Donnerstag, 12. Dezember 2019

Frische Ideen für altes Porzellan Wie Meissen modern werden will

Made in Germany: Meissener Moderne
Franziska Krug/Getty Images

Filigrane Figuren und üppig bemalte Teller - seit 1710 geht das bei Meissen schon so. Nun sorgen zwei Modedesigner in Europas ältester Porzellanmanufaktur für frische Ideen.

Als Maximilian Hagstotz den Auftrag erhielt, die "Big Five" zu modellieren, ging der Porzellan-Plastiker erst mal ins hauseigene Museum. Dort studierte er Elefanten, Löwen, Leoparden, Büffel und Nashörner auf Tellern und Kelchen aus der über 300-jährigen Geschichte des Unternehmens. Für die Kooperation mit dem Modehersteller Boss wollte er die Tiere wie afrikanische Holzskulpturen formen. "Ich liebe es, mit Porzellan zu experimentieren, und habe alle Freiheit dazu", erzählt der 26-Jährige, einer von 650 Mitarbeitern.

Gefunden in
Splendid
Oktober 2019

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Bei einer Firma mit einer solchen Tradition ist das schon eine Sensation für sich: August der Starke gründete die Manufaktur im sächsischen Meißen 1710, nachdem es seinem Hofalchemisten Johann Friedrich Böttger gelungen war, "weißes Gold" herzustellen. Das dafür wichtige Kaolin, weiße Tonerde, fand Böttger im firmeneigenen Bergwerk. Der Kurfürst brauchte sein geliebtes Porzellan nun nicht mehr aus China zu importieren.

Von einer Medaille für sieben Euro bis zum 490.000 Euro teuren Wandbild reicht heute das Angebot der Marke, die dem Freistaat Sachsen gehört. An der Fertigung hat sich seit der Gründung kaum etwas geändert: Im Werkskeller wird das Kaolin eingeweicht und nach monatelangem Trocknen mit Feldspat und Quarz zu Porzellanmasse gemischt. 700.000 Gipsformen, 10.000 Farbrezepturen und 6000 Dekore lagern im Archiv.

Seit zwei Jahren sind Otto Drögsler und Jörg Ehrlich, Designer der Damenmodemarke Odeeh, als Kreativchefs auch für Meissener Porzellan verantwortlich. Der Auftrag: "Das Erbe der Marke in die Jetztzeit zu bringen, Heritage und Handwerk mit Habenwollen zu verbinden", sagt Ehrlich. Klingt gut, aber wie geht das? "Wir arbeiten mit zehn Teams, variieren alte Formen und Dekore." Sogar das 300 Jahre alte Zwiebelmuster erhielt einen neuen Twist mit roten Blüten. "Wir fragen uns einfach: Was würde wohl der alte Böttger heute machen?"

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