Marketing Und was bist du?

Gehören Sie zu den Proll-Professionals, den Forever Youngsters, Tiger-Women, Creativ-Teens oder Mainstream-Stars? Die Marketingbranche hat ihre eigene Sprache, Kunden zu beschreiben. Eine Typfrage.
Creativ-Teens: Überall mit dem Handy unterwegs

Creativ-Teens: Überall mit dem Handy unterwegs

Foto: Corbis

Hamburg - Matthias Horx liebt gefällige Überschriften. Und auch dieses Mal hat das von ihm gegründete Zukunftsinstitut  in der Studie "Lebensstile von morgen" markant zusammengefasst, was alle schon immer spürten. Geschickt werden die Beobachtung auf den Punkt gebracht, passende Namen kreiert und prompt ist ein neuer Typ gefunden.

Die Fachzeitschrift "w&v - werben und verkaufen" stellt in ihrer aktuellen Ausgabe nun die "neuen" Lebensstile vor, die bei den als Treiber der Gesellschaft geltenden Menschen (etwa 21 Prozent an der Gesamtgesellschaft) entdeckt wurden. Wir wollen Ihnen die neuen "Konsumenten" in Deutschland nicht vorenthalten. Lesen Sie rein:

Die Creativ-Teens:

Die Gesamtzahl (hochgerechnet): 1,42 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 2 Prozent

Wer sind die Creativ-Teens? Nun, "W&V" beschreibt sie als Treiber und Innovatoren der gesamten Gesellschaft. Natürlich sind sie vernetzt, in diversen sozialen Communities unterwegs, sie twittern, bloggen spielen - vor allem per Smartphone. Auch gelten sie als äußerst optimistisch, sind jedoch bekennende Spießer. Bekannter als der Begriff "Creativ-Teens" dürfte vielen Lesern wohl der Begriff "Generation Y" sein, mit denen die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, umschrieben wird. Dabei stehen die "Communi-Teens" für diejenigen, die mit Facebook aufgewachsen sind und sich öffentlich in den Raum stellten. Während die "Creativ-Teens" hingegen als die Generation nach Facebook gelten: smart und reflektiert. Horx beschreibt ihr Leben als von Track, Share und Compare geprägt. Geteilt wird nicht nur im Netz, sondern auch im realen Leben wie beispielsweise das Auto.

Die Super-Daddys

Familienväter: Männer, die ihre Rolle neu sehen

Familienväter: Männer, die ihre Rolle neu sehen

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Gesamtzahl hochgerechnet): 1,69 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 2,4 Prozent

Um das gleich klar zustellen, gemeint sind nicht die Väter, die nach zwei Monaten Elternzeit wieder zurück in ihre Vollzeitstelle gehen, sondern Männer, die tatsächlich ein neues Rollenverständnis für den Mann suchen und haben. Als Super-Daddys bezeichnet das Zukunftsinstitut sie, Alpha-Softies werden sie aber auch manchmal genannt. Ihre Lieblings-TV-Serie soll "Homeland" sein. Sie gelten als Vorreiter. Pflege, Ernährung und Gesundheit sind wichtige Themen, womit sie sich vom typischen Mann schon abheben.

Die Proll-Professionals

Die Selbstdarsteller: Katzenberger als Vorbild

Die Selbstdarsteller: Katzenberger als Vorbild

Foto: Henning Kaiser/ dpa

Gesamtzahl (hochgerechnet): 0,82 Millionen Menschen

Anteil an Gesamtbevölkerung: 1,2 Prozent

Hier gilt besonders: Den äußeren Schein wahren, denn die Prolls seien gar keine Prolls. Echt! Sie inszenierten sich aber gerne als solche. Sie fahren deshalb dicke Autos und tragen fette Klunker an Hals und Arm. Spaß haben, ist ihr Lebenssinn, reich sein ist besser als arm. Dauer-Blondine Daniela Katzenberger sowie die TV-Selbstdarsteller Carmen und Robert Geiss gelten als die populärsten Vertreter dieser Super- oder noch besser Hyper-Hedonisten, denen (fast) alles egal ist. Hauptsache teilhaben - an allem, was passiert. Social Media sind genau ihr Medium, teure Marken ihr Begehr.

Die Forever Youngsters

Die neuen Alten: Sportbegeistert und gesundheistbewusst

Die neuen Alten: Sportbegeistert und gesundheistbewusst

Foto: DPA

Gesamtzahl (hochgerechnet): 2,6 Millionen Menschen

Anteil an Gesamtbevölkerung: 3,7 Prozent

Die deutsche Senoiren sind so fit wie noch keine Rentnergeneration vor ihnen. Silver Workers bereicherten nicht nur die Rentenkassen, sondern auch den Staat und die Arbeitswelt, heißt es. Ihr Eintritt ins Rentenalter gleiche einer zweiten Pubertät, heißt es. Horx, der selbst bald 60 Jahr alt wird, nutzt selbst für die neue Jugend der Alten auch den Begriff "Downaging". Spätpubertierende Alte - so könnte man es auch sagen.

Wie auch immer, die "neuen Alten" gelten als sportbegeistert, aktiv und gesundheitsbewusst. Luxus gehört durchaus zu ihrem Lebensstil, allerdings nicht protzend, sondern als "stealth luxury", getarnter Luxus. Beim Einkauf spielt Nachhaltigkeit eine Rolle, dennoch probieren sie gerne etwas Neues aus, gelten als gebildet und medienaffin, genießen das Leben und nehmen am kulturellen Leben gerne (auch aktiv) teil.

Die Tiger-Women

Die Powerfrauen: Selbstständig und unabhängig

Die Powerfrauen: Selbstständig und unabhängig

Foto: Corbis

Gesamtzahl (hochgerechnet): 1,17 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 1,7 Prozent

Die echte Powerfrau, berufstätig, unabhängig, selbstständig, immer auf Achse. 71 Prozent von ihnen sollen mindestens fünf Tage die Woche online sein und lägen damit über dem Durchschnitt. E-Commerce ist selbstverständlich, bei der Ernährung greift sie gerne zu Bio-Ware. Natürlich will sie gut aussehen und auch hochwertige Klamotten tragen. Sie gelten als kreativer und sportlicher als der Durchschnitt, "nur" Hausfrau zu sein, käme für sie nicht in Frage.

Die Business-Freestyler

Lebenskünstler: Den Job wechseln, wenn er nicht passt

Lebenskünstler: Den Job wechseln, wenn er nicht passt

Foto: ENRIQUE DE LA OSA/ REUTERS

Gesamtzahl (hochgerechnet): 1,10 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 1, 6 Prozent

Jung, gebildet, ehrgeizig, erfolgreich und Lebenskünstler. Das alles vereinen die "Business-Freestyler", die beruflich zwar Erfolg haben möchten, sich aber dennoch kein Bein dafür ausreißen. Jobwechsel gehört dazu, Sabbatical ebenfalls.

Die Mainstream-Stars

Konsum: Auch wenn das Zuhause der schönste Ort ist, die Mainstream-Stars lassen sich ihren Einkaufsbummel nicht vermiesen

Konsum: Auch wenn das Zuhause der schönste Ort ist, die Mainstream-Stars lassen sich ihren Einkaufsbummel nicht vermiesen

Foto: Marc Tirl/ picture alliance / dpa

Gesamtzahl (hochgerechnet): 1,27 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 1,8 Prozent

Als Lebens-Mittelpunkt der "Mainstream-Stars" gilt ihr Zuhause. Fernsehen ist das größte Hobby, Sport treiben wohl eher eine Unbekannte. Mode steht jedoch hoch im Kurs, dementsprechend wundert es nicht, dass Marken und gute Qualität eine große Rolle spielen. Für einen Einkaufsbummel ist immer Zeit. Viel mehr ist wohl nicht zu sagen.

Die Gutbürger

Glückliche Kühe: Nachhaltig, regional und gute Qualität sollte es für die Gutbürger sein

Glückliche Kühe: Nachhaltig, regional und gute Qualität sollte es für die Gutbürger sein

Foto: Remko De Waal/ dpa

Gesamtzahl (hochgerechnet): 2,31 Millionen Menschen

Anteil an der Gesamtbevölkerung: 3,3 Prozent

Nein, nicht die Wutbürger, das ist passe. Bei den Gutbürgern stehen Marken wie Kik und Schlecker ganz unten. Wie gut, dass es letzteren jetzt nicht mehr gibt, dürfte der eine oder andere sagen. Nachhaltigkeit und regionale Produkte stehen dagegen ganz hoch im Kurs. Das Essen und Trinken sollte von guter Qualität sein. Und nicht zu vergessen: Transparenz in der Kommunikation ist ganz wichtig.

Die Sinn-Karrieristen und Silverpreneure

Silverpreneuere: Während die einen online sind, lieben die anderen die guten alten Medien

Silverpreneuere: Während die einen online sind, lieben die anderen die guten alten Medien

Foto: Corbis

Nun wird die Abgrenzung unschärfer. Als Sinn-Karrieristen (1,52 Millionen Menschen) werden diejenigen bezeichnet, die einen Neuanfang wagen, ohne dabei vorher in eine Lebenskrise gefallen zu sein. Bei dieser Gruppe gehe es vor allem um die Selbstverwirklichung. Es seien die Leser von beispielsweise "Emotion" und "Happinez".

Die Silverpreneuere (3,73 Millionen Menschen) sind hingegen die neuen Alten, die wissen, was sie tun und die sich gerne bilden. Es sind Komilitonen, die schon seit geraumer Zeit immer zahlreicher ganze Hörsäle an Universitäten bevölkern. Sie gelten als markentreu und gelten als Anhänger alter Medien: wie beispielsweise der Zeitung.

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