Mittwoch, 11. Dezember 2019

Die Rückkehr der Aktentasche Männersache

Aktentaschen: Das Wahrzeichen des berufstätigen Mannes
TMN

Schnauzer, Hut, Pfeife: Junge Männer tragen heute gerne Dinge, die bislang eher als spießig und ältlich galten. Jetzt haben sie auch noch die klassische Aktentasche wiederentdeckt. Und die Frauen ziehen nach.

Karstädt - In den 60er Jahren besaß nahezu jeder Mann eine Aktentasche, vom Arbeiter bis zum Unternehmensführer. Dabei war sie mehr als nur Transportmöglichkeit für Brotbüchse, Terminkalender und Geschäftspapiere. Es war das Erkennungsmerkmal des berufstätigen Mannes.

"Mit der Zeit verblasste das Statussymbol und verkam schließlich, als Lehrer- oder Arzttasche verpönt, zum Inbegriff der Spießigkeit", skizziert Bernhard Roetzel, Buchautor und Modeexperte aus Karstädt, den Untergang des Klassikers. Kein endgültiger Untergang - die Aktentasche ist zurück.

Ihr Comeback hat sie den Hipstern zu verdanken, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. "Mit der Sehnsucht dieser retroorientierten, urbanen Mittelschicht nach der vermeintlich besseren Zeit, wurde die Aktentasche, genauso wie die Hornbrille oder der Hut, wieder populär." Die 60er Jahre, Hochzeit der Aktentasche, geprägt durch Beständigkeit und beflügelt vom Wirtschaftswunder, gelten als diese vermeintlich bessere Zeit.

Doch heute ist die Aktentasche längst nicht mehr nur Symbol der arbeitenden Klasse. Bei Geschäftsmännern und Studenten ist sie gleichermaßen angesagt und sogar als Freizeitaccessoire beliebt. Nicht mehr nur Männer, auch Frauen tragen sie. Die "Hera Business Aktentasche" von Mandarina Duck etwa wirkt durch den schmalen Metallverschluss besonders weiblich, genauso wie die nach unten etwas breiter werdende "Montpellier 2515 Businesstasche L" von Leonhard Heyden.

Die gute alte Tasche wird modischer

Mit ihrem Revival hat die Aktentasche ihr starres Äußeres abgelegt. "Sie ist modischer geworden", hat Sabrina Vogel, Marketingbeauftragte des Onlineshops Taschenkaufhaus.de mit Sitz in Leipzig beobachtet. Dem kastigen Design von früher stehen heute sportiv lockere Modelle gegenüber. "Zugleich wird die Mode immer gradliniger", erläutert Vogel. "Man könnte also sagen, Aktentasche und Mode nähern sich einander an."

Modelle, bei denen Materialien gemixt werden, sind daher längst keine Seltenheit mehr. Bei der Businesstasche "Swiss Cross Messenger" von Strellson werden zum Beispiel Rindsleder und bourdeauxfarbenes Filz kombiniert. "Die Mode lebt von solchen ästhetischen Brüchen", sagt Müller-Thomkins.

Der Blick auf die Verkaufszahlen verrät jedoch, dass die klassische Aktentasche aus Leder nach wie vor am häufigsten im Warenkorb landet. Besonders beliebt seien Taschen mit Leder-Patina im Vintagelook, sagt Taschenexpertin Vogel. An alte Schulranzen erinnern etwa die Modelle "Fella" und "Big Finn Vintage" von Aunts & Uncles.

Claudia Schulz vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie in Offenbach wundert dieser Retrotrend nicht: "Leder ist ein natürliches und sehr wertvolles Material, das sich, weil es weich ist, angenehm tragen lässt, und zugleich Stil und Klasse ausstrahlt - insbesondere, wenn die natürliche Narbung des Leders zu erkennen ist." Edle Beschläge, Reißverschlüsse oder Knöpfe heben diese Wirkung genauso hervor wie die Patina, die das Leder mit der Zeit erhält.

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