Samstag, 25. Januar 2020

Stars als Modeunternehmer - Teil 1 Wie Rihanna den Modemarkt neu ordnet

Diese Stars machen in Mode - Teil 1: Rihanna spielt mit LVMH in der ersten Liga
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Bernard Jean Étienne Arnault, 70, ist nicht nur bedeutender Kunstkenner und Ästhet mit ausgeprägter Sammelwut und Expansionssinn. Er rangiert als Alpha-Unternehmer auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf den vorderen Plätzen. Mit einem Vermögen von 76 Milliarden Dollar schaffte er es laut "Forbes" dieses Jahr hinter Jeff Bezos auf Rang zwei.

Als Patriarch, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär des Luxuskonglomerats LVMH Börsen-Chart zeigen (Louis Vuitton Moët-Hennessy), dem mehr als 70 Prestigemarken wie Dior, Louis Vuitton, Fendi und Bulgari angehören, ist er als ausgefuchster Stratege und dynamischer Eroberer bekannt. Dieses Mal aber gelang ihm mit einem seiner jüngsten Geschäfte ein Geniestreich, der die gesamte Modewelt durcheinander wirbeln könnte. Fashion-Fachmedien schreiben im Tech-Branchen üblichen Silicon-Valley-Sprech von Disruption, Paradigmenwechsel, Game Changing: Im Frühjahr gründete er schlicht innerhalb seines Imperiums eine neue Maison. Mit einem Popstar als CEO und Artistic Director.


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Der Deal wirft ein Licht auf eine neue Generation von Modeunternehmern: Branchenfremde Superstars, die in Musik, Kunst, Sport erfolgreich sind und eigene Fashion-Firmen gründen - wie Rihanna, die sich Arnault nun auserwählt hat. Oder Beyoncé, Pharrell Williams, David Beckham, dessen Frau Victoria, und Lewis Hamilton. R & B- Musikerin, Musikproduzent, Ex-Fussballer, Ex-Girl-Group-Sängerin, sechsmaliger Formel-1-Weltweister. Sie werden von bloßen Images als Label-Markenbotschafter zu Investoren, von coolen Alltags-Influencern, die uns im Fußball, in der Musik oder im Film faszinieren, zu eigenen Mode-Unternehmern - zum Teil sehr erfolgreich.

Heute gilt "anything goes"

Der jährlichen McKinsey-Studie "The State of Fashion 2019" zufolge, die im Luxusbereich führend ist, umfasst das Mode-Business - Bekleidung und Accessoires- einer Wirtschaftskraft von 2,5 Billionen US-Dollar. Im Vergleich: Die weltweite Autoindustrie entspricht einem Wert von 3,4 Billionen Dollar.

Bei Mode geht es also nicht nur um Rocksäume und die Frage, ob "pink the navy blue of India" ist, wie es Diana Vreeland, historische Modegröße und Ex-Chefredakteurin von "Harpers Bazaar" und "Vogue" einstmals als Maß aller Dinge postulierte. Damals, als es noch so etwas wie Modediktate gab. Heute gilt "anything goes". Und da geht einiges.

Mode sei zu einem knallharten, bedeutenden Business avanciert, in dem es viel zu holen gibt, sagt Achim Berg, Seniorpartner und Experte für die Mode- und Luxusbranche bei McKinsey, im Gespräch mit manager magazin. "Die Profitabilität beträgt hier 7 bis 10 Prozent". Gute Margen, von denen andere Unternehmer und Manager nur träumen können.

Mode ist längst ein wichtiger Bestandteil der Weltwirtschaft - von der H&M-Socke für 1,99 Euro bis zur Hermès-Birkin-Bag für 100.000 Euro. Kein Wunder, dass smarte Stars aufwachen: Sie wollen nicht länger nur ihre Gesichter für Rocksäume anderer hinhalten, sondern selbst kleine Arnaults werden, Unternehmer in eigener Sache. Oder wie die "New York Times" zum RiRi-LVMH-Deal spekuliert und zuspitzt: "Wird Rihanna die Coco Chanel des 21. Jahrhunderts?"

Fenty ist ein gewagtes, experimentelles Geschäftsmodell

Eine Maison de Couture wird heute kaum noch gegründet (die altehrwürdigen stehen im Großunternehmen LVMH an der Spitze der Hierarchie) - zum letzten Mal geschah das 1987 mit dem Designer Christian Lacroix (ist übrigens schief gegangen). Eher werden traditionelle, große Häuser großer Designer/innen-Namen wie Coco Chanel (im Privatbesitz der beiden Wertheimer-Brüder) gehegt und gepflegt oder wie bei LVMH mit intern bewährten und durchwechselnden Managern und Designern belebt, gepäppelt und dem Zeitgeist entsprechend zugeschneidert und optimiert.

Auch LVMH hat sich seinen Stellenwert als Luxusmoden-Marktführer nicht mit Neugründungen erworben, sondern mit der Modernisierung und Revitalisierung von Traditionsnamen wie Givenchy oder Dior mit damals coolen Designern wie Alexander McQueen oder John Galliano in den 1990ern oder dem verstorbenen Über-Designer Karl Lagerfeld bei Fendi.

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