Freitag, 6. Dezember 2019

Milano Moda Uomo Männer, schaut nach Mailand

Mailänder Männermode: Gefahren im Anzug
DPA

Während der Winter in Deutschland langsam Fahrt aufnimmt, sind Mailands Designer schon beim nächsten. Vier Tage lang präsentierten sie ihre neuesten Kollektionen - und machen deutlich: Der Mann hat viele Facetten. Nicht jeder sollte allerdings alle zeigen.

Berlin/Mailand - Männer sind Kämpfer und Schöngeister, Ästheten und Proleten, Stadtmenschen und Naturburschen. Die noch bis Dienstag laufenden Defilees der Milano Moda Uomo will im Herbst/Winter 2014/15 jedem Typ Mann den passenden Look anbieten. Doch so unterschiedlich die Charaktere sein mögen, in den Schlüsselelementen einen sich die Kollektionen dann doch: dunkle Farben, weite Formen, viele Stoffschichten.

Die Zeiten, dass solche Ereignisse nur einem selektiv ausgewählten Fachpublikum zugänglich waren, sind vorbei. Fast alle Shows kann man heute per "Live-Stream" im Internet verfolgen. Und oft ist der Blick auf die Mode dabei ein besserer, als wenn man im Saal in einer der hinteren Reihen sitzt.

So fällt am Bildschirm viel eher auf, dass die Weste beim dreiteiligen Anzug von Ermenegildo Zegna diagonal geschlossen wird. Oder dass auf Ärmel und Rücken der langen Kaschmir-Strickjacke eine gezackte Zierborte verläuft. Mit solchen subtilen Eingriffen in die Klassik modernisiert Stefano Pilati seit zwei Saisons die Handschrift des italienischen Traditionslabels.

Auch Prada schafft es, der Eleganz eine zeitgemäße Ausrichtung zu geben. Statt Krawatte ließ Miuccia Prada die Models am Sonntagabend einen schmalen, seitlich herabfallenden Schal tragen. Sie mixt in ihren Anzug-Kombinationen oft mehrere Farben, was aber nie überladen und stets männlich wirkt. Das war Pelz zumindest in Urzeiten, doch bei Prada trägt ihn nun auch der moderne Mann. Vor allem aber panzert er sich mit einer Weste, die an die Schutzkleidung von Militär oder Polizei erinnert.

Wattierte Schutzpolster, um der bösen Welt zu trotzen

Den Gefahren trotzen - dieses Anliegen lässt sich in vielen Kollektionen erkennen. Italo Zucchelli etwa, der für das Label Calvin Klein entwirft, verpackt den Oberkörper gleich in mehrere wattierte Schichten. Dazu ließ er weite, fließend fallende Hosen anziehen und schuf damit eine sehr futuristische Silhouette.

Genau in die andere Richtung auf der Zeitschiene bewegten sich hingegen Dolce & Gabbana - und landeten im Mittelalter. Entsprechend düster ist das Farbbild, aufgelockert durch Druckmotive, die einstige Potentaten oder klerikale Ornamente zeigen. Und was dem Ritter von damals als Schutz diente, wird seinem urbanen Nachfolger Modeaccessoire. Seine Kopfbedeckung erinnert an die unter dem Helm getragenen Hauben. Metallpanzerungen werden mit funkelnden Steinen neu interpretiert.

Auch Donatella Versace bewegt sich in ihrem eigenen Kosmos. Und dort sind Männer ganze Kerle. Im kommenden Herbst/Winter treten sie als Cowboy oder Biker auf. Die Kollektion ist gespickt mit Western-Elementen, von den Chaps über den Bolotie ("Schnürsenkel-Krawatte") bis hin zu den auf Sakkos gestickten Sheriff-Sternen und Kaktus-Applikationen.

Wenn der Hosenschnitt hier und da einen Slip freilegt, darf man das als schrillen Laufsteg-Gag verbuchen. Viel überzeugender sind dann Vorschläge, wie etwa das mit einem Rollkragenpulli unterlegte, bedruckte Seidenhemd.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung