Sonntag, 26. Mai 2019

Dorothee Schumacher Ein Plädoyer für die Weiblichkeit

Dorothee Schumacher: Luxuriöse Mode
Schumacher GmbH

3. Teil: 140 Mitarbeiter - und 90 Prozent Frauen

mm: Gibt es ungewöhnliche Werdegänge bei Schumacher?

Schumacher: Sicher. Ich arbeite mit Frauen zusammen, die sich stetig weiter entwickeln. Eine Mitarbeiterin, die früher im Strickdesign war ist heute in der Onlinekreation. Jede von uns wächst mit dem Unternehmen. Und dieses Geben und Wachsen wollen ist überall spürbar. Der Schumacher-Spirit trägt uns. Trotzdem ist jeder Schritt eine Herausforderung und deshalb feiern wir auch, wenn wieder einer geschafft ist.

mm: Ihre 140 Mitarbeiter sind zu 90 Prozent Frauen?

Schumacher: Das hat sich einfach so ergeben, weil Weiblichkeit das Herzstück dieses Unternehmens bildet. Aber mein Headdesigner zum Beispiel ist ein Mann. Andere in leitender Position sind meist Frauen.

mm: Viele Frauen im Team - das bedeutet oft längere Ausfallzeiten wegen Schwangerschaften?

Schumacher: Das sehe ich bei uns nicht. Wir sind sehr eng zusammen gewachsen, und können diese Phasen deshalb gut überbrücken. Eine springt für die andere ein. Bei Schumacher ist es eher so, dass Mitarbeiterinnen, die ein Kind bekommen haben, nach kurzer Zeit wieder da sein wollen.

mm: Sie haben selbst vier Kinder. Sind Sie das Vorbild, das Familie und Karriere unter einen Hut bekommt?

Schumacher: Für dieses Unternehmen sicher, ja. Aber es gab Phasen, in denen ich eins meiner Kinder als Baby mit ins Büro genommen habe. Ich sage nicht, dass dieser Spagat einfach ist. Trotzdem bin ich überzeugt, Schwangerschaften, Kinder und das dazugehörende Zeitmanagement werden erst zum Problem, wenn man sie als Drama empfindet.

mm: Diese enge Verbundenheit mit der eigenen Firma - ist sie ausschlaggebend dafür, dass ihr ältester Sohn ins Unternehmen eingetreten ist?

Schumacher: Davon gehe ich aus. In erster Linie studiert er noch, kümmert sich aber auch um unsere beiden Stores in Berlin. Es ist für mich ein unglaublich gutes Gefühl, mein Unternehmen, das mir so ans Herz gewachsen ist, weiter in Familienhand zu erahnen.

mm: Ihre Firmenphilosophie klingt nahezu ideal - ist in der Schlussfolgerung auch der Krankenstand bei Schumacher niedrig?

Schumacher: Der ist in der Tat ausgesprochen niedrig. Auch das liegt sicher an der familiären Ambiance. Man begegnet sich, man kennt sich gut und wenn es in die Familie passt, wächst man zusammen. Diese Offenheit, die Transparenz, die hier auch räumlich spürbar ist, verbindet.

mm: Es gibt Wasserflaschen, Servietten, Zuckerpäckchen mit dem Schumacher Markenschriftzug. Regelmäßig taucht die Schleife als Schmuck-Element auf. Der Begriff Liebe zum Detail scheint bei Ihnen buchstäblich Programm.

Schumacher: Ich glaube, dieser Geist ist einfach da und wir fassen es in Worte, oder besser gesagt: in etwas Stoffliches. Das kann die kleine Satinschleife sein, die an einen Kleiderbügel geknüpft ist. Oder eben auch die Schleife, die einen Businessplan ziert - ein kleines Detail mit großer Wirkung.

Hier geht es zur Live-Übertragung der Schumacher-Show auf der Fashion Week in Berlin.

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