Samstag, 25. Januar 2020

Couture von Meissen "Wir machen Kleider für den roten Teppich"

Meissen Couture: Der Schneeball-Effekt
Meissen

Die Manufaktur Meissen blickt schon seit längerem über den Porzellantellerrand hinaus - Schmuck und Möbel von Meissen gibt es bereits; nun präsentierte Meissen Italia auf der Mailänder Modewoche seine erste Couture-Kollektion. Chefdesignerin Frida Weyer erklärt, was ihr dabei wichtig ist.

mm: Frau Weyer, Meissen ist bekannt für edle Goldrandtässchen. Wo ist die Schnittmenge mit Ihrer Mode?

Weyer: Bei Meissen gibt es schon länger unterschiedliche Segmente wie die vor vier Jahren ins Leben gerufene Schmuckkollektion. Für Meissen Couture hole ich mir die Inspiration in den 300 Jahre alten Archiven - das ist ein unglaublicher Fundus!

mm: Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Weyer: Meine Schau auf der Berlin Fashion Week im Januar stand unter dem Titel "Anna Karenina goes Versailles". Es sollten märchenhafte Filmsets kreiert werden - und für die Schneewelt waren wir ganz scharf auf die Tierfiguren von Meissen. So kam es zu einer Kooperation. Die Chemie hat sofort gepasst, und daraus hat sich alles Weitere entwickelt.

mm: Es sollen jährlich zwei Kollektionen von Abend- und Brautkleidern herauskommen…

Weyer: … nennen wir sie eher Cocktailkleider. Brautkleider kommen natürlich automatisch dazu - es gibt kein Haute-Couture-Haus, das bei einer solchen Kollektion keine Brautkleider macht. Wir machen luxuriös bestickte Kleider, mit feinen Details und hochwertigen Materialien für besondere Anlässe. Wir machen Kleider für den roten Teppich.

mm: Wen würden Sie am liebsten einkleiden?

Weyer: Oh, da habe ich viele Namen im Kopf. Sehr viele junge Hollywoodschauspielerinnen wie Emma Stone oder Jennifer Lawrence. Aber auch die älteren aus der A-Liga. Sharon Stone oder Sandra Bullock, Julia Roberts. Wahnsinnig starke Persönlichkeiten.

mm: Was werden die Kleider kosten?

Weyer: Das ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall liegen sie im hohen Preissegment. Ab 3000 gehen die Abendkleider los, nach oben hin ist es offen - das hängt von den unglaublich aufwändigen Stickereien ab, die wir verwenden. Das können dann auch mal mehr als 15.000 Euro werden.

mm: Wie sind Sie auf die Themen Ihrer ersten Show für Meissen Couture gekommen?

Weyer: Eine ganz zentrale Rolle hat eine Snowball-Blütenvase von Meissen gespielt. Das Thema der Show ist "Royal Blossoms". Und jetzt, im September, ist diese Blüte allgegenwärtig. Das ganze Thema ist sehr floral, sehr verziert. Wir bringen unterschiedliche Stickereien in 3D-Technik, das wirkt sehr feminin und elegant.

mm: Wie frei waren Sie in der Gestaltung?

Weyer: Meissen hat mich in die Archive gelassen und hat mir da den Freiraum gelassen, meine Inspirationen zu sammeln. Ich habe viel Freiraum, aber es ist natürlich auch wichtig, das Image der Marke zu wahren. Es geht um Luxus, um Anmut, um Eleganz.

mm: Haute Couture gilt ja gemeinhin eher als Zuschussgeschäft, als Imagepflege für die preiswerteren Sachen, mit denen dann das Geld gemacht wird. Wird es langfristig auch preiswertere Zwiebelmuster-Shirts für die Freizeit geben?

Weyer: Nein. Das ist ein No-Go! Aber Sie müssen bedenken, dass in der Haute Couture vor drei, vier Jahren eine neue Ära eingeleitet wurde. Das ist nicht mehr reine l'art pour l'art. Couture ist wieder tragbar geworden. Es gilt eher als veraltet, dass es supercrazy sein muss. Haute Couture ist wieder genau das, was es bedeutet: die hohe Schneiderkunst. So etwas geht nicht mit Maschinen, das ist alles Handwerk. Aber deshalb nicht untragbar. Jedes einzelne meiner Kleider ist für jede Frau, die sich das leisten kann, auch tragbar. Da ist nichts dabei, das nur tolle Kunst wäre, aber fernab vom echten Leben.

mm: Was ist aus Ihrer Sicht das schönste Meissen-Muster?

Weyer: Ich mag am allerliebsten die floralen Malereien. Streublumen mag ich sehr. Die sind auch sehr aussagekräftig, und sie sind toll auf ein Kleid zu übertragen.

mm: In Meissen selbst gibt es ja immer noch viel Gegenwind, die Marke als Luxusmarke jenseits von Porzellan zu inszenieren. Wie gehen Sie damit um?

Weyer: In Sachsen geht es der älteren Generation zu schnell. Das kann ich verstehen. Aber ich finde es richtig, die Marke zu erweitern. Das ist einfach wahnsinnig logisch. Denken Sie an Chanel, an Hermès, an Gucci - es gibt auf der Welt kein Luxushaus, das nur eine Sparte betreibt. Das geht heute nicht mehr.

mm: Wer sollen die Kundinnen sein? Und wo werden sie einkaufen?

Weyer: Wir werden in internationalen Department Stores vertreten sein. Unsere Kundinnen haben den Anspruch an ein Abendkleid, dass es ein Kunsthandwerk ist und durch seine Details lebt. Und die Altersklasse ist sekundär - auch mit 45 kann man sich heute ja noch kleiden wie mit Anfang 20. Das hängt vom Selbstbewusstsein und der Figur ab.

mm: Bis zu welcher Größe schneidern Sie?

Weyer: Im Haute-Couture-Bereich werden wir natürlich für alle Kundinnen maßschneidern. In den Läden bieten wir bis Größe 42 an. Das ist schon großzügig.

mm: Werden sich irgendwann auch Männer in Meissen-Anzüge kleiden können?

Weyer: Es gibt von Meissen ja jetzt schon tolle Krawatten für Männer, wer weiß, vielleicht in ein paar Jahren. Es läge einerseits nahe, weil es um vollendete Verarbeitung geht und Männer das schätzen. Aber mit Abendkleidern das Kunsthandwerk, für das Meissen steht, nach außen zu tragen, liegt natürlich viel näher, als dasselbe mit einem geradlinigen Anzug zu versuchen.

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