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Männermode: An den Füßen wird es immer bunter

Foto: Falke

Männermode Die Invasion der bunten Socken

Endlich mal ein Trend, der aus Europa in die USA schwappt statt umgekehrt: Bunte Herrensocken sind derzeit eine sichere Bank für Bekleidungsunternehmen - die Umsätze in diesem Bereich steigen zweistellig.

Hamburg - Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind in den USA die Umsätze bei der Herrenmode stärker gestiegen als bei den Damen. Das schreibt das "Wall Street Journal " (WSJ) unter Berufung auf eine Untersuchung der NPD Group . 60,8 Milliarden Dollar gaben die Männer in den USA im vergangenen Jahr für Kleidung aus, mehr als 5 Prozent mehr als im Vorjahr (Damenmode: 116,4 Milliarden und ein Zuwachs von 4 Prozent).

Aber das liegt nicht etwa daran, dass immer mehr Männer in teures Tuch oder maßgeschneiderte Anzüge investieren - das Wachstum kommt zu einem großen Teil von ganz unten: Von den Socken. Da gibt es für die Hersteller komfortabel zweistellige Zuwächse.

Und auch was verkauft wird, unterscheidet sich deutlich vom Sockenhandel vergangener Zeiten. Kauft der Mann früher seine Socken gerne im Dutzend, wahlweise in Schwarz oder Anthrazit, ist nun der aus Europa kommende Trend zum bunten Fußüberzieher auch in den USA angekommen, wie der NPD-Analyst Marshal Cohen dem WSJ sagte.

Vor allem im Sportbereich trauen sich die Männer etwas - und zeigen sich technikverliebt: Als Statussymbol gelten etwa die 2008 eingeführten Elite Socks von Nike, die den Fuß mit schweißableitendem Hightech-Material umschmeicheln, den Schritt freundlich dämpfen und sogar das Fußgewölbe stützen sollen - so viel Komfort kostet dann auch bis zu knapp 20 US-Dollar und bringt dem Unternehmen mittlerweile Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe.

Auch in Deutschland wird es bunter

Auch das Preisgewölbe wird kräftig gestützt. Der durchschnittliche Sockenpreis stieg um 24 Prozent auf 2,18 US-Dollar, was wenig scheint, aber angesichts der Tatsache, dass in den USA an den Herrenfüßen bisher eher eine One-size-fits-all-Billigkultur herrscht, schon eine signifikante Trendwende darstellt. Deutsche Männer geben rund 740 Millionen Euro pro Jahr für Strumpfwaren aus, ein gutes Drittel und damit die meisten war einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 zufolge ein Paar zwischen fünf und neun Euro wert - und immerhin 22 Prozent sogar elf Euro und mehr.

In Amerika mögen die Athleten bei der Entwicklung zur bunten Premiumsocke Vorreiter sein, aber auch zum Anzug setzt sie sich immer mehr gegen ihre tristen Artgenossen durch - auch Ralph Lauren und Bloomingdale's bringen sie an den Männerfuß. Selbst Ex-Präsident George Bush senior überraschte im vergangenen Jahr bei einem offiziellen Termin mit pinkem Strumpfwerk, das mit dezenten schwarzen Blümchen versehen war.

Aber auch in Deutschland wird es immer bunter an den Füßen. "Wir setzen sehr auf bunte und gemusterte Strümpfe", sagt Kristina Falke vom deutschen Marktführer Falke. Der Trend zur bunten Socke zum Anzug sei schon seit 2011 ungebrochen, aber die Umsätze steigen noch immer: In den vergangenen zwei Jahren verzeichnete der Strumpfhersteller ein Umsatzplus von 21 Prozent bei farbigen Herrensocken und -strümpfen, bei den gemusterten Exemplaren waren es sogar 25 Prozent.

"Männer werden mutiger", konstatiert Falke. Am besten verkaufen sich hierzulande die Farben Pink und Grün, bei den gemusterten Strumpfwaren sind Ringel der Hit. Und auch bei den Längen tut sich etwas - Strümpfe für Herren verkaufen sich zunehmend besser.

Denn eigentlich ist die Socke zum Anzug ein modischer Fauxpas. Unter feines Tuch gehört nun mal ein feiner Kniestrumpf, damit keine haarigen Beine sichtbar werden, wenn der Herr die Beine übereinanderschlägt. Da ist der europäische Süden stilsicherer - noch. "Von Sizilien bis Oslo kann man beobachten: Je nördlicher, desto kürzer werden die Strümpfe", so Falke.

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