Donnerstag, 23. Januar 2020

Modedesigner Jeremy Hackett "Alpha-Wölfe wollen beraten werden"

Mode von Jeremy Hackett: Very, very british
Hackett

Der Modemacher Jeremy Hackett ist eine Bastion urbritischen Stilbewusstseins. Er findet, dass jeder Mann mindestens ein blaues Jackett braucht, dass modisch keiner ohne sportliche Anklänge auskommt - und dass vor allem Führungskräfte große Angst haben, beim Anziehen etwas falsch zu machen.

Hackett: Sie haben gleich zwei Aufnahmegeräte? Wie deutsch ist das denn?

mm: Doppelt genäht hält besser. Ich bin da leicht zwanghaft. Aus Angst, eines würde ausfallen...

Hackett: Hm, die Deutschen, immer wieder interessant, gehen gern auf Nummer sicher...

mm: Wir hätten da eine Gegenfrage zum Thema. Bei unserem letzten Treffen gestanden Sie uns, Sie hätten eine Schwäche für blaue Blazer; sie hätten so viele, dass Sie ihnen, wir zitieren "zu den Ohren herauskämen". Ist das nicht auch leicht zwanghaft?

Hackett: Ein Gentleman kann nie genug blaue Blazer und Jacketts haben! Was für Damen das "kleine Schwarze" ist für mich eine blaue Jacke. Es gibt sie in so vielen Varianten, sie müssen keineswegs verschnarcht "Jean und Jack" sein. Das ist unser britisches Lieblingsklischee für jene hochgestochenen Golf-Club-Mitglieder, die nur an der Bar stehen, langweilige alte Geschichten von sich geben - und einen blauen Doppelreiher mit Goldknöpfen tragen. Ein blauer Blazer ist das mutmaßlich meistverkaufte Kleidungsstück für Herren weltweit!

mm: Und? Wieviele haben Sie nun?

Hackett (denkt nach): Ich gestehe, aktuell etwa ein Dutzend.

mm: Wie wir an Ihrem Jackett bemerken, tragen Sie heute eins mit Silberknöpfen...

Hackett: Fühlen Sie mal, das Jackett ist etwa zehn Jahre alt, der feinste Flanell aus der ältesten Weberei in Glasgow, das ist Qualität! Die Knöpfe sind reines Sterlingsilber -und hier!- im mittleren, nur dem, sind meine Initialen graviert - a simple touch!

mm: Ist das wieder so eine typisch britische-traditionelle Idee, die Sie verfremdeten bzw. modernisierten?

Hackett (lächelt verschmitzt): Ja, in England ist es Tradition, dass ein junger Mann zum 21. Geburtstag Manschettenknöpfe mit seinem Monogramm bekommt. Ich liebe derlei Dinge, weil sie so persönlich sind; sie gehören zu deiner Identität, deiner persona. Und ich spiele gerne damit.

mm: Ihr Markenzeichen ist es ja, klassische britische Designs mit dem gewissen Etwas, einem kleinen Kick, aufzumöbeln. Ein Cardigan mit Verblendung aus britischen Uniformen beispielsweise. Noch vor ein paar Jahren vertraten Sie ja die These, dass man sich dem Manne in Sachen Mode nur ganz vorsichtig nähern dürfe, denn im Prinzip habe der Mann Angst davor.

Hackett: Interessant, das Sie unser damaliges Gespräch erwähnen, gerade jetzt, vor unserem Interview, traf ich einen Iren, der sich beklagte, wie konservativ doch seine Landsleute seien. Man habe dort eine wahre Phobie vor Farben. Und diese beginne bereits bei "dunkelbraun". Er wisse nicht, was er anziehen solle, und fragte mich um Rat.

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