Donnerstag, 27. Juni 2019

NSA-Schutz von Coop Himmelb(l)au  Abhörsicher ummantelt

Abhörsicher: Der Anti-NSA-Mantel von Coop Himmelblau
Markus Pillhofer

Wie Harry Potter mit einem Tarnumhang unsichtbar durch die Welt gehen. Das österreichische Architekturbüro Coop Himmelb(l)au hat diese Phantasie für die digitale Welt weitergesponnen. Das Resultat: ein Mantel, der vor NSA, Google und digitaler Ortung schützt.

Hamburg - Eigentlich baut der Architekt Wolf Dieter Prix Gebäude - kolossale Konstrukte wie die BMW-Welt in München, den Neubau der EZB in Frankfurt am Main oder das Musée des Confluences in Lyon. Für die Ausstellung "Abiti da lavoro", (zu deutsch profan "Arbeitskleidung") im Rahmen der Ende Juni in Mailand startenden Triennale ist der Mitgründer des Architekturbüros Coop Himmelb(l)au unter die Designer gegangen. Allerdings - wie bei seinen Gebäuden - mit einem eher extravaganten und ziemlich ungewöhnlichem Ansatz.

Prix und sein Team haben einen Tarnmantel entworfen, der es seinem Träger ermöglicht, von der digitalen Bildfläche zu verschwinden. "Google kann dich nicht mehr finden", beschreibt Prix den Zweck des an einen gigantischen Bademantel erinnernden Kleidungsstücks. Möglich machen dies den Machern zufolge metallische Fasern, die selbst Radiowellen abblocken und den Träger so digital nicht mehr auffindbar machen.

Selbst unter dem Mantel verborgene Kreditkarteninformationen seien nicht mehr auslesbar, betonen die Designer. Dafür, dass möglichst viel Geräte in den digitalen Untergrund mitgenommen werden können, sorgen im "Jammer Coat" (zu deutsch "Störsender-Mantel") zahlreiche Taschen für Tablets, und Smartphones

Mit der anziehbaren Unsichtbarkeit geht allerdings auch Unerreichbarkeit einher - zumindest digital. Anrufe können nämlich auch nicht mehr empfangen werden.

Und die Macher des Tarnmantels setzen in ihrem Freiheitsdrang noch einen oben drauf. Um von der Körperform des Trägers abzulenken, ist das wallende Kleidungsstück in einem aus Punkten bestehenden Wellenmuster gehalten, was "die lllusion einer Vielzahl seltsamer Körperteile" produzieren soll.

Dass bei so viel Ablenkung die Praktikabilität auf der Strecke bleibt, überrascht da nicht wirklich. Aber schließlich ist der "Jammer Coat" ja auch ein Ausstellungsstück.

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