Sonntag, 15. Dezember 2019

Denim-Hosen von Tilmann Wröbel Bleu Couture

Edel-Denims: Eine Jeans für 6000 Euro
Nadel & Pen

Der deutsche Modemacher Tilmann Wröbel verarbeitet in Paris nur einen Stoff: Denim. Seine 6000 Euro teuren Jeans-Hosen sind handgefertigt und so kostbar, dass man sie nie waschen darf.

Paris - Mühsam bohrt sich die dicke Nadel durch den festen, dunkelblauen Stoff. Mit vielen kleinen Stichen setzt Näherin Annie die "triplure", eine kleine vorgerundete Einlage, in den Bund der Hose. Wenn die Jeans später das Atelier in Saint-Maur-des-Fossés bei Paris verlässt, wird sie dafür sorgen, dass der Stoff sich wie eine zweite Haut um die Hüfte seiner Trägerin schmiegt. Zum ersten Mal stellt Nadel & Pen eine Frauenhose her.

Bisher hat Gründer Tilmann Wröbel nur Jeans für Männer maßgefertigt. Die enge Capri-Denim mit Knieverstärkungen wie bei einer Motorradhose hat eine Managerin aus San Francisco geordert. Eine schwierige Aufgabe für Wröbel, denn er verwendet aus Prinzip keinen synthetischen Stretch. Mit seiner Marke Nadel & Pen hat sich der gebürtige Düsseldorfer dem Kunsthandwerk verschrieben: Jeder Stich ist handgenäht (Nadel), jede persönliche Note - ob Initial, Geburtstag oder Glaubenssatz - per Hand in die Hose gestickt (Pen).

Wröbel arbeitet mit feinstem Rohmaterial aus England, Italien oder Japan. Einer der Stoffe wird wochenlang eingegraben, weil das Indigo-Pigment unter der Erde richtig in den Faden eindringt und hält. "Davon werden im Jahr bloß 20 oder 30 Meter hergestellt", erzählt der 49-Jährige. Die Caprihose mit den verstärkten Knien gelingt ihm auch ohne Elasthan. Er dreht den Stoff, so dass die Webrichtung nicht vertikal, sondern horizontal läuft. So erzielt er einen leichten Stretcheffekt.

Wröbel nennt seine Hosen Denims, nicht Jeans. Auch wenn sich seine Kreationen von herkömmlichen, massenproduzierten Jeans zunächst kaum unterscheiden: Sie sind ebenfalls meist blau, haben fünf Taschen und die typischen Steppnähte. "Um die Qualität zu erkennen, muss man sie getragen haben", sagt der Designer. Wer genau hinsieht, erkennt ihre Besonderheiten aber auch so. Die Stickereien und unregelmäßigen Kreuzstiche, die handgravierten goldenen oder silbernen Knöpfe, das Innenfutter aus wilder Seide.

16.000 Stiche für eine Hose

Jedes Detail wird nach den Vorstellungen des künftigen Trägers hergestellt. Wröbel besucht seinen Kunden zu Hause oder im Hotel, notiert dessen Wünsche. Dann wird das Design abgestimmt, und Annie beginnt zu nähen: 140 Stunden und um die 16.000 Stiche benötigt sie für die Maß-Denim. Drei Monate vergehen bis Auslieferung.

Anfangs hat Wröbel die Hose für 5000 Euro angeboten, aber damit konnte er gerade mal seine Kosten decken. Mittlerweile nimmt er für ein Nadel & Pen-Modell 6000 Euro. Ziemlich viel für eine Jeans, ziemlich wenig für eine Haute-Couture-Kreation, wie sie die Häuser herstellen, in denen Wröbel gelernt hat.

Dass der Exil-Deutsche einmal in der Modebranche landen würde, zeichnete sich früh ab. Schon als kleiner Junge kleidete er seine Actionfiguren ein. Als Teenager ging er in die Stadtbibliothek zu der Wand mit den Modebüchern, fing bei A an und hörte drei Jahre später bei Z auf, ohne ein Buch auszulassen. Er las von der Modeschule in Paris, auf die auch Yves Saint Laurent gegangen war. Mit 21 begann er sein Studium dort, an der Chambre Syndicale de la Couture Parisienne.

Nach seinem Abschluss gewann er den renommierten Prix du Comité Colbert. Robert Ricci, der damalige Chef von Nina Ricci und Sohn der Markengründerin, wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn in sein Haute-Couture-Studio. "Ich war der Vorzeigeschüler", sagt Wröbel. Seine Mutter sah in ihm schon den nächsten Lagerfeld, doch so richtig wollte Wröbel nicht in die feine Pariser Modewelt passen.

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