Mittwoch, 24. April 2019

Trenchcoat Silhouette wie eine Sanduhr

Trenchcoat: Bunt ummantelt
TMN

Der Trenchcoat ist ein Filmstar: Humphrey Bogart trug ihn in Casablanca, Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany". Auch in diesem Frühjahr ist der leichte Mantel wieder angesagt - Farbe und Passform sei Dank.

Köln - Ein Detektiv trägt Trenchcoat. Der Mantel ist beige, etwas schäbig, wie der Typ selbst - und wirkt meistens deswegen hässlich. Regnet es in den Detektivfilmen, schlägt der Schnüffler den Kragen hoch. Aber wenn eine Dame zum Trenchcoat greift, ist das gleich ein anderes Bild. Denn ein schickes Modell gilt als äußerst elegante Kleidung.

Der Trenchcoat ist die Übergangsjacke schlechthin für dieses Frühjahr, geht es nach den Modeexperten. Aber der Klassiker war nie out. Lange war er jedoch als steifer Alt-Herren-Mantel verrufen. Nun entdecken ihn gerade junge Frauen für sich - und spielen mit seiner Wirkung auf Männer.

Vor allem aber ist er zunächst praktisch: "Er wirkt schick und zugleich sportlich, und er ist zu allem kombinierbar", nennt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln, seine Vorteile. Das gilt vor allem für die teils fröhlich bunten Modelle, die es derzeit im Handel gibt: Sie sind gelb, türkis oder wie bei Loiza rosa- und bei Burberry roséfarben. "Oftmals schmeichelt der Trägerin eine Farbe wie etwa Kobaltblau sogar mehr als Beige oder Schwarz", erläutert Sonja Grau, Personal Shopperin aus Ulm. Sie wirke darin schlichtweg freundlicher.

Und obendrein gibt es den Mantel nun auch in kurz. Bis knapp über den Po reicht Loizas Modell, das feuerrote Stück von Rich & Royal geht sogar nur bis zur Hüfte. Das stehe besonders kleineren Frauen gut, sagt Modeberaterin Grau. Sie rät: "Frauen mit geringer Körpergröße sollten nach einem Trenchcoat-Modell greifen, welches kürzer ist - das heißt, er sollte oberhalb des Knies enden." Größeren rät sie, knielange Modelle zu kaufen.

Anfangs als Soldatenmantel konzipiert

Die gibt es auch - denn die traditionelleren Modelle lassen sich nicht vom Markt verdrängen. Minx hat einen beigen Trenchcoat, der immerhin bis zur Mitte der Oberschenkel reicht. Auf dem Laufsteg trug ihn ein Model über einem weißen Kleid. Marc O'Polo lässt einen khakifarbenen knielangen Mantel tragen.

Und auch das wirkt gut. Denn irgendwas hat die Frau im Trenchcoat an sich, was alle davon schwärmen lässt, sagt Müller-Thomkins. "Sexy ist sie." Warum der Mantel an einer zarten Frau aufsehenerregender ist als am Mann, versteht man, wenn man sich seine Geschichte anschaut. Der Trenchcoat war nämlich nie als weibliches Kleidungsstück gedacht. Sir Thomas Burberry entwarf ihn für die britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg. "In ihm überstanden die Soldaten den Winter in den Gräben", sagt Müller-Thomkins. Und daher kommt sein Name: Trenches bedeutet übersetzt Schützengräben.

Der Militärmantel bestand aus Gabardine, einem sehr dichten Stoff, der Wasser abhält. Damit es den Soldaten nicht in die Stiefel regnete, war er lang. Später ließen die Heimkehrer ihn kürzen, was den Mantel alltagstauglicher machte. Noch heute hat er viele Merkmale von früher: Er lässt sich an den Ärmeln festzurren, damit es nicht hineinregnet. Und er ist vorne zweireihig. Er hat ein großes Schulterpasse und militärische Schulterklappen. Der Regenmantel mit Stil war nach dem Krieg bald beliebt bei Herren mit Stil. "Man ist damit einfach immer perfekt angezogen", sagt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt am Main.

Schon während des Krieges und in den Nachkriegsjahren zeigten sich besonders Schauspielerinnen und Künstlerinnen gerne in Männerkleidung, etwa im schwarzen Anzug und Krawatte. Und Marlene Dietrich, Brigitte Bardot und Audrey Hepburn trugen auch den Trenchcoat. Männerklamotten wie das weiße Hemd, die zu große Jeans, das weite Sakko oder eben der Mantel ziehen Frauen magisch an - und Männer mögen sie häufig darin sehen. Kombiniert werden sie aber mit typisch weiblichen Stücken wie High Heels an den Füßen. Es ist ein Spiel mit Gegensätzen, dem sich die Mode bedient. Der Trenchcoat wirkt am besten auch zu nackten Beinen und hohen Schuhen, sagt Müller-Thomkins.

Eine Silhouette wie eine Sanduhr

Und ausgerechnet der männliche Trenchcoat betont die weibliche Figur gut: "Mit dem Gürtel kann man die Taille herausbringen", sagt Rose. So wirke der Körper wie eine Sanduhr - die, in die Luft gemalt, aussieht wie jene Handbewegung, die Männer gerne nutzen, um eine weibliche Figur zu skizzieren.

Seine klassische Farbe lässt den Träger geheimnisvoll wirken. Autor Antonio Mancinelli schreibt im Kapitel Trenchcoat in seinem Buch "Fashion:Box - Modeklassiker und ihre Stars" über das Beige: "Perfekt für jemanden, der seine Gefühle verbergen will oder muss, oder der sie vor den Blicken der Öffentlichkeit schützen will. Schließlich zeigt sich die glamouröseste Entscheidung in der Haltung, selbst ein Geheimnis zu bleiben."

Der Trenchcoat ist einfach der Mantel des Detektivs oder eben der geheimnisvollen Frau, die gerne spielt. Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany" perfektionierte das Bild der Frau in dem Kleidungsstück und verstärkte vielleicht den Wunsch vieler Mädchen, so wirken zu wollen: Die von ihr verkörperte geheimnisvolle Holly Golightly wird in der letzten Filmszene im Regen geküsst - natürlich im Trenchcoat.

Simone Andrea Mayer, dpa

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