Samstag, 18. Januar 2020

Stars im Modebusiness - Teil 2 Wie McCartney, Beyoncé und Beckham Mode machen

Die Stars machen in Mode - Teil 2: Wie Stella McCartney und Victoria Beckham Mode machen
Dimitrios Kambouris / Getty Images

Hinweis: D ies ist der zweite Teil der aus drei Teilen bestehenden Serie über Stars in der Modebranche. Den ersten Teil lesen Sie hier.

Stella McCartney hat den "Fenty-Effekt" à la Rihanna nicht nötig. McCartneys Modelabel hat eigene Strahlkraft. Sie ist und war zwar nie im Entertainment-Business und hat ihren Startstatus als Tochter von Ex-Beatle Paul McCartney eher ererbt. Aber ihr Einfluss als studierte Modedesignerin geht weit über das reine Schneidern von Kollektionen hinaus. Ihres ist das zweite Modehaus, das Arnault 2019 anteilig in sein Portfolio aufnahm.

Stella McCartney hatte sich vom verbissenen LVMH-Rivalen und Konkurrenz-Konglomerat Kering (Marken wie Gucci, Bottega Veneta, Balenciaga, Brioni, Saint Laurent, ebenfalls börsennotiert) nach 17 Jahren Zusammenarbeit (jeweils ein 50-Prozent-Anteil) getrennt und ihr Unternehmen im März 2018 komplett zurückgekauft. In ihrem Engagement und Selbst-Verpflichtung der bekennenden Veganerin zu Nachhaltigkeit und ethisch einwandfreier Mode ist sie Vorreiterin und Visionärin, treibt Forschung und ökologischen Fortschritt in der Mode voran.

Klar, dass Arnault nicht gewaltfrei Geschneidertes als einziges Geschäftsmodell sieht und deshalb beteiligt sein möchte. Vielmehr hat die 48-Jährige (geschätztes Vermögen: 75 Millionen britische Pfund) dank ihrer Öko-Expertise einen zusätzlichen Beraterauftrag für alle LVMH-Luxusmarken, um diese zukunftsfit zu machen. Sie ist quasi die Greta Thunberg der Modeindustrie, ebenso radikale Verfechterin ihrer Sache. Gerade hat sie mit Adidas unter dem Namen adidas by Stella McCartney - einen komplett veganen "Stan Smith"- Sneaker herausgebracht. der gleich nach der Veröffentlichung als unbedingtes "Must have" und Benchmark gilt.

Da beweist sich wieder Langfrist-Stratege Arnault: Wie im jüngst veröffentlichten "The State of Fashion 2020"-Report (McKinsey und BoF/Business of Fashion) prognostiziert, wird aufgrund makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheiten das Fashion-Business-Umsatzwachstum auf 3 bis 4 Prozent zurückgehen. Zu den absoluten Gewinnern werden die gehören, die "sinnvolle Veränderungen entlang der Wertschöpfungskette vornehmen", sagt Imran Amed, Gründer und CEO von The /Business of Fashion (BoF). Unter den sakrosankten zu beachtenden Zehn-Rettungs-Geboten für 2020 befindet sich nicht nur "Next Gen Social", sondern auch "Sustainability First".

Harte Arbeit für Victoria Beckham

McCartney war Praktikantin bei Cristian Lacroix mit 16 Jahren, arbeitete in der Savile Row für Edward Sexton, studierte an der Central Saint Martins Modedesign, folgte für vier Jahre auf Karl Lagerfeld als Kreativdirektorin bei Chloé, bevor sie sich 2001 selbständig machte.

Eine Karriere, die sich Victoria Beckham auf dem zweiten Bildungsweg hart erarbeiten musste - vom Schnittmusterbogen bis hin zu Stoffeinkauf und zur Produktionskette. Das Ex-Spice-Girl ("Posh Spice") macht seit 2008 Damenmode mit einem Angebot an hochwertiger, tragbarer Kleidung, die auch anfängliche Kritiker vom Saulus zum Paulus wandelte - "Posh" in Preis, Stil und Verarbeitung und für Frauen wie sie selbst erschaffen - arbeitende Mütter mit Anspruch.

Sie selbst hat vier Kinder. Spätestens seit sie 2013 einen Onlineshop lancierte und einen Flaghsipstore im Londoner Mode-Mekka Dover Street eröffnete, hat sie sich den Status einer ernst zu nehmenden Designerin und eines Global Players erarbeitet. Umsätze wuchsen, verdoppelten sich von 2012 auf 2013 auf circa 46 Millionen US-Dollar, 2017 stieg die Private-Equity-Firma Neo Investment Partners ein - der gesamte Deal wird auf circa 100 Millionen britische Pfund taxiert.


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Beckham wollte immer ihr persönliches Profil in eine High-Fashion-Designermarke umwandeln. Dem T-Magazin der "New York Times" gestand sie selbstbewusst: "Ich möchte ein Imperium". Kult ist sie allemal (27,2 Millionen Follower auf Instagram) und wurde auch 2017 mit dem Order of the British Empire für ihre Verdienste um die Modeindustrie ausgezeichnet.

Backham drängt es in den Beauty-Markt

Wie volatil und kompliziert aber das Modebusiness ist trotz aller Berühmtheit, zeigen folgende Zahlen, die die Deutsche Welle eruierte: Beckham Brand Holdings, die Dachfirma, unter der sowohl die Geschäfte von Victoria als auch Ehemann David laufen, zahlte kürzlich anscheinend eine Dividende von 35 Millionen Euro an das Paar, obwohl Victorias Unternehmen ein dickes Minus hervorgebracht hatte. Fast sieben Millionen Pfund mussten dem Bericht zufolge abgeschrieben werden. Immerhin fand Victoria Beckham Limited in Neo Investment Partners einen Geldgeber, der 30 Millionen Pfund investierte, dafür aber auch 28 Prozent ihrer Anteile erhielt.

Auch wenn Victoria Beckham kaum mit den Großen der Luxuswelt wie LVMH und Kering konkurrieren kann, sucht sich die ehemalige Sängerin ihren Platz. Gerade gab sie am Rande der Londoner Fashion Week bekannt, eine Kosmetik-Marke zu lancieren - null Plastik, Öko-Verpackung und ungiftige Schmink-Produkte wie hellblau glitzernder Lidschatten. "Clean formulas" für eine "clean Beauty", was immer das im Einzelnen bedeutet - doch könnte das "Green"-Marketing dem Zeitgeist entsprechend womöglich funktionieren. Immerhin dem 250 Milliarden-Dollar schweren, boomenden Beauty-Markt prophezeit McKinsey international großes Wachstum.

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