Samstag, 23. November 2019

Kaschmirkönig Brunello Cucinelli über Luxus "Meine Garderobe ist ganz schlicht"

"Ich komme aus einer Bauernfamilie. Brot und Wein, das reicht mir", sagt der Kaschmirkönig Brunello Cucinelli.

Mit exklusivem Strick stieg der italienische Modemacher Brunello Cucinelli zum Kaschmirkönig auf. Als Firmensitz dient ihm eine Burg in Umbrien. Hier erzählt der 60-jährige, was für ihn persönlicher Luxus bedeutet.

"Die Deutschen haben mich immer inspiriert, deshalb habe ich vor über 30 Jahren mein Auslandsgeschäft in München gestartet. Die Deutschen sind zuverlässig. Und sie haben die alten Meister, die Philosophen und Musiker. Die Nibelungen kenne ich noch aus der Schule, meine Mutter hat mir daraus vor dem Kamin vorgelesen - und ich lese sie heute noch ab und zu. Auf vieles könnte ich verzichten, nicht aber auf Bücher. Sie haben mich gelehrt, das Leben zu verstehen. Ständig kaufe ich neue, am liebsten in der Librerie Feltrinelli in Perugia. Signora Feltrinelli ist eine Freundin von mir.

Spiritualität ist mir sehr wichtig. Jeden Tag denke ich darüber nach, warum ich lebe. Der Dialog mit mir selbst ist mein größter Luxus. Aber natürlich nicht der einzige. Ich habe eine Schwäche für die einfache italienische Küche. Pasta. Oder Brot mit Olivenöl, am besten das Öl aus meinem umbrischen Heimatort Solomeo. Oder die Crostini von "Pane e Vino" in Cortona. Hier gibt es wunderbaren Wein für fünf Euro.

Ich komme aus einer Bauernfamilie. Brot und Wein, das reicht mir. Aber beides muss richtig gut sein. In Deutschland gehe ich gern zu Käfer in München - oder zu Schumacher in Düsseldorf. Dort bekommt man alle fünf Minuten ein neues kleines Glas Bier. Dieses Alt finde ich toll. Das Bier in Deutschland ist so viel besser als in Italien. Aber ich muss aufpassen, zu Hause mache ich jeden Tag Gymnastik, um in Form zu bleiben.

Ich bin nicht sehr experimentierfreudig, seit 40 Jahren benutze ich zum Beispiel das gleiche Parfüm: Azzaro. Ich trage noch immer dieselbe Sonnenbrille von Ray-Ban, die ich mit 15 Jahren gekauft habe. Und ich trage kein Grün, seit meine Mutter mir mal eine grüne Hose geschenkt hat. Grün steht mir nicht, die Hose habe ich verschwinden lassen. Sie werden diese Farbe auch nur selten in unseren Kollektionen finden.

Meine Garderobe hat sich kaum verändert, sie ist ganz schlicht. Seit 20 Jahren habe ich kein Teil weggeschmissen, das können alles meine Enkel noch tragen. Ich habe noch 30 Jahre alte Stücke von Armani, Jil Sander oder Yamamoto, die ich früher gern angezogen habe. Aber seit Cucinelli einen Total Look anbietet, trage ich natürlich nur noch meine Marke. Bis auf die Unterhosen: hellgraue Boxer von Intimissimi. Als ich das letzte Mal nachgezählt habe, hatte ich 150 Stück davon. Ich kaufe sie ständig nach, weil ich Angst habe, dass die Firma das Modell irgendwann nicht mehr produziert.

Aber auch ich habe vor sechs Jahren mal was Neues probiert und mir einen Bentley gekauft: Das Continental GT Coupé ist ein wahnsinnig schönes Auto. Davor bin ich 29 Jahre lang Jaguar gefahren. Die Farbe ist allerdings die gleiche: English white."

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung