Donnerstag, 22. August 2019

Haute Couture in Paris Wurst in Tüll

Haute Couture in Paris: Die schönsten Modelle
AFP

Versace, Schiaparelli, Dior und Chanel: Bei der Haute-Couture-Schau in Paris präsentieren die Top-Modehäuser ihre Entwürfe für Herbst/Winter 2014/15. Gaultier holte Conchita Wurst auf den Laufsteg.

Paris - Mit Dragqueen Conchita Wurst (25) als Laufsteg-Mannequin hat Designer Jean Paul Gaultier am Mittwoch einen Trumpf bei den Pariser Haute-Couture-Schauen ausgespielt. Unter johlendem Beifall führte die bärtige Gewinnerin des Eurovision-Song-Contest feierlich ein schwarzes langes Kleid, geschmückt mit rotgoldenen Ornamenten, aus Gaultiers Couture-Kollektion für Herbst/Winter 2014/15 vor. Die Schau stand ganz im Zeichen des Morbiden: Hintergrund des Laufstegs war eine Art Gruft, von Kerzen erleuchtet.

Die Models kamen mit blutrotem Mündern und dunkel umrahmten Augen in Dracula-Manier heraus. Die auf Figur geschneiderten Entwürfe, meist in Schwarz, aber auch mal in Gold oder Blutrot, warteten mit Details wie hohen Fledermauskrägen, an Dornen erinnernden Säumen, feiner weißer Spitze und flügelartigen Plissierungen auf. Gaultier schwelgte dabei in Samt, Pelz und Seide. Trotz des Gruftie-Looks eigneten sich fast alle Gewänder als partytaugliches Cocktail- oder Abendoutfit.

Donatella Versace hatte die Haute Couture-Schauen Herbst/Winter 2014/2015 in diesem Jahr eröffnet. Und sie ging in die Offensive - mit scharfkantigen Kleidern, die viel Haut offenlegen. Die Mailänder Designerin kontrastierte klare Formen und gedeckte Farben mit auffallenden Details - metallischen Stickereien, schillernden Lurex-Shirts, glänzenden Nass-Effekten, Fellbesatz und Lederfransen. Viele Outfits waren asymmetrisch geschnitten mit Trägern, die nur über eine Schulter verliefen oder einteiligen Anzügen mit nur einem Hosenbein.

Der fast aggressiv zu nennende Start könnte auch ein weiteres Zeichen für die Expansionspläne der Marke sein. Das Modehaus hatte im vergangenen Februar 20 Prozent seiner Anteile an die US-Investmentgesellschaft Blackstone verkauft.

Derweil ging der "Staffelstab" an die nächsten Modehäuser weiter. Während Jennifer Lopez die Versace-Show besuchte, kam Hollywood-Schauspielerin Jennifer Lawrence ausgerechnet zur Schau von Dior-Designer Raf Simons etwas spät. Dafür posierte die Leinwandgröße, die auch für das französische Modehaus wirbt, im rückenfreien kurzen Dior-Dress extra noch im Schnelldurchgang für die Fotografen. Das Warten lohnte sich: Simons wagte in seinen Entwürfen der "Hohen Schneiderkunst" für Herbst/Winter 2014/15 einen gekonnten Ritt durch die Modegeschichte und wieder zurück in die Zukunft.

Wadenlange, zart bestickte Seidenjacquard-Kleider in strahlendem Weiß oder sanftem Silber erinnerten mit ihren Reifröcken an die üppigen Tournüren des 18. Jahrhunderts, wirkten aber dank sportlicher Tops modern. Geschmückte Manteljacken im Stil des historischen Justeaucorps ergaben mit dunkelblauen schmalen Hosen und Rollkragenpullovern ein zeitgemäßes Outfit. Und der für Christian Dior (1905-1957) so typische New Look erschien in einer "Light"-Version als zart plissiertes Kleid mit weitem Rock in Pastelltönen.

Zanini und die Sanduhr-Silhouette

Surreal und doch irdisch, nostalgisch und dennoch modern ging es unterdessen bei Designer Marco Zanini zu. Es war die zweite Kollektion des Italieners für das von Elsa Schiaparelli (1890-1973) gegründete Modehaus Schiaparelli, das zuvor rund 60 Jahre lang in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war.

Zanini verordnete der von ihm gewählten Sanduhr-Silhouette der Kleider Tragbarkeit durch fließende Stoffe. Prachtvolle Stickereien mit Perlen und Kristallen setzte er wohldosiert ein, kostbare Felle wirkten an keiner Stelle protzig, und auch bizarre Druckmotive wie Ratten erschienen eher schön als schrecklich.

Modern gab sich auch Karl Lagerfeld, der nach seiner Chanel-Schau das Mode-Event als "Couture ohne Couture" bezeichnete. Doch was er auf die Bühne schickte zeugte davon, dass sich der Designer in Hochform zeigt. Verpasste er doch geschickt den traditionellen Haute-Couture-Elementen eine dezidiert moderne Note.

Unter dem perfekt gearbeiteten Tweedkostüm in Creme, Grau oder Schwarz mit schwingenden Schößen lugte eine Radlerhose in gleichem Stoff hervor. Stickereien in Form von Blüten oder Ornamenten schillerten in den Leuchtfarben von LED-Displays und waren teils geometrisch angeordnet. Die Models liefen auf flachen Schleifensandalen oder Stiefeln durch die an einen Salon erinnernde Laufstegkulisse.

"Hohe Schuhe dazu wären nicht zeitgemäß gewesen", meinte Lagerfeld dazu. Seine Abendkleider waren aus Neopren geschneidert und rundeten sich unter der erhöhten Taille wie hingegossen - ganz ohne Raffungen oder Reifrock. "Wenn ich diese Kleider aus Duchesse-Satin entworfen hätte, dann hätten sie unelegant gewirkt", erklärte Lagerfeld dazu.

akn, dpa, dpa-afx, mh

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