Dollar-Schwäche lässt Goldpreis steigen Der Goldpreis-Anstieg, der nie in Euro-Land ankam

Seit einigen Wochen fällt der US-Dollar, und der Goldpreis steigt. Für Fans des Edelmetalls in der Euro-Zone bedeutet das: Sie schauen in die Röhre.
Goldbarren: Der Preis des Edelmetalls hängt stark vom Dollar-Kurs ab.

Goldbarren: Der Preis des Edelmetalls hängt stark vom Dollar-Kurs ab.

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Währungskrise, Kursrutsch, Wirtschaftsflaute: Was ist eigentlich mit den Schwellenländern los?

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Selten befanden sich die Devisenmärkte so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit wie derzeit. Der Fokus richtet sich dabei vor allem auf die Währungen vieler Schwellenländer, die erheblich unter Druck geraten sind: Die türkische Lira etwa verlor gegenüber dem Euro in diesem Jahr bereits 40 Prozent an Wert. Beim argentinischen Peso beträgt das Minus sogar noch deutlich mehr.

Die Wertverluste beruhen in beiden Fällen vor allem auf den wirtschaftlichen Schieflagen der Länder, durch die das Vertrauen an den Finanzmärkten offenbar empfindlich gestört wurde. Sowohl die Türkei als auch Argentinien haben über die Jahre große Defizite in ihren Leistungsbilanzen aufgebaut sowie hohe Schulden, insbesondere im Ausland. Zudem ist in beiden Fällen - in Argentinien mehr, in der Türkei noch etwas weniger - die Inflation nahezu außer Kontrolle geraten, was die jeweiligen Notenbanken schon beinahe verzweifelt an der Zinsschraube drehen lässt.

Als weiterer Belastungsfaktor hinzu kommt die Zinspolitik der US-Notenbank, die auch anderen Schwellenländern zu schaffen macht: Die Zinserhöhungen der Fed haben in den vergangenen Monaten auf den Finanzmärkten viel Kapital in Richtung USA gelenkt - und weg von den Emerging Markets.

In der Folge sind sogar Währungen von Schwellenländern unter Druck geraten, die eigentlich wirtschaftlich gut dastehen. Bestes Beispiel ist Indien: Die Wirtschaft wächst mit Raten im hohen einstelligen Prozentbereich, auch die Leistungsbilanz des Landes ist eigentlich im Lot - doch die Rupie hat beispielsweise gegenüber dem Euro in diesem Jahr bereits mehr als 10 Prozent an Wert verloren.

Es gibt indes eine Wechselkursbewegung am internationalen Devisenmarkt, die angesichts des Trubels um Lira, Peso, Rupie und Co ein wenig unterzugehen scheint: Der US-Dollar, der während der ersten Monate des Jahres eine beträchtliche Stärke gezeigt hatte, befindet sich seit einigen Wochen etwa gegenüber dem Euro wieder merklich auf dem Rückzug. In dieser Woche etwa erreichte der Euro bei knapp 1,18 Dollar den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Das Plus gegenüber einem Tiefpunkt Mitte August beträgt bereits 3 Prozent.

Als Grund für das plötzliche Wiedererstarken der europäischen Währung gegenüber jener aus den USA nennen Beobachter unter anderem die zuletzt angeblich schwindende Sorge um die Schwellenländer sowie um die wirtschaftlichen Folgen eines weltweiten Handelsstreits. Beides führe zunehmend zu einer Umschichtung von Geldern von Dollar in Euro, heißt es am Finanzmarkt.

Während der Goldpreis in Dollar steigt, fällt er in Euro

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Zudem gibt es noch eine andere mögliche Erklärung für die neuerliche Schwäche des US-Dollars: Als die US-Notenbank vor einigen Jahren ihren Kurs der ultra-lockeren Geldpolitik verließ, die Wertpapierkäufe beendete und einen Zyklus von Zinsanhebungen startete, begann sie zugleich auch, die Attraktivität des Dollar-Raums für Kapitalanleger zu erhöhen. Gelder wurden in die USA transferiert, wo höhere Zinsen und Renditen zu erwarten waren - und dadurch erhielt der Dollar-Kurs Unterstützung.

Inzwischen jedoch erscheint relativ klar, welchen Kurs die Notenbank Fed bei den weiteren Zinssteigerungen einschlagen wird. Die Fantasie ist in dieser Hinsicht ist also womöglich auch aus Sicht der Akteure an den Finanzmärkten weitgehend verschwunden. Oder umgekehrt formuliert: Die Aktivitäten der Fed wurden inzwischen möglicherweise vollständig vom Markt antizipiert und sind daher auch komplett in die Preise der Währungen eingeflossen.

Die Devisenanalysten der Commerzbank beispielsweise sehen das so. "Der positive Effekt der geldpolitischen Divergenz zugunsten des Dollars läuft aus", sagt etwa Thu Lan Nguyen, Analystin bei der Bank. Dies bedeute, der Markt habe den Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank Fed mittlerweile in die Wechselkurse voll eingepreist. "Mag sein, dass ein oder zwei Zinsschritte mehr kommen als aktuell erwartet", so Nguyen. "Das ist aber kaum mehr relevant für die Währung."

Wenn die Annahme stimmt, so könnte das weitreichende Folgen für die Kapitalanlage haben. Besonders erfreulich wären dabei wohl die Aussichten für Investoren am Goldmarkt: Kaum ein Asset korreliert so stark mit dem US-Dollar wie Gold - und zwar in die entgegengesetzte Richtung. Weil das Edelmetall weltweit in Dollar gehandelt wird, verteuert es sich für Akteure außerhalb des Dollar-Raums mit jedem Cent, den der Kurs des Greenbacks in die Höhe steigt. Der dadurch ausgelöste Nachfragerückgang lässt regelmäßig auch den Goldpreis fallen.

Wie die Kurscharts von Dollar sowie Gold zeigen, war der umgekehrte Gleichschritt mindestens in den vergangenen fünf Jahren deutlich zu beobachten: Steigt der Dollar, so fällt der Goldpreis, und anders herum.

Auch in diesem Jahr befand sich der Goldpreis auf Talfahrt, solange der Dollar zulegte. Seit jedoch die US-Währung vor einigen Wochen die Richtung geändert hat, geht es auch mit dem Edelmetall wieder aufwärts. Allein seit Mitte August hat Gold inzwischen etwa 3 Prozent an Wert gewonnen.

Einen Haken hat die Überlegung allerdings, und zwar in diesem Fall ausgerechnet auch für Anleger im Euro-Raum. Verliert der Dollar gegenüber der eigenen Währung an Wert, so hebt dies den Effekt der dadurch ausgelösten Goldpreissteigerung im entsprechenden Maße wieder auf.

Oder im Klartext ausgedrückt: Die Dollar-Schwäche hat zwar in den vergangenen Wochen womöglich zum Anstieg des Goldpreises in Dollar beigetragen. Euro-Anleger haben aber nicht viel davon, weil sich beide Kursveränderungen gegenseitig aufheben. Der Goldpreis in Euro ist seit Mitte August daher nicht gestiegen, sondern im Gegenteil sogar leicht weiter gesunken.