Mittwoch, 24. April 2019

Der Blouson Jacke der Rebellen

Blouson, G9, Harrington: Rebellion in schick
Baracuta

2. Teil: Der Blouson wird zur Harringtonjacke

Zurück in die 80er. Im Plattenschrank meines Großvaters stand die Single "Wooden Heart" von Elvis. Ich liebte den Song mit der Melodie von "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus". So schmachtete der King vor sich hin, und das Vinyl knisterte. Neben der Musik kannte mein Großvater auch Elvis' Filme. Nicht, dass der King jemals ein besonders guter Schauspieler gewesen wäre. Dafür war er Stilikone.

In "Mein Leben ist der Rhythmus" ("King Creole") von 1958 spielt Elvis einen 19-Jährigen, der sich einer Jugendbande anschließt. Wieder klassischer Rebellenstoff. Das Magazin "Catholic World" nennt den Film später eine Mischung aus Kriminalität und Sex. Und was trägt Elvis? Natürlich Blouson. Für die Jacke ist es nicht weniger als die Eintrittskarte in die Populärkultur.

In den 60ern trägt US-Schauspieler Ryan O'Neal in der Fernsehserie Peyton Place ebenfalls Blouson. Da seine Figur Rodney Harrington hieß, bekommt der Blouson seinen Spitznamen weg und heißt fürderhin "Harrington-Jacke". Auch der populäre Schauspieler Steve McQueen trägt seinen Teil bei, als er im Blouson auf dem Cover des "Life"-Magazins posiert.

Das schreckte die Punks, Skins und Hooligans der 80er-Jahre allerdings überhaupt nicht. Für meinen Großvater waren diese Gesellen einfach nur "Gammler", wie er sagte. Und trotzdem schlüpfte er jeden Tag in seine Harringtonjacke, seine G9, seinen Blouson. Mein Großvater war kein Rebell, er war Rentner. Und der Blouson in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Italiener übernehmen Baracuta

2012 hat das italienische Modelabel "WPLavori in Corso", zu dem Marken wie Barbour und B.D. Baggies gehören, die Traditionsmarke Baracuta übernommen und überarbeitet die Jacke nun vorsichtig. "Wir respektieren das kulturelle Erbe der Marke", sagt Kenichi Kusano, Designer der Baracuta Blue Label Collection und früher beim japanischen Designer Beams+.

Kusano hat verschiedene Interpretationen des G9 erschaffen, etwa einen Blouson mit Außenkapuze, einen mit aufgesetzter Brusttasche oder einen Militärmantel ("BW Coat Blackwatch"). "Wir haben Stoffe verwendet, die die Armee traditionell benutzt, wie Fischgrätenwolle und Popeline", so Kusano.

Popeline ist ein besonders dichtes, strapazierfähiges Gewebe aus Polyester und Baumwolle, das unempfindlich gegen Schmutz ist. Am wichtigsten sei neben aller Funktionalität aber, dass der G9 einfach zu tragen sei. "Baracuta ist für jeden Tag und es sollte Spaß machen, sie zu tragen", so Kusano.

Heute wie damals muss niemand ein Rebell sein, um Blouson zu tragen. Die Jacke lässt sich mit allem möglichen kombinieren: mit Jeans eben so wie mit Chinos, mit Hemden genau so wie mit Dean-mäßigen T-Shirts.

Anders betrachtet ist aber das Tragen eines Blousons heutzutage auch schon wieder Rebellion. Denn wer zieht sich schon an wie der eigene Großvater?

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