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Stefanie Kemp Mit Oracles Deutschland-Chefin auf dem Golfplatz

Die Managerin ist verrückt nach Golf – und keine gute Verliererin. Ihr Vorbild ist Tiger Woods, und ihre Schläger würde sie nie verleihen.
Von Thomas Mersch und Stefan Merx
aus manager magazin 6/2022
Feeling Green: Oracle-Managerin Stefanie Kemp

Feeling Green: Oracle-Managerin Stefanie Kemp

Als Deutschland-Chefin des US-Software- und Cloudanbieters Oracle führt Stefanie Kemp (58) rund 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit 133.000 Mitarbeitern weltweit setzt der Konzern im Jahr 40 Milliarden Dollar um. Hier spricht sie über ihren Lieblingssport.

manager magazin: Frau Kemp, warum Golf?

Stefanie Kemp: Es gibt nur wenige Sportarten, bei denen man vier Stunden an der frischen Luft sein kann und dabei auch noch Spaß hat. Mich fasziniert an Golf auch nach über 30 Jahren noch: Der perfekte Schlag benötigt mindestens 50 körperliche Bewegungsabläufe und noch viel wichtiger, einen freien Kopf. Golf ist gut zum Abschalten und Stress abbauen. Nimmt man ein negatives Erlebnis mit auf den Platz, funktioniert es nicht!

Wie kamen Sie dazu?

1992 war ich mit meinem Freund am Lake Tahoe (USA). Er war bereits begeisterter Golfer und kam eines Morgens mit diesen damals sehr modernen karierten Golfhosen zum Frühstück und meinte nur: Heute spielen "wir" Golf. Ich dachte mir, warum nicht, probierst du diesen langweiligen Sport mal aus. In dieser ersten 18-Loch-Runde meines Lebens habe ich bestimmt statt der 72 vorgegebenen Schläge eher 500 Schläge gebraucht. Der Platz war danach umgegraben und ich angefixt.

Wann und wo golfen Sie am liebsten?

Wann immer ich kann, nutze ich jede Gelegenheit, die sich mir bietet. Mitglied bin ich im Düsseldorfer Golf-Club. Auch meine Urlaube werden nach Golfplätzen geplant. Das Besteck ist immer dabei. Ein schöner Nebeneffekt des Golfspielens, so lernt man die schönsten Plätze am jeweiligen Ort kennen. Mein Ziel ist es, die Top-100-Golfplätze dieser Erde zu spielen. Einen Golfplatz, den ich wohl nie spielen werde, ist der PGA Championship Course Augusta in Georgia (USA), der nur auf Einladung funktioniert.

Welche andere Sportart würden Sie gern beherrschen?

Klettern würde ich gern beherrschen. Das ist wie Golf ein Sport, bei dem man nur gegen sich selbst kämpft.

Für welchen Sport haben Sie als Jugendliche gebrannt?

Ich habe 16 Jahre Squash gespielt, und das fast täglich und intensiv.

Durften Sie sich als Kind Ihre Sportart aussuchen?

Ja, mir wurde alles erlaubt. Angefangen habe ich mit Fußball, gefolgt von Eishockey. Beides mit viel Schrammen. Das hat zu Hause Diskussionen ausgelöst.

Wenn Sie heute noch mal Teenager wären: Welche Sportart wäre es dann?

Ich würde mir wünschen, viel früher mit dem Golfsport gestartet zu sein.

Das größte Vorurteil über Golf?

Da gibt es die Sprüche über den Vergleich deines Handicaps mit den Stunden, die man bei der Arbeit verbringt. Die Golfer unter uns kennen das.

Und: Was ist da dran?

Ob das stimmt, sollten Sie meinen Chef fragen.

Haben Sie ein Sportritual? (zum Beispiel zur Vorbereitung?)

Ich sage zu meinen Schlägern "meine Babys" – und halte sie sauber!

Lassen Sie sich trainieren, oder sind Sie Autodidaktin?

Viele Jahre war ich Autodidaktin, aber der Beruf eines Golf Pros hat schon durchaus seine Berechtigung. Mein Pro ist Argentinier und übt seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Wenn ich kann, bin ich mindestens einmal die Woche bei ihm zum Trainieren.

Sport lieber im Team oder allein?

Immer lieber im Team!

Kämpferin oder Künstlerin?

Teils teils, das kommt auf die Lage des Balls im Spiel an. Liegt der Ball im Rough und kann nur durch einen Kunstschlag herausgespielt werden, weckt es die Kämpferin in mir.

Ihre größte Stärke beim Golf?

Nie aufgeben – spiele jedes Loch so, als wenn es das erste ist!

Ihr größter Erfolg?

Wenn man in der Beziehung oder Ehe Golf spielt, gibt es immer wieder den Wetteifer. Dieser wird gesteigert, wenn es auch noch ein offizielles ausgetragenes Turnier ist und der Partner ein sehr gutes Handicap hat. Aber es gab diesen einen Moment bei einem Business-Golfturnier, bei dem direkt nach Ende des Spieles die Scorekarten verglichen wurden. Ich wusste, ich hatte herausragend gespielt und habe daraus keine große Sache gemacht. Mein Partner war bei der Preisverleihung siegessicher, den ersten Bruttopreis entgegenzunehmen und hatte schon den Körper in Richtung Podest gestreckt, da wurde mein Name aufgerufen – und ich hatte mit 28 Bruttopunkten den ersten Platz belegt. Das ist ein unglaubliches Gefühl, es einmal bewiesen zu haben. Trotzdem wurde ich herzlichst beglückwünscht.

Ihr nächstes Ziel?

Single Handicap!

Ihre größte Schwäche?

Ich will es immer perfekt!

Eine Erinnerung im Sport, die Sie gern für immer vergessen würden?

Bei einem Global Group Treffen in Schottland gab es eine Gruppe, die sich nachmittags zum Golf verabredet hatte. Auch das Familienoberhaupt war dabei. An einem Loch hatte ich einen guten Abschlag und war mit dem zweiten Schlag auf dem Grün und mit einem Putt im Loch. Ich habe lauthals vor Freude gejubelt, vermeintlich ein Birdie gespielt zu haben. Nur leider habe ich das falsche Grün angespielt. Das war sehr peinlich.

Sind Sie eine gute Verliererin?

Nein, ich will immer besser sein.

Haben Sie selbst das Zeug zur Trainerin?

Meine Freundin sagt immer, ich hätte eine Engelsgeduld und wäre die beste Trainerin der Welt.

Was gefällt Ihnen am Golfen, das Sie gern auch auf Ihren Job übertragen würden?

Niemals aufgeben und bei Misserfolgen umdrehen, schütteln und wieder angreifen. Auch das Review, wie ich das letzte Loch gespielt habe und wie ich es hätte besser machen können, ist gut übertragbar. Außerdem: Immer die Ruhe bewahren. Nervosität ist gut und belebt, kann aber auch hinderlich sein.

Mens sana in corpore sano: Können Sie damit etwas anfangen?

Oh ja und ob. Ich habe bereits mit Mitte 30 erfahren, wie wichtig es ist, auf die Gesundheit zu achten. Ich bin ein großer Mayr-Kur-Fan. Detox zu betreiben, gibt Energie, und vor allem fördert es die mentale Stärke im stressigen Alltag.

Vor welcher sportlichen Leistung haben Sie den größten Respekt?

Sportliche Leistungen, die mit der absoluten Körperbeherrschung zu tun haben, bewundere ich immer sehr. Ob das Bodenturnen, Geräteturnen aber auch Akrobatik ist.

Gibt es einen Sportprofi, mit dem Sie gern tauschen würden?

Ja, ich habe eine Menge Golfvorbilder, dazu gehören Tiger Woods und Rory McIlroy.

Ein Sportereignis, bei dem Sie gern mal in der ersten Reihe sitzen würden?

Ein Masters Turnier in Augusta – das wäre ein Traum.

Sind Sie auch Fan?

Ja, bin ich!

Wir schenken Ihnen 10.000 Euro – welche Ausrüstung kaufen Sie?

Japanische handgeschmiedete Eisen – individuell angepasst.

Wem leihen Sie Ihr Equipment?

Niemandem! Meine Babys nur für mich!

Ihr Power-Geheimnis?

Spaß an dem, was ich tue, und mich mit Menschen zu umgeben, die ähnlichen Leidenschaften nachgehen.

Ihr bestes Beispiel für Fair Play?

Zuzugeben, dass ein Mitspieler besser ist, unbeobachtet verlorene Bälle anzugeben und einen Regelverstoß zu melden.

Was lehrt Golfen fürs Leben?

Es gibt keine Konstante im Leben, es ist ein Auf und Ab – jeder einzelne Schritt auf dem Weg zum großen Ganzen zählt.

Ihr Motto?

Someone is sitting in the shade today because someone planted a tree a long time ago (Warren Buffett).

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