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Stilblüten: Kurzhosig geht auch elegant

Foto: Emporio Armani

Die Königsklasse des Stilkönnens Wie man kurze Hosen in Würde trägt

Manche Trends kommen immer wieder. Jeroen van Rooijen erklärt, warum.
Von Jeroen van Rooijeb
Jeroen van Rooijen

Jeroen van Rooijen schreibt seit 25 Jahren über Mode - meistens für die "Neue Zürcher Zeitung". Mit Shorts tut er sich seit Kindestagen schwer, weil er ein "Sitzriese" ist, das heißt: langer Oberkörper, kurze Beine. Da sind kurze Hosen immer eine mittlere Enttäuschung.

Der britische Tennisspieler Henry "Bunny" Austin war es, der einen neuen Standard setzte, als er 1932 erstmals in Shorts zum Wimbledon-Finale aufschlug.

Bis dahin wurde in langen Hosen gespielt, Shorts galten als proletarisch und dem Sport der Upper Class nicht würdig. Beim eher elitären Golfsport sind bis heute lange Hosen im Turnier üblich, nur beim Training darf kurz getragen werden.

Shorts haben, abgesehen von den engen Kniebundhosen (Culottes) der französischen Aristokraten vor der Revolution, einen englischen Stammbaum. Die Wurzeln gehen zurück bis zum Ersten Weltkrieg. Damals schnitten die auf den Bermudas stationierten britischen Soldaten wegen der tropischen Hitze einfach ihre Hosen ab. Fortan trug das Kleidungsstück den Inselnamen.

Im zivilen Leben waren kurze Hosen bis in die 50er Jahre nur etwas für Knaben - als Teil der Schuluniform. Erst mit der Geschlechtsreife bekam ein Junge das erste lange Beinkleid. Wer dann trotzdem noch Shorts tragen wollte, musste sich bei den Pfadfindern einreihen. Deren Gründer, Robert Baden-Powell, hatte fürs Königreich während der Kolonialzeit in Indien und Südafrika gedient und blieb den kurzen Hosen auch während seiner seiner zweiten Karriere treu - als oberster "Boy Scout".

Seit Jahren strebt die Männermode nach mehr Lässigkeit. Der Trend zum Casual hat Turnschuhe, Sportkleidung und kurze Hosen zur Freizeitgarderobe für jedermann gemacht. Shorts gelten für viele Herren als das Nonplusultra des Wohlfühlens.

Manuel Andrack, der ehemalige Sidekick von Harald Schmidt in der nach ihm benannten TV-Show, schwärmte mal: "Sie vermitteln eine Aura der Leichtigkeit, ein Über-den-Dingen-Schweben, einen Hauch von Abenteuer." Andrack schämte sich selbst für die schlimmste Spielart der Shorts nicht, die Wanderhose mit abtrennbaren Beinteilen.

Mit dieser Modesünde haben die eleganten Shorts von heute nichts mehr gemein.Sie dürfen in Großstädten getragen werden und sogar auf den Laufstegen. Hugo Boss, Michael Kors und selbst italienische Traditionsschneider wie Pal Zileri oder Canali propagieren Shorts für diesen Sommer. Stilbewusste Männer tragen die modernen, knapp geschnittenen Hosen mit Bügelfalte - gerne auch als Anzugvariante mit Krawatte. Dazu kombinieren sie expressive Socken und Schnürschuhe.

Doch Vorsicht: Solche zeitgeistigen Bermudas sind die Königsklasse des Stilkönnens. Sie sind beinnah geschnitten, die ideale Länge endet nicht zu knapp über dem Knie. Auch oben herum verlangen diese kurzen Hosen nach Sorgfalt: Ein Hemd ist besser als ein T-Shirt, ein Jackett besser als ein Pullover.

Ach ja, und schöne, gerade Beine sind natürlich ebenfalls Pflicht. Das heißt: Die Waden sollten nicht zu dünn und nicht grotesk muskulös sein, die Knie keine Schwabbelspuren aufweisen. Und für die Behaarung gilt: nicht winterwollig, aber auch nicht rasiert. Optische Unzulänglichkeiten lassen sich mit Leggings unter den Shorts kaschieren. Dieser Look, erfunden von Fahrradkurieren, macht gerade in Tokio und New York die Runde und wurde in Armanis Sommerkollektion propagiert.

Mal sehen, ob sie sich durchsetzen, so wie damals bei Tennisprofi Austin.

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