problemlos klären.

Sagenhaft mutet die Karibik an. Allerdings sind nur wenige Inseln 100-prozentig privat, also uneingeschränktes Eigentum. Entsprechend groß ist die Nachfrage und damit die Preise. Die derzeit günstigste Insel, die "Carrion Crow Cay", ist rund 4000 Quadratmeter groß und kostet 75.000 US-Dollar.

Traumhaft sind natürlich auch die Küsten vor Queensland und Tasmanien. Der große Vorteil: Grundbesitz darf von Ausländern erst seit drei Jahren erworben werden. Darum sind die Preise für die Inseln zum Teil noch für uns auf dreißiger Jahre-Niveau. Ein Geheimtipp: "Garden Island" - 540.000 Quadratmeter, 1,4 Millionen Australische Dollar.

Insel Motu Fara, Französisch-Polynesien, Größe: 16.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,1 Millionen US-Dollar

Insel Motu Fara, Französisch-Polynesien, Größe: 16.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,1 Millionen US-Dollar

Bock Cay, Bahamas (Karibik), Archipel von sieben Inseln, Größe: 3,2 Millionen Quadratmeter, Kaufpreis: 13,2 Millionen US-Dollar

Bock Cay, Bahamas (Karibik), Archipel von sieben Inseln, Größe: 3,2 Millionen Quadratmeter, Kaufpreis: 13,2 Millionen US-Dollar

Green Cay, British Virgin Islands (Karibik), Größe: 64.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,7 Millionen Dollar

Green Cay, British Virgin Islands (Karibik), Größe: 64.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,7 Millionen Dollar

White Island, Grenada (Karibik), Größe: 40.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,4 Millionen US-Dollar

White Island, Grenada (Karibik), Größe: 40.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 1,4 Millionen US-Dollar

Boldt Castle, New Jersey, nicht zu kaufen.

Boldt Castle, New Jersey, nicht zu kaufen.

La Mouna Island, Novo Scotia (Kanada), Größe: 370.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 280.000 Kanadische Dollar

La Mouna Island, Novo Scotia (Kanada), Größe: 370.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 280.000 Kanadische Dollar

James Island, Britisch Kolumbien (Kanada), Größe: 3,1 Millionen Quadratmeter, Kaufpreis: 49 Millionen US-Dollar

James Island, Britisch Kolumbien (Kanada), Größe: 3,1 Millionen Quadratmeter, Kaufpreis: 49 Millionen US-Dollar

Insel MacDonald Island, Ostküste Kanada, Größe: 190.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 140.000 Kanadische Dollar

Insel MacDonald Island, Ostküste Kanada, Größe: 190.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 140.000 Kanadische Dollar

Echo Island, New Jersey (New York), Größe: 4.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 449.000 US-Dollar

Echo Island, New Jersey (New York), Größe: 4.000 Quadratmeter, Kaufpreis: 449.000 US-Dollar

Spiden Island, Washington State, Größe: 2 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen

Spiden Island, Washington State, Größe: 2 Millionen Quadratmeter, nicht zu kaufen


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Schwieriger wird es schon im Pazifischen Ozean. Abgesehen von Hawaii, den Fidschis und Französisch-Polynesien dürfen Ausländer keine Inseln erwerben. Auf die wenigen erwerbbaren Inseln haben sich Japaner gestürzt.

mm.de: Wie muss man sich die Anfänge Ihres Geschäfts vorstellen? Sie müssen ja praktisch nur herumgereist sein...

Vladi: Es ist immer noch so, dass ich im Jahr 500.000 Kilometer mit dem Flugzeug unterwegs bin. Mittlerweile bin ich 30 Jahre im Metier. Die ersten zehn Jahre habe ich praktisch nur Inseln gesucht. So einfach es sich anhört, ist es auch: Wo eine Insel ist, liegt die nächste meistens nicht weit entfernt - denken Sie an die Bahamas oder an die schwedischen Schären.

Ich mache vom Flugzeug aus Luftbildaufnahmen, dann spreche ich die Einheimischen an, um herauszufinden, wer der Besitzer ist. Leider will nicht jeder verkaufen. Dazu müssen Sie sich vorstellen: Rund 80 Prozent aller Inseln sind im Staatsbesitz, und die Regime sind den Nachfolgegenerationen verpflichtet. Hinzu kommt: Menschen vermachen aus den verschiedensten Gründen ihren vom Wasser umgebenen Grundbesitz dem Staat. Deshalb geht der private Anteil leicht zurück. In Deutschland ist das Geschäft für mich besonders schwierig, hat der Staat doch ein Vorkaufsrecht - und das wird gern wahrgenommen. Das Bundesland Schleswig-Holstein hat praktisch alle Ostsee-Inseln aufgekauft, jede kleinste Hallig - dem Naturschutz zuliebe.

Deutscher Kaffekönig war der erste Kunde

mm.de: In Deutschland ist es nahezu unmöglich, Inseln zu erwerben?

Vladi: Nicht ganz, es macht aber praktisch keinen Sinn. Inseln vor Mecklenburg-Vorpommern, also vor der ehemaligen DDR, sind an sich zu kaufen. Nur: Diese unbebauten Gefilde darf man nicht bebauen, aus Umweltschutzgründen. Andere Inseln, bebauter Art, sind schwierig zu bekommen. Die Blumeninsel Mainau hätte ich gerne, aber die dortige residierende Fürstenfamilie will partout nicht verkaufen. Meine schriftliche Anfrage wurde aufs Höflichste negativ beschieden. Ich lasse aber nicht locker, schicke Ihnen in gewissen Zeitabständen Prospekte, wie man seine Insel und seine Häuser schöner machen kann. Letztens habe ich Ihnen Prospekte über Solaranlagen geschickt. So bleibt man im Kontakt.

mm.de: Wie ist in den Anfängen das Geschäft im Weiteren entstanden?

Vladi: Meine erste Insel habe ich an reiche Hamburger vermittelt. 1971, als ich mich nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und dem Trainee-Programm bei der Deutschen Bank, selbstständig machte, ging die "Cousine Island", nahe den Seychellen für 150.000 Euro an Kaffeekönig Albert Darboven, Immobilien-Kaufmann Robert Vogel und Bankier Enno von Marcard. Das vermögende Trio hat sie 20 Jahre behalten. Im Laufe der Zeit habe ich mir durch Mundpropaganda einen guten Namen gemacht. Ich habe mittlerweile eine kleine aber feine Stammkundschaft.

mm.de: Wie laufen die Gespräche mit den Kaufinteressierten ab? Haben die modernen Robinson Crusoes ganz genaue Vorstellungen?

Vladi: Das Erste, was die Besucher zu mir sagen, ist: Dort darf es nicht regnen, sondern soll immer nur die Sonne scheinen. Dann antworte ich: Die Insel hat also keine Vegetation? Die Kunden machen dann ein langes Gesicht und merken ganz schnell, dass man Kompromisse machen muss. Inselverkäufe gehen sonst wie ein normales Grundstücksgeschäft über die Bühne. Die Zeit, in der irgendwann mal sechs Kühe und eine Handvoll Perlen gegen eine Insel getauscht wurden, ist längst vorbei.

Insel Forsyth - Blick ins Schlafzimmer der Lodge

Insel Forsyth - Blick ins Schlafzimmer der Lodge

Insel Forsyth - Blick in den Wohnraum der Lodge

Insel Forsyth - Blick in den Wohnraum der Lodge

Insel Forsyth - Blick in den Wohnraum der Lodge

Insel Forsyth - Blick in den Wohnraum der Lodge

Insel Forsyth - Blick in die Galerie der Lodge

Insel Forsyth - Blick in die Galerie der Lodge


Inneneinrichtung eines mietbaren Hauses auf Forsyth Island: Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

mm.de: Besuchen Sie Ihre Kunden ab und zu mal? Was erleben Sie dann?

Vladi: Durchaus besuche ich meine Stammkunden. Verwunderlich ist allerdings, dass ich während meiner Besuche immer nur Mineralwasser aus Flaschen ausgeschenkt bekomme. Dabei wiederhole ich doch immer gebetsmühlenartig: Die Qualität des Leitungswassers ist besser als aus der Flasche. Trotzdem kaufen die Kunden auf dem Festland ihr geliebtes Mineralwasser.

mm.de: Wie ist das mit dem Rückgaberecht? Es gibt doch sicherlich Kunden, die es nicht lange auf einer mehr oder weniger einsamen Insel ausgehalten haben?

Vladi: Nein, ein Rückgaberecht gibt es nicht. Wenn Sie ein Haus kaufen, können Sie das ja auch nicht einfach zurückgeben. Es sei denn, es treten Mängel auf - aber das kam bei uns in 30 Jahren noch nicht vor.

mm.de: Wie wird der Preis denn überhaupt ermittelt?

Vladi: Ich vergleiche die Insel-Maklerei mit dem Gemäldehandel. Die Menge an Farbe, die ein Maler aufwendet, macht eben nicht den Wert des Bildes aus. Die Bewertung einer Insel ist allerdings heikel, es widersprechen sich durchaus die Gutachter. Natürlich tragen Faktoren wie Vegetation, Topographie, Lage und Klima zum Preis bei. Oder so einfache Dinge, ob ein Bootsanleger vorhanden ist - fast alle Inseln, die ich vermittle, liegen nicht mehr als zwei Kilometer vom Festland entfernt. Letztens Endes haben Inseln auch einen emotionalen Wert. Wichtigster Anhaltspunkt für den zu ermittelnden Verkaufspreis ist der Grundstückspreis auf dem gegenüberliegenden Festland.

mm.de: Wie hoch ist denn die Provision, die Sie einnehmen?

Vladi: Sie liegt in etwa zwischen sechs und acht Prozent.

Nur 1500 Dollar, aber nur ein Hühnerschuppen

mm.de: Ihr Kundenstamm soll ja geheimnisumwittert sein. Verraten Sie uns, wer dazu gehört?

Vladi: Meine Kunden sind zumeist Freiberufler, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater. Außer einem stark erkennbaren Individualismus und einer auffallend überdurchschnittlichen Intelligenz lassen sich ansonsten kaum Gemeinsamkeiten feststellen. Sie werden fragen: "Warum überdurchschnittlich intelligent?" Ganz einfach, die modernen Robinson Crusoes müssen ja schließlich improvisieren, wenn zum Beispiel der Strom ausfällt. Generell kann man sagen: Die Käufer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt und Personen, die auch eine Finca auf Mallorca oder den Kanarischen Inseln besitzen.

Ein Großteil der Kundschaft setzt sich aus Engländern und US-Amerikanern zusammen. Das erkläre ich mir damit, dass England ja Kolonialmacht war und die US-Amerikaner durch das Outdoor-Living stark geprägt sind. Denken Sie nur daran, dass viele US-Amerikaner in ihrer Jugendzeit und auch später auf Zelttour gehen - Stichwort: Pfadfinder.

mm.de: Wie erklären Sie sich überhaupt, dass Ihr Geschäft so gut läuft?

Vladi: Die Menschen aus den Industrienationen wollen immer mehr dem Stress und der Umweltverschmutzung entfliehen. Hinzu kommt: Im Wechsel liegt das Salz der Suppe. Die Leute suchen einfach schneller neue Herausforderungen. Dabei verändern sich auch die Umzugsgewohnheiten. Bis etwa 1960 haben Inselbewohner, auch durchaus aus Industrienationen, beim Umzug auf's Festland ihr Haus einfach mitgenommen, mit Kind und Kegel sozusagen. Da war der Recycling-Gedanke noch richtig ausgeprägt, heute wird alles verschrottet.

mm.de: Noch mal zurück zu den prominenten Käufern. Wer lebt denn zeitweise auf einer Insel?

Vladi: Zuletzt hat der Rapper Marc Anthony ein Eiland erstanden. Einige Jahre sind vergangen, dass Tony Curtis, Diana Ross, Richard Branson, Nichols Cage zugegriffen haben. Und auch Marlon Brando, das ist aber wirklich lange her. Als der die "Meuterei auf der Bounty" gedreht hat, kam er auf den Geschmack. Nicholas Cage bevorzugte ein Eiland vor Venedig. Vermietet habe ich zuletzt an Paul McCartney, der ein Honeymoon-Objekt für seine Hochzeitsreise suchte. Mit der Kelly-Familie bin ich über Schottland geflogen, damit sie sich die Angebote aus der Luft angucken konnten. Der durch das Internetunternehmen "One World" reich gewordene Craig McCaw hat auch bei mir gekauft.

mm.de: Und Deutsche?

Vladi: Außer den genannten, kann ich Ihnen keine weiteren Namen nennen. Nur so viel: Da gab es eine "Unternehmerin des Jahres", die Stahlbänder herstellte. Anfangs meinte sie nur: "Ich habe nur sieben Tage Urlaub im Jahr." Jetzt ist sie mehrere Wochen auf ihrer Insel. Oder das Beispiel der verheirateten Managerin, die sich ein zeitweises Inselleben deshalb nicht vorstellen konnte, weil man nicht shoppen gehen kann. Nun verbringt das Paar mehrere Wochen im Jahr auf dem Eiland.

Oder der Elblotse, der häufig an einer Insel vorbeigefahren ist, und meinte: "Die will ich irgendwann mal haben." Er hat gespart und gespart, schließlich zugegriffen.

mm.de: In welcher Bandbreite bewegen sich denn die Preise und Inselgrößen?

Vladi: Das derzeit hochpreisigste Objekt, das ich im Angebot habe, kostet 45 Millionen Dollar. "James Island" hat einen eigenen Golfplatz, mehrere Seen, einen Flugplatz, liegt vor Vancouver und ist rund drei Millionen Quadratmeter groß. In solchen Preisregionen verkaufe ich allerdings kaum. Bislang war ein Zwölf-Millionen-Dollar-Objekt in der Karibik das teuerste, was ich vermittelt habe. Das günstigste, das ich jemals verkaufte habe, ist 500 Quadratmeter groß und kostete 1500 Kanadische Dollar. Darauf ist allerdings nur ein Hühnerschuppen. Derzeit ist mein günstigstes Angebot "Horse Lake Islands" (Kanada), 8000 Quadratmeter groß und kostet 25.600 Euro. Die meisten Inseln verkaufe ich in der Größenordnung von 200.000 bis 700.000 Quadratmeter.

mm.de: Sie sagten uns anfangs, dass Sie immer wieder gerne Ihre eigene Insel besuchen. Was machen Sie denn da als Erstes?

Vladi: Ich besuche zuerst meine Tiere - meine Mohairziegen und meine zwei Lamas. Eine der beiden heißt "Isabella", ihre Wolle ist allein 400 Dollar wert. Anschließend mache ich mit den Lamas erstmal einen Spaziergang. Genauer gesagt, mit einem. Mit beiden zusammen geht das nicht, die beschäftigten sich dann die ganze Zeit mit sich selber und man kommt nicht voran.

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