Kragen, Passform, Muster Welches Hemd kleidet welchen Mann?

Von Andreas Rose
Foto: Maurizio Degl' Innocenti/ picture alliance / dpa
Andreas Rose

Andreas Rose hilft als Personal Shopper und Stilcoach seinen Kunden dabei, das richtige Outfit zu finden. Der Modeberater ist seit 25 Jahren in der Branche. In seinem Style-Blog  berichtet er über die neuen Trends der internationalen Modeszene.

Hemden sind Alleskönner. Sie verkürzen und verlängern, verschlanken und verbreitern - je nach Wunsch und Bedarf. Sie können modisches Statement sein oder den Stil unterstreichen. Und im Vergleich zu früher, wo man von ihnen nur einen winzigen Ausschnitt sah - das was Anzug und Krawatte nicht bedeckten, sind Hemden heute viel präsenter, auch beim Businessoutfit. Spätestens in der Kantine oder beim After-Work an der Bar. Eben deshalb sollten Männer beim Hemdkauf nicht nur Farbe und Größe berücksichtigen.

In diesem Hemdberater erfahren Sie, worauf es ankommt, wenn Sie ein passendes Businesshemd finden wollen.

So finden Sie die richtige Größe

Für die optimale Hemdgröße gelten folgende Richtwerte: Der geschlossene Kragen sollte den Hals so eng umschließen, dass etwa ein Finger dazwischen passt. Wer keine Möglichkeit hat, das gewünschte Hemd anzuprobieren, sollte zumindest seinen Halsumfang kennen - oder diesen zu Hause ausmessen: hierfür wird das Maßband auf der Höhe des Kehlkopfs angelegt, also dort, wo sich auch der Hemdkragen befindet. Zu dieser Größe wird ca. ein Zentimeter addiert. Damit ist man auf der sicheren Seite, denn Konfektionsgrößenangaben im Etikett à la 52 oder XL variieren sehr stark nach Land und Hersteller. Zweitwichtigstes Kriterium für die Hemdgröße ist der Taillenumfang. Dazu legt man das Maßband im Stehen auf der Höhe des Bauchnabels um den Körper. Korpulentere Männer wählen stattdessen die Stelle, wo ihr Bauchumfang am größten ist. Das Maßband sollte nicht zu eng angelegt werden und der Bauch beim Messen nicht eingezogen werden. Zum Messwert addiert man einen Spielraum von ca. fünf Zentimetern. Liegt der Wert zwischen zwei Hemdgrößen, empfiehlt es sich, das größere Hemd zu wählen.

Welche Form welchem Mann passt

Achten Sie beim Kauf auf die Passform

Achten Sie beim Kauf auf die Passform

Foto: Valentyn Ogirenko / REUTERS

Hand in Hand mit der Wahl der Größe geht der Schnitt: So stehen die Begriffe Comfort Fit und Loose Fit für weit geschnittene Hemden mit relativ geradem Verlauf. Diese Hemden eignen sich für Männer mit einer kräftigeren Statur, bei schlankeren Männern wirkt dieser Schnitt dagegen lässig und bequem. Modern Fit und Regular Fit steht für einen leicht taillierten Schnitt und wirkt bei Männern mit durchschnittlicher Figur klassisch elegant. Body Fit und Slim Fit - manchmal noch gesteigert durch Super Slim Fit - bezeichnet einen sehr figurbetonten Schnitt mit breiten Schultern und enger Taille, passend für einen sportlichen bis athletischen Körperbau.

Als Richtwert für die richtige Hemdlänge gilt: Stecken sie das Hemd beim Anprobieren in die Hose und bewegen Sie sich leicht, führen Sie die Arme nach oben. Ein passendes Hemd macht diese Bewegung mit, ohne Falten zu werfen oder aus der Hose zu quellen. Auch die Armlänge sollte man beim Hemdkauf prüfen: Dazu misst man von der Schulterspitze, das heißt vom äußersten Rand des Schulterknochens, am leicht angewinkelten Arm entlang über den Ellbogen bis zur Daumenwurzel.

Die Hemdsärmel sollten bei leicht angewinkeltem Arm etwa ein bis zwei Zentimeter über das Handgelenk hinausreichen, eben bis zum Anfang der Daumenwurzel. Ebenfalls um die ein bis zwei Zentimeter sollte der Hemdsärmel bei hängenden Armen aus dem Ärmel des Sakkos hervorlugen. Der Einfachheit halber ist das Sakko bei der Hemdanprobe immer dabei.

Die aktuellen Muster und Farben

Blau wirkt seriös und lässt sich gut kombinieren

Blau wirkt seriös und lässt sich gut kombinieren

Foto: Kuhn Maßkonfektion

Hier hat sich viel getan in Richtung Da geht was! Auf dem Vormarsch ist die Farbe blau - in hellen und dunklen Tönen, weil Blau seriös wirkt und ähnlich vielfältig kombinierbar ist wie weiß. Auch schwarz kann sich sehen lassen - mit der passenden Anzugfarbe, hier empfiehlt sich ein helles Grau.

Das beige Hemd ist ein guter Kompromiss für Unentschlossene, die sich nicht entscheiden können zwischen weiß und farbig. Neben unifarbenen Hemden öffnet sich der Businesslook zunehmend für Muster: vor allem dezente Streifen und sehr feine Karos.

Hier sollte man beachten, dass der Look nicht "übermustert" wird, das heißt, wer sich unsicher ist, wählt dazu statt einer gemusterten Krawatte besser eine unifarbene, die keinen zu starken Kontrast bildet. Trotzdem: Wer auf Nummer sicher setzen will, liegt mit Weiß immer richtig. Gerade beim Businessoutfit.

Welcher Kragen mit welcher Gesichtsform harmoniert

Stimmen Sie den Kragen auf Ihre Gesichtsform ab

Stimmen Sie den Kragen auf Ihre Gesichtsform ab

Foto: Seidensticker

Es mag auf den ersten Blick spitzfindig wirken, die Kragenform in die Hemdwahl miteinzubeziehen. Zumal sich die Mode verabschiedet hat von ausladenden Kragen wie sie vor allem in den 70s angesagt waren. Damals lief man Gefahr, vom Boden abzuheben, wenn man es eilig hatte. Heute zoomt die Modebranche auf die feinen Unterschiede. Und diese finden sich vor allem im Abstand der Kragenspitzen zueinander - Fachleute sprechen von der "Spreizung" des Kragens und sortiert diese Unterschiede im Kragenwinkel mit zahllosen Namen wie Kent-Kragen, Haifischkragen, Cutaway, Spreizkragen, Button-down.

Je nachdem, wohin die Kragenspitzen zeigen, also mehr nach außen oder mehr zur Mitte, ergibt sich auch der passende Krawattenknoten. Faustregel: Je größer die Spreizung des Kragens, desto größer darf der Krawattenknoten sein. Und umgekehrt.

Auch betonen Experten, dass bestimmte Kragenformen mit bestimmten Gesichtsformen und Halsstärken harmonieren. So empfehlen Kenner einen relativ spitzen Spreizungswinkel am Kragen für breite und runde Gesichter, um diese optisch zu verlängern. Entsprechend helfen Kragen mit relativ weiter Spreizung, schmale Gesichter optisch zu verbreitern.

Was Sie bei Material und Qualität beachten sollten

Garantiert hochwertig: Vor einigen Jahren ließ sich der indische Geschäftsmann Pankaj Parakh ein Hemd schneidern, das aus purem Gold gewebt war (und rund 200.000 US-Dollar wert war). Aber es gibt auch günstigere Hemden, die sehr gut und qualitätvoll gearbeitet sind.

Garantiert hochwertig: Vor einigen Jahren ließ sich der indische Geschäftsmann Pankaj Parakh ein Hemd schneidern, das aus purem Gold gewebt war (und rund 200.000 US-Dollar wert war). Aber es gibt auch günstigere Hemden, die sehr gut und qualitätvoll gearbeitet sind.

Foto: Str/ dpa

Wie erkennt man ein hochwertiges Hemd? Vor allem am Material und an der Verarbeitung. Kunstfasern sind zwar bei Sportkleidung beliebt, weil sie leicht sind, elastisch, formstabil und schnell trocknen. Bei Businesshemden sollte man sie jedoch vermeiden. Kunstfaserhemden kleben bei Hitze schnell auf der Haut und riechen unangenehm.

Dank der technischen Entwicklung erreichen heute auch Baumwollstoffe eine relativ hohe Elastizität, etwa Dynamic Cotton, ein Gewebe, das obendrein bügelfrei ist. Baumwolle und Leinen bleiben nach wie vor die wichtigsten und häufigsten Hemdstoffarten, vertreten durch hochwertige Webarten wie Chambray, Fil-à-Fil, Fischgrat, Oxford und Popeline.

Was die Verarbeitung betrifft, lassen sich auch für Laien einige elementare Kriterien überprüfen. Bei den Nähten entscheidet die Stichfrequenz: Je dichter und kleiner die Stiche, desto besser. Und doppelt genäht hält wirklich besser. Ein gutes Hemd erkennt man auch anhand der passende Anschlüssen bei der Musterung: Das Muster - Streifen oder Karos - verläuft auch über Nahtstellen hinweg gleichmäßig weiter. Ein guter Kragen ist verstärkt - manche Hemden haben die Kragenstäbchen eingenäht, bei anderen sind sie herausnehmbar. Das ist letztlich Sache des Geschmacks und wie viel Aufwand man betreiben will.

Unbedingt sollte man einen Blick auf den Hemdrücken werfen, der bei guten Hemden stets etwas länger ist als die Vorderseite, um zu vermeiden, dass das Hemd beim Bücken aus der Hose rutscht. Auch eine Rückenpasse kennzeichnet ein Qualitätshemd. Dieser eingearbeitete Spielraum erlaubt dem Träger Bewegungen zu machen, ohne das Hemd zu spannen - selbst bei einem relativ engen Schnitt. Zu guter Letzt kann auch der Preis als Orientierungshilfe dienen, sofern man ihn nicht als einziges Kriterium heranzieht. Pi mal Daumen: ein solides Hemd gibt es ab rund 50 Euro aufwärts, Spitzenhemden beginnen beim doppelten Preis.

Das sind die aktuellen Trends

Stilvoll mit weißem Hemd: Karl Lagerfeld (hier mit Silvia Venturini) bei der diesjährigen Modewoche in Mailand

Stilvoll mit weißem Hemd: Karl Lagerfeld (hier mit Silvia Venturini) bei der diesjährigen Modewoche in Mailand

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

Ein Blick auf den Freizeitlook zeigt: die Mode läuft weiter in Richtung anything goes. Die Etikette öffnet sich weiter. Nicht alles ist erlaubt, aber immer mehr. Und: Unisex sells! Sprich: Männer- und Frauenmode nähern sich weiter an. Wer sich schwertut mit so viel Freiheit - kein Grund für Sorgenfalten. Zumindest beim Businessoutfit bewegt sich die Mode nur in Nuancen. Bei den Hemden liegt man mit Weiß immer noch absolut richtig - vielleicht eine der letzten unveränderlichen Größen im 21. Jahrhundert.

Die Krawatten dazu dürfen wieder etwas breiter getragen werden - vorausgesetzt, sie passen zum Hemdkragen und farblich zum Gesamtbild. Leichte Farbtöne und dezente Streifen- oder Karomuster bekommt man auch in Büros häufiger zu sehen, dennoch gilt: je formeller der Anlass, desto passender ist Weiß. Generell punkten Männer bei Kleidungsfragen, wenn sie ein Zitat von Giorgio Armani beherzigen (hier sind Giorgios Armanis exklusive Stil-Tipps für das manager magazin) und lieber auf Stil setzen als auf Mode, denn "was Stil von Mode unterscheidet, ist die Qualität."

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