Herrenausstatter meldet Insolvenz an Nadelstreifen-Ikone Brooks Brothers ist pleite

Über 200 Jahre lang kleidete Brooks Brothers US-Präsidenten, Industriemagnaten und Heerscharen von Bankern ein. Der Herrenausstatter überstand Weltkriege und Casual Fridays - dann kam die Homeoffice-Welle der Corona-Pandemie.
Kleidete dutzende US-Präsidenten und -Magnaten ein: Brooks Brothers (hier eine Filiale auf der Londoner Regent Street)

Kleidete dutzende US-Präsidenten und -Magnaten ein: Brooks Brothers (hier eine Filiale auf der Londoner Regent Street)

Foto: David Jensen/ imago images/PA Images

Die Corona-Krise bringt  ein weiteres traditionsreiches US-Unternehmen in Existenznot. Der über 200 Jahre alte Herrenausstatter Brooks Brothers beantragte am Mittwoch Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzgesetzes. Die Covid-19-Pandemie habe das Geschäft enorm belastet, erklärte eine Sprecherin. Zuvor hatte die Krise bereits andere bekannte Namen des US-Einzelhandels wie das Edelkaufhaus Neiman Marcus , die Warenhauskette J.C. Penney oder J. Crew in die Insolvenz gezwungen. In Deutschland hatte der Schuhhersteller Lloyd ebenfalls am Mittwoch die Produktion eingestellt.

Brooks Brothers gehört seit 2001 dem italienischen Geschäftsmann Claudio Del Vecchio (63), Sohn von Leonardo Del Vecchio (85), als größter Einzelaktionär des Brillenriesen EssilorLuxottica einer der reichsten Italiener. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Management mit Finanzberatern verschiedene strategische Optionen für eine Neuaufstellung ausgelotet - inklusive eines Verkaufs des Geschäfts. Dieser Prozess soll nun über ein Bieterverfahren laufen.

Brooks Brothers betonte indes, dass der Antrag auf Gläubigerschutz nicht bedeute, dass der Geschäftsbetrieb eingestellt oder das Unternehmen liquidiert werde. Es gehe vor allem darum, Wege zu neuen Finanzmitteln zu eröffnen und den Verkauf der Firma zu erleichtern. Laut US-Medien gibt es reges Interesse von Investoren. Das New Yorker Unternehmen wurde im Jahr 1818 gegründet und hat nach eigenen Angaben rund 500 Filialen weltweit, etwa 250 davon in Nordamerika. Brooks Brothers bezeichnet sich selbst als den ältesten US-Einzelhändler.

Der betagte Herrenausstatter, der Generationen von US-Politikern und -Investmentbankern mit Nadelstreifenanzügen und Krawatten versorgte, steckt schon länger in der Krise. Der Trend zu lockereren Dresscodes und verschärfte Konkurrenz setzten Brooks Brothers schon vor der Corona-Pandemie zu. Ob die alten Modestandards nach der Krise zurückkehren, ist noch unklar - vom "Wall Street Journal"  befragte Anwälte und Finanzberater sagten der Zeitung, Brooks Brothers sei zwar lange die Uniform ihrer Branchen gewesen, mittlerweile trage man aber selbst in wichtigen Meetings Kapuzenpullover oder Shorts.

luk/dpa
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