Samstag, 18. Januar 2020

Stars als Modeunternehmer - Teil 3 Wie Pharrell Williams zum Vorbild wurde

Diese Stars machen Mode: Ria Ora, Lewis Hamilton und Pharrell Williams
REUTERS

Hinweis: D ies ist der dritte Teil der aus drei Teilen bestehenden Serie über Stars in der Modebranche. Hier finden Sie Teil 1 und Teil 2.

Aktive Modeunternehmer, die ihr Fach gewechselt haben, gibt es einige, auch wenn sie hierzulande nicht präsent sind. Da sind die Kinderstars Olsen-Twins, Mary-Kate und Ashley, mit ihren erfolgreichen Marken "The Row" und "Elisabeth and James", nett und ambitioniert. Da ist Jessica Simpson (39), bekannt aus "Twighlight Zone", die ältere Schwester von Ashlee Simpson. Beide Pop-Sternchen und Schauspielerinnen. Sie ist wohl eine der erfolgreichsten Gründerinnen im Fashion-Bereich. Eine Milliarde Dollar Umsatz seit ihrer Gründung 2006. Jährlich.

Man würde ihre Entwürfe für Kleider und Accessoires wohl eher als Anziehsachen, denn als Designer-Mode einordnen. Textilien wie enge Slim Jeans, rüschengewaltige Karo-Hemden in XL und drollig-fakige Schmuckührchen für alle, die noch an Kitsch-Romantik glauben, verkaufen sich in der Provinz Amerikas in etlichen Shopping Malls wie auch bei Macy's bestens. Simpson hat damit offenbar den Massengeschmack besser getroffen als ein David Hasselhoff mit seinem "Malibu Dave"-Modeversuch, eine Pleite.

Auch um Claudia Schiffers Kaschmirkollektion ist es still geworden und Model Kate Moss gab ihre Designertätigkeit für Topshop längst auf. Letztere soll laut "Sun" aber an einer eigenen Fashion-Kollektion unter ihrem Label "Rockeens" arbeiten. Die Dessous-Firmen von Models Heidi Klum und Elle McPherson ("The body") scheinen noch Puls zu haben, aber ein durchschlagender Höhenflug ist derzeit nicht zu beobachten.

Jeff Koons, Kate Hudson und Drew Barrymore im Modegeschäft

Künstler wie der Bestseller und hochbezahlte Jeff Koons, der Handtaschen für Louis Vuitton bespielte mit Motiven von alten Meistern wie Rubens über da Vinci bis Tizian und in einer zweiten Kollektion mit Meistern wie Gauguin, Manet, Monet dürfen als Fußnote im Modebereich gelten. Schließlich hat Arnault beste Beziehungen im Kunstbereich und auch andere Künstler wie Cindy Sherman oder Richard Prince schon für seine Schaustücke verpflichtet. Für die Künstler dürfte das eher ein lukratives Stück Eitelkeit gewesen sein, denn eine Basis für eine neue Modefirma.

Zu reüssieren scheinen Stars, die vorwiegend digitale Verkaufskanäle nutzen: Golden-Globe-Gewinnerin Kate Hudson fabriziert Fitnesskleidung mit ihrer Firma "Fabletics"; Hip-Hop-Megastar "Cardi B." entwirft für die in Los Angeles ansässige Kette "Hip Hop in a Porsche"-Tops und "Now I'm a boss"-Jacken; die Tennis-Sisters Serena und Venus William machen in Sachen "activewear", auch Drew Barrymore mischt mit Mode "Dear Drew" auf allen Amazon-Verkaufskanälen mit.

Stars gehen oft Kooperationen ein (im Fachjargon Collaborations genannt, was tumbe deutsche PR-Firmen wortwörtlich übersetzen, ohne sich der brisant-politischen Bedeutung gewahr zu sein). So ein Deal ist für einen Celebrity etwa, erst mal den Zeh ins eiskalte Wasser zu tauchen, ohne einen kalten (Firmen-)Tod sterben zu müssen, wenn es schief geht - Start-ups auf Probe.


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Die neue Masche: Agenten handeln mit namhaften (Luxus-)Firmen einen Deal aus, bei dem ihre ambitionierte Klienten co-designen - will heißen, die Stars mischen mehr oder minder an einer capsule collection mit (das ist eine einmalige Auflage weniger Stücke mit einem bestimmten Thema). Ob, inwiefern und wie der jeweilige Star seine Hand dabei wirklich an die Kleider und Accessoires legt, bleibt im Dunkeln. Man beruft sich aufs Geschäftsgeheimnis.

Wie bei der deutschen Modefirma Escada Börsen-Chart zeigen, die mit großem Tamtam eine "collaboration" mit coolen Sängerin Rita Ora im Herbst lancierte. Alles in Rot. Powerfarbe. Female empowerment. Angeblich hat die Engländerin kosovarischer Herkunft gemeinsam mit dem Ex-Chefdesigner Niall Sloan (jetzt ersetzt durch Emma Cook, vormals bei Victoria Beckham) acht Looks entworfen.

Ihre PR-Worte bei der Paris Fashion Week: "Ich verbinde Rot mit Escadas beeindruckender Geschichte und mit der Stärke, die es Frauen gab". Wie hat sich die Zusammenarbeit genau gestaltet? Auch auf mehrmalige Nachfrage verweigerte Escada jegliche Auskunft zu dem Thema. Die Firma steckt in Turbulenzen.


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Gerade ist die Übernahme durch den Private-Equity-Investor Regent durch die Presse gegangen, nachdem die indische Milliardärin Megha Mittal nach zehn Jahren Sanierungsversuchen des einstmaligen deutschen Luxuslabels, das bei Hollywoods Red carpets und bei New Yorker "Ladies who lunch" bis in die 1990er zelebriert wurde, die Geduld verloren hatte. Ein Beispiel, wie schwer es sein kann, in diesem gnadenlosen Markt zu reüssieren. Trotz Star-Power.

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