Sonntag, 22. September 2019

Warum Sie Businessmode-Ratgeber ignorieren sollten (außer diesen) Dress as you are!

Businessfrauen werden überschüttet mit Ratschlägen, mit welcher Kleidung sie ihre männlichen Kollegen angeblich beeindrucken können. Doch Power-Dressing unterdrückt Weiblichkeit und Persönlichkeit, statt deren Vorzüge zu betonen.

Getty Images/Cultura RF
Andreas Rose
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    Andreas Rose hilft als Personal Shopper und Stilcoach seinen Kunden dabei, das richtige Outfit zu finden. Der Modeberater ist seit 25 Jahren in der Branche. In seinem Style-Blog berichtet er über die neuen Trends der internationalen Modeszene.

Viel zu lange wird Frauen schon eingehämmert, dass sie sich wie Männer kleiden müssen, um nach oben zu kommen. Und viel zu lange repräsentierten die wenigen Frauen, die sich in einer Männerwelt durchsetzen konnten, eben genau das: Frauen, die so weiblich waren wie ein Schreibtisch, verkörpert durch den Prototyp Maggie Thatcher.

Wie lächerlich diese Vorstellung von Power-Dressing ist, zeigte bereits 1988 die Filmkomödie Die Waffen der Frauen (Working Girl). Auf einer Firmenparty macht Harrison Ford seiner Filmpartnerin Melanie Griffith ein schönes Kompliment: "Sie sind die erste Frau auf einer dieser Veranstaltungen, die sich wie eine Frau kleidet und nicht, wie eine Frau denkt, dass ein Mann sich kleiden würde, wenn er eine Frau wäre."

Im Büro hätte Harrison Ford ihr dieses Kompliment sicher nicht gemacht: Da trägt Melanie Griffith etwas, das aussieht wie ein grau kariertes Oversize-Sakko, als gehe sie auf eine Mottoparty "American Football" und nicht zu ihrer neuen Arbeitsstelle. Dazu trägt sie eine Bluse, zugeknöpft bis zum Anschlag, und eine unförmige braune Aktentasche, in der das gesamte Equipment eines Installateurs Platz hätte.

Der Verweis auf die 1980er Jahre ist nur ein schwacher Trost. Am Prinzip des Power-Dressing hat sich seither leider wenig geändert.

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