Samstag, 14. Dezember 2019

Business-Mode Abgerissene Banker

Kaffee aus dem Plastikbecher, kein Krawattenzwang mehr - Wall Street, was ist aus dir geworden?

Der Begriff Bad Bank könnte auch in modischer Hinsicht Verwendung finden: Seit der Krise kleiden sich Banker in Amerika deutlich legerer. Nicht zuletzt deshalb, weil die Einfuhrsteuern für teure Maßkleidung kräftig gestiegen sind.

Wie lang dauert es, bis Banker in Shorts oder bauchfreiem Top zur Arbeit kommen? Das fragt sich bang die Financial Times, die in einer Umfrage unter 135 Bankern herausfand: Die Finanzgrößen kleiden sich immer legerer.

59 Prozent unterstellen ihren Kollegen, schlechter gekleidet zu sein als noch 2009. Und nur noch 54 Prozent bejahen die Frage, ob in ihrem Arbeitsumfeld Krawatten getragen würden. Der Schluss liegt nahe, das könne der Einsicht in die eigene Fehlbarkeit geschuldet sein - eine Demutsgeste. Aber keineswegs: Vor kurzem hatten die USA damit begonnen, bei den Einfuhrregelungen härter durchzugreifen - der traditionelle Transatlantik-Trip von Edelschneidern aus der Londoner Savile Row, bei denen sich auch amerikanische Banker gerne ausstatten lassen, fällt damit deutlich kostspieliger für die Kunden aus.

Die Zeitung zitierte in einem früheren Bericht einen Schneider, der sich über Orderrückgänge beklagte: "Wenn wir unseren Kunden erzählen, dass für einen Anzug, der 9000 Pfund kostet, 2000 zusätzlich an die Behörden gehen, dann wollen sie das einfach nicht bezahlen." Mehr als 20 Prozent Steuern würden demnach für Maßkleidung fällig - früher seien es allenfalls 4 gewesen.

Der Umfrage zufolge gaben aber immerhin 40 Prozent der Banker an, dass sie für ein Business-Outfit zwischen 1000 und 5000 US-Dollar ausgeben. Dafür gibt es schon etwas Ordentliches zu kaufen, sollte man meinen. Allerdings spielt für den legeren Kleidungsstil auch eine Rolle, dass der in Tech-Firmen gepflegte lässigere Stil auch allmählich in die steiferen Bereiche der Geschäftswelt durchsickert.

Mehr als 5000 Dollar geben nur fünf Prozent für ihre Arbeitskleidung aus - das sind dann auch die, die von den höheren Steuern auf Luxuskleidung am stärksten betroffen sind. Nur 3 Prozent gaben weniger als 100 Dollar aus. Das waren wahrscheinlich die, die im vergangenen Winter in den Fleece-Pullis mit Eigenwerbung ihrer jeweiligen Bank gesichtet wurden.

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