Influencerin Julia Beautx "Ich weiß oft gar nicht, wie viel ich verdiene"

Julia Willecke – bekannt als Julia Beautx – gehört zu den einflussreichsten Influencerinnen für eine junge Zielgruppe in Deutschland. Im Interview erklärt sie, warum sich Reichtum für sie falsch anfühlt.
Ein Interview von Sina Osterholt
Julia Beautx: Mit 14 Jahren hat die Influencerin angefangen, mit Youtube-Videos Geld zu verdienen

Julia Beautx: Mit 14 Jahren hat die Influencerin angefangen, mit Youtube-Videos Geld zu verdienen

manager magazin: Du gehörst zu den bestbezahlten Influencerinnen Deutschlands. Wie wichtig ist dir Reichtum?

Julia Beautx: Vollkommen unwichtig. Ich bin in einer bodenständigen Familie in der Nähe von Dortmund aufgewachsen. Ich weiß oft gar nicht, wie viel ich gerade überhaupt verdiene. Natürlich ist es schön, mit meinem Hobby Geld zu verdienen. Ansonsten wäre ich an die Uni gegangen und hätte einen ganz normalen Job.

Also ist das kein normaler Job?

Influencerin ist für mich zwar kein klassischer Beruf, ich sehe mich aber schon als Unternehmerin. Mit dem Begriff verbinde ich zwar eher jemanden in einem schicken Hosenanzug, der mit Aktentasche rumläuft. Aber von der Einstellung und meinem Handeln her bin ich es wohl. Auch ohne Aktentasche.

Julia Willecke, bekannt als Julia Beautx, startete 2013 ihren eigenen YouTube-Kanal. Die 23-Jährige zählt mit mehr als 3,3 Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten Social Media Akteuren in Deutschland und arbeitet auch als Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin. Seit fünf Jahren spielt die gebürtige Dortmunderin in der ZDF-Serie "Frühling" mit. Sie ist Preisträgerin der "Nickelodeon Kids’ Choice Awards" und der TikTok Awards "Verties". Darüber hinaus vermarktet sie Schülerkalender und drei eigene Parfüms.

Welche Einstellung hast du denn?

Ich stelle für meine Arbeit viel hinten an und habe wenig Freizeit. Das ist es mir aber wert. Und ich habe ein dickes Fell. Man muss auch mit negativen Kommentaren und anderen Meinungen gut umgehen können.

Du arbeitest außerdem als Schauspielerin – wie lässt sich das verbinden?

Das funktioniert nur, weil ich so viel Spaß daran habe. Ich liebe es, Influencerin zu sein und mich selbst auszuleben und zu verwirklichen. Ich will aber auch nicht mehr darauf verzichten, zu schauspielern und eine Rolle aus einem Drehbuch zu verkörpern. Die Bereiche sind so ähnlich und doch unterschiedlich. Langweilig wird es nie.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Jeder Tag ist anders. Mal stehe ich um 6 Uhr auf und drehe den ganzen Tag, dann sitze ich wieder bis in die Nacht im Studio und schreibe Songs. Oder ich überlege mir neue Lifestyle-Ideen, die ich auf meinen Plattformen umsetzen kann. Einen regelmäßigen Ablauf gibt es für mich nicht.

Keine Routine: Julia Beautx arbeitet jeden Tag anders

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Was ist Dir wichtig? Welche Rolle vertrittst du in deinen Videos?

In erster Linie ging es mir schon früh darum, meine Zuschauerinnen und Zuschauer zu inspirieren und zu motivieren. Als ich meine Do-it-Yourself (DIY)– und Beautyvideos gemacht habe, wollte ich meine Zuschauer dazu anspornen, neue Dinge auszuprobieren. Auch wenn ich inzwischen mehr Unterhaltungscontent poste, versuche ich weiter, diese Aspekte in meinen Videos einzubringen.

Du stellst aber auch viele Produkte vor, die mit Nachhaltigkeit und umweltverträglicher Herstellung nichts zu tun haben. Dinge, die weit oben auf Greta Thunbergs Shitlist stehen würden. Wie siehst du selbst dieses Spannungsfeld "Vorbild sein" gegenüber "einfach mal Spaß am schnellen Konsum haben"?

Es wird einfach zu viel kritisiert und man lässt dabei gerne unter den Tisch fallen, was man Sinnvolles tut. Ich setze mich für gesellschaftlich relevante Themen ein, spende und motiviere meine Zuschauer, Dinge selbst zu machen. Ich liebe DIY. Für eine Baumarktkette moderiere ich einen DIY-YouTube-Kanal, der einen nachhaltigen Ansatz hat. Ich glaube, bei mir ist das alles gut im Gleichgewicht.

"Meine kleine Schwester darf 5 Minuten alles bei Amazon bestellen, was sie will" - eine solche Aussage ist natürlich auch ziemlich relevant für unsere Gesellschaft. Die meisten deiner Fans sind Teenager. Bist du dir der Verantwortung bewusst?

Ich denke schon, dass Kinder und Teenager sich viel von ihren Idolen abschauen. Darum sehe ich mich auch in der Verantwortung, kein schlechtes Vorbild zu sein und keine schlechten Werte vorzuleben. Ich versuche, wichtige Themen anzusprechen, aber ich möchte auch niemandem meine Meinung zu bestimmten Themen aufzwingen. Deshalb sehe ich mich meist eher in der Rolle, die Leute zu unterhalten und nicht, sie zu erziehen.

Du sagst in Deinen Shows oft: "Leute, das ist hart unnötig, aber witzig." Hast Du manchmal Sorge, dass 13- bis 14-jährige Zuschauerinnen unfassbar unnötige Dinge wie Mini-Waschmaschinen aus Plastik tatsächlich bestellen, nachdem du sie vorgestellt hast?

Die Zuschauer wissen schon, dass das nur Unterhaltung ist. Auch die jüngeren. Man sollte den Zuschauern ein bisschen mehr Vertrauen schenken, die können sich schon ihre eigene Meinung bilden. Ich habe in den vergangenen acht Jahren noch nie Feedback von jemandem erhalten - auch nicht von den Eltern - dass sich da jemand ein falsches Vorbild genommen hat. Man darf der jungen Generation ruhig mehr zutrauen. Die machen nicht jeden Blödsinn nach.

Für "Blödsinn machen" bezahlt zu werden, ist für viele ein Traum. Ist der Influencer-Alltag wirklich so lustig, wie er aussieht?

Er ist vor allem harte Arbeit. Auch ich habe schlechte Tage und Dinge gehen schief. Ich versuche, meinen Alltag gar nicht perfekt aussehen zu lassen, sondern zeige auch viele anderen Facetten. Das perfekte Bild möchte ich nicht vermitteln.

Zweifelst du manchmal an dir?

Klar, jeder zweifelt mal an sich selbst.

Und wie gehst du dann damit um?

Wenn etwas nicht klappt, bin ich nicht lange sauer auf mich, traurig oder enttäuscht. Ich versuche dann, aus den Fehlern zu lernen und mich nicht lange damit aufzuhalten – damit ich mich auf neue Herausforderungen konzentrieren kann.

Was unterscheidet dich von anderen Influencern?

Vermutlich ist der größte Unterschied, dass ich auch nach acht Jahren immer noch genau so viel Spaß daran habe wie am ersten Tag – und dass es mir nicht ums Geld geht. Aktuell hören viele meiner Kollegen auf. Das will ich auf keinen Fall. Vermutlich werde ich mit 45 Jahren noch YouTube-Videos drehen – wenn es die Plattform dann noch gibt. (lacht)

Wie viele deiner Posts sind bezahlt?

Das ist unterschiedlich. Ich habe etwa vier Werbekooperationen pro Monat.

Kommt der Großteil des Geldes inzwischen über einzelne Sponsorendeals oder über die Schauspielerei herein? Oder sind die Tantiemen von YouTube weiterhin die wichtigste Einkommensquelle?

Allein schon der Begriff "wichtige Einkommensquelle" gehört überhaupt nicht in mein Leben. Es gibt Jobs, die machen mir wahnsinnig viel Spaß, die mache ich sogar umsonst. Und dann gibt es natürlich Aufträge, für die ich ordentlich bezahlt werde. Sei es stetes Reisen oder das Moderieren einer Award-Verleihung. Da hat mein Management ein gutes Händchen, einzuschätzen, was wie viel wert ist. Die Einnahmen, die ich über YouTube erhalte, sind unabhängig davon, wie viel Arbeit ich hatte. Manchmal brauche ich zwei Wochen für ein Video, investiere viel Zeit und Geld. Und wenn das Video am Schluss kaum geklickt wird, lohnt sich das finanziell nicht. Aber ich bin froh, dass ich damit überhaupt Geld verdienen kann.

Sparst du das Geld?

Oh ja. Ich war schon immer sehr sparsam. Es passiert selten, dass ich mir etwas Teures kaufe – wie eine Handtasche. Eine größere Investition war ein neues Bett. Da habe ich mich schweren Herzens von meinem Jugendbett getrennt. Manchmal werde ich von Freunden oder der Familie aufgemuntert, mir mehr zu gönnen. Aber das fühlt sich für mich meistens falsch an.

Warum falsch?

Ich bin ein kleiner Sparfuchs und tue mich schwer, große Summen für Dinge auszugeben, auch wenn ich sie mir leisten kann und schon super lange haben möchte. Wenn ich es dann aber doch mache, freue ich mich umso mehr darüber.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Ich hoffe mit tollem Mann und zwei Kindern in einem schönen Häuschen. Vielleicht poste ich Koch-Tutorials auf meinem YouTube-Kanal. Meine Familie werde ich sicherlich nicht sehr stark in die Öffentlichkeit ziehen. Ich hoffe, ich kann dann auch noch weiter schauspielern.

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