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Modetrends: Die Frau zwischen Hippie und Amazone

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Neue Modetrends für Frauen Zwischen Business und Bohème

Die Hippies kommen wieder. Wem lange, wallende Röcke oder kurze Minis, durchsichtige oder bauchfreie Tops nicht liegen, der bekommt aber auch schnörkellose Blazer.

Köln - Der Einheitslook ist out. Modebewusste Frauen suchen sich derzeit aus vielen Kollektionen Einzelteile zusammen, die ihnen gefallen, und kombinieren sie. Dabei entsteht ihr ganz eigener Stil. So umschreibt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln, die Entwicklung in der Mode. "Es gibt eigentlich nicht mehr den Look und den Trend."

Dafür sieht das DMI in seinem Saisonbericht für Frühling und Sommer 2014 die Hersteller verantwortlich: "Die Branche hat den eigenen Konsumenten scheinbar verkannt." Die Modebewussten sähen in Einheitsmode von der Stange "pure Langeweile".

In Mode ist also derzeit eine Mischung aus besonderen Teilen, die nicht jeder hat - etwa aus dem Secondhandladen mit Retro-Touch - und einzelnen Stücken aus dem Massenhandel. Innerhalb dieses Sammelsuriums bilden sich einzelne Strömungen und Trendkombinationen heraus, die man auch in den Kollektionen der Händler sieht. Diese hat das DMI analysiert.

Einer der Trend-Looks heißt "Bohemian Riot" - etwas für den modernen Hippie. Frauen, die sich so kleiden, nutzen modische Ideen der 70er Jahre wie Kleidungsstücke mit Fransen, Paisley- oder Batikmuster sowie florale Stickereien. Hüte und lange Ketten werden verwendet.

Weiß und weiche Töne

Das kann auch nach einem sommerlichen Look für Festivalbesuche aussehen - wie es etwa Rich & Royal vormacht mit Fransenshirt und schwarzen, derben Boots oder bei Mango mit einem luftig weiten Kleidchen mit Ethno-Druck und bei H&M mit Blumenmuster. Auch hier gilt: Diese Teile muss die Frau nicht alle gemeinsam tragen, sondern kann einzelne Hippie-Elemente in den Gesamtlook einfließen lassen, wie Müller-Thomkins erläutert.

Gerade das Altbekannte in den neuen Kollektionen verleitet die Stilberaterin Ines Meyrose aus Hamburg zu sagen: "Ich finde, es gibt nur kleine Veränderungen in der Mode im Vergleich zum vergangenen Sommer. Aber für den Verbraucher ist das ja ganz schön, denn er kann vieles auch weitertragen." Zum Beispiel bleibe ein komplett weißer Look von Kopf bis Fuß in Mode sowie Blumenmuster. Auch Nude- und weiche Brauntöne sowie Grau seien weiterhin gerne verwendete Farben.

Aber es gebe viele neue Kleinigkeiten in den Kollektionen zu entdecken: Immer noch mögen die Designer bei Komplettlooks den Mix verschiedener Muster, teils durch Kombination von mehreren Teilen oder in einem einzigen Kleidungsstück, wie Etro oder Heine das zeigen. "Es sind jetzt aber viele dunkle Sachen dabei", sagt Meyrose. Vor allem Schwarz und Dunkelgrün.

Und bei Metallfarben waren zuletzt eher Gold- und Kupfertöne in. "Ich habe den Eindruck, dass es nun in Richtung Silber geht", sagt Meyrose. Und damit die Metallteile nicht nach Weihnachten, sondern nach Sommer aussehen, würde der Frankfurter Modeberater Andreas Rose sie mit Blumenmustern kombinieren. Hersteller Patrizia Pepe schafft zum Beispiel eine sommerliche Kombination mit Weiß.

"Advanced Formal" oder doch lieber "Future Radikal"?

Neu sind wieder mehr Businessoutfits für die Frau - vor allem schwarze Blazer wie bei Cinque. Das DMI bezeichnet diese Richtung in seinem Trendbericht als "Advanced Formal". Diese Kleidungsstücke sind schnörkellos und auf das Nötigste reduziert. Transparente Materialien sind ebenfalls im Trend. Diese eignen sich nach Ansicht von Meyrose aber nur für einen Lagenlook. Die angesagten, ebenfalls freizügigen bauchfreien Oberteile sollten weder Teenager noch Erwachsene im Alltag tragen, findet Rose. "Die sind eher was für den Strand."

Ein weitere Trendrichtung ist "Future Radikal", die eher sportiv sei, sagt Müller-Thomkins. Die Kleidungsstücke hätten wie Sportmode leuchtende Farben und einen Mix von verschiedenen Materialien. Sisley setzt das zum Beispiel in einem knallpinken, eng anliegenden Kleid mit schwarzen Elementen und einem transparenten Rücken um.

"Stark kommt auch ein Schwarz-Weiß-Mix auf, der in der Street- und Sportswear eigentlich verbreitet ist", so der Modeexperte. Minx zeigt breite Streifen, Marc O'Polo dünne. Hugo setzt auf Karos, Comma auf die Kombination mehrerer Teile in Schwarz oder Weiß.

Aber grundsätzlich sei es vorbei mit kontrastreichen Tönen und Neonfarben, berichtet Müller-Thomkins. Er sehe viel mehr Pastelltöne in den Kollektionen der Designer. "Man kann diese als Ausläufer der knalligen Farben ansehen, diese sind ja nach und nach ausgeblutet." Gerade ein puderfarbenes Rosa sei ein Hingucker, findet Andreas Rose. In den Kollektionen sieht man es häufig in Blumenmustern.

Dschungelmuster und Stadtszenen

Ines Meyrose hat noch viele Kleidungsstücke in dem bereits zuletzt schon beliebten Smaragdgrün gesehen sowie neu in Pistaziengrün, das zum Beispiel gut mit Blumenmustern harmoniert, wie United Colors of Benetton vormacht. Auch Rot sei eine Farbe dieses Sommers.

Die Muster geben einerseits von der Natur inspirierte Motive wie aus dem Dschungel wieder. Auch ganze Stadtszenen sind dabei, etwa bei Marc Cain. Andererseits sind grafische Motive im Trend. Andreas Rose spricht hier von "Kunst an der Frau": Die Muster wirkten teils wie Gemälde. "Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich finde, es ist ein Weg, sich auszudrücken", sagt der Modeberater. "Ich muss ja nicht so kunterbunt herumlaufen, sondern kann Einzelteile verwenden."

Frauen tragen laut Müller-Thomkins jetzt viel häufiger wieder Rock - und es gebe ihn in allen Längen und Varianten. Sogar zuletzt ungewöhnliche Formen seien zu sehen wie der asymmetrisch gewickelte Rock und die Maxilänge mit hohem Schlitz.

In vielen Kollektionen sieht man aber vor allem Miniröcke mit A-Form und mittellange Bleistiftröcke. Die langen Hosen werden daneben immer kürzer, hat Ines Meyrose beobachtet.

Simone Andrea Mayer, dpa
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